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Der Israelit · 1872-07-10 · Heft 28 (10.7.1872) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 28 (10.7.1872)
Date
1872-07-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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611 währleiftete Freiheit des religiösen Bekenntnisses fei nur so zu verstehen, daß Jeder berechtigt ist, sich mit seinem iuueren religiösen Leben in freie Uebereinstimmiing zu bringen. Schließlich wird aus das Obertribunals-Erlenntniß vom 17. Leptemper 1852 hingewiesen, in welchem mit Recht ansgenihrt sei, daß die Verfassnngsbeslinnnnngen nur leitende Grundsätze zgrr künftigen Ordnung der in denselben erwähnten Punkte, keineswegs aber dazu angethan seien, ein bestimmtes particulares Recht aufzuheben. Cvrpvrationen zu vernichten und Ansprüche ihrer Mitglieder :c. zu beseitigen und die gemeinnützigen zu fortdauernden Zwecken gegründeteil Einrichlungen zu zerstören, welche mit der Corporation eng verknüpft sind. Dieser Erfolg müsse aber entschieden eintreten, sobald sich Jeder dlrrch die blofze Austritts- Erklärung seiner Verpflichtungen gegen die Gemeinde, entledigen könnte. (Fr. Ztg.) Hamburg, 5. Juli. Als ein erfreuliches Zeugnis der forschreitenden Bildung ist es wohl zu betrachten, daß in einzelnen Orten auf dem flachen Lande, mit fast ausschließlich christlicher Bevölkerung, einzelne Fsraeliten an der inneren (Gemeinde-Verwaltung theilnehmen, und die Schranken der eonsessionellen Unterschiede nach und nach fallen. So hat sich denn auch vor etwa 2 Monaten der gewiß selten vorkommende Fall ereignet, das; m dem etwa 2000 Einwohner zählenden Flecken Visselhövede, Provinz Hannover, der ftaiifttuum Martin Alexander, ein junger Alaun von .">2 Jahren zum Bürgermeister crioählt uild vom König!. Amte auch sofort bestätigt worden ist. Herr Alerander ist der einzige im Orte wohnende Jude, daher diese Wahl um so' Ulehr als ein schönes Zeugnis; der nnparleiischen Gesinnung der Einwohner in Visselhövede anzusehen ist. Hoffentlich wird ein solches Erreignis; bald nicht mehr so vereinzelt dastehen, und die Israeliten immer mehr mit ihren christlichen Mitbügern dieselben staatlichen Rechte in der That genießen, wie dieselben durch die Gesetzgebung bereits gewährleistet sind. Hüls b. Crefeld, 5. Juni. Es ist eine zwar gewöhnliche aber doch immer merkwürdige Erscheinung, daß sonst glaubenstreue Jehudim, die es in andern machen sehr genau nehmen, in Bezug auf den Fleischaukauf bei jüdischen Metzgern, die öffentlich den Sabbat entweihen, nichts weniger ald scrupnlös sind. In Crefeld z. B. gibt es über 50 jüdische Merzger, von denen aber sehr viele öffentlich oder insgeheim am nütp verkaufen, und hierdurch nicht bloß im'n, sondern wirklich naio sind. Da nach yyv o'Op i"' '* H lind nach den Anmerkungen des "“v und AB zu diesen Stellen Fleisch, von solchen Metzgern gekauft, L'2'2 znm Genüsse nicht gestattet ist, so wäre es, um die Ausübung dieses “cm y-dw* zu verhindern oder! wenigstens IN beschränken, wünschenswerth, daß sämmtliche glaubenstreue Jehudim sich verbänden, von besag- I teil Metzgern kein Fleisch zu kaufen. — Da Belehrung über diesen Punkt bei den Metzgern leider meistens ohne Erfolg bleibt, so würde vielleicht durch dieses Mittel eine solche Pression ausgeübt, daß viele Metzger ihr retigionswidriges Treiben eiustellen wiirden, und besonders an solchen Orten, wo, wie in Crefeld, die Concnrrenz eine große und daher Mangel an itpu Fleisch nicht zu befürchten ist. Jedenfalls aber sollten fromme Jebndim gegen ein solches Thun minder gleichgittig sein, da es sich hier um eine der höchslwichtigen Angelegenheiten unseres heiligen Religionsgesetzes handelt. — Gebe Gott, daß es besser werde! 2. Cohen, Lehrer. Mciz. Der Reichskanzler hat im Budget für 1*72 die Besoldungen der Geistlichkeit der verschiedenen Culte erheblich erhöht. Die 3 Großrabbiner erhalten 500(> Frcs. (statt 3000); 40 Rabbinen 2250 Frcs. «statt 1800); 45 Vorbeter 1500 Frcs. (statt 900). (Arch. Jsr.) O e st e r r. - U n g a r. Mona r ch i e. Wien. Der auf bischöflichen Wunsch von der Regierung seiner Stelle au einer confessionetl gemischten Bürgerschule in Böhmen enthobene iSrael. Lehrer Spitz (der Cnltns- und Unterrichtsminister Stremayr erklärte, fein Besähigungszengniß habe nur für isr. Schulen Giltigkeit) wurde, nachdem er sich nochmals der gesetzlichen Prüfung unterzogen, wieder von dem Karlsbader Bezirksschulrat!) angestellt, aber die klerikale Majorität des böhmischen Vandesichntraths beschloß, daß der Jude an einer von katholischen Kindern besuchten Schule nicht lehren dürfe, und versetzte ihn unverzüglich in deil Rnhennd Pensionsstand. Italic n. Rom. „Jew. Chr." schreibt: „Wir vermeiden soviel wie niögtich jedes Aergerniß gegen unsere christl. Aiitbürger in' religiösen Punkten urtd wir haben uns rnit fast übertriebener Zurückhaltung und verfeinerter Höflichkeit davon entfernt, mit ihnen in die Schranken zu treten. AVer da wir sie in Ruhe lassen, sollten sie an uns ein Gleiches thnn. Jedoch bektagen wir uns nicht ohne Grund über die Mißbräuche, welche die Missions- Gesellschaft in Rom, seit der Uebergabe der weltlichen Macht des Königs - Papstes in die Hände des Königs von Italien, sich erlaubt. Wir gratnlirten uns ob dieses Tausches, weil wir dachten, er würde für das Interesse der Freiheit und Menschlichkeit in Italien und in der ganzen Wett bessernd Mitwirken. Wir könnten jedoch fast verzweifeln, wenn wir finden, daß die Lon-

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