Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1872)
- Date
- 1872-07-03
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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606 Drohung; falls man die Juden nicht einzig und allein ihnen überläßt, werden sie — so sagen sie — eine Revolution in Scene setzen, die Juden mit Mann und Maus ausrotten und eine wahrhaft rumänische Regierung einsetzen. Als ob die jetzigen Staatsmänner nicht genug wahrhaft rumänisch in all' ihrem Thun und Lassen seien. Wenn die Lage der Dinge nicht eine gar so verzweifelt ernste, der Regelung bedürfende wäre, man wäre versucht zu glauben, daß die Herren vom „Romanul" resp. C. A. Rosetti und Komp, mit denen von der „Pressa" resp. Costaforu und Consorten, mit einander „Gevatter leih' mir die Scheer'" spielen. Sie glauben gar nicht, welche Mittel und Mittelchen man hieranwendet, um Politik zu treiben. So annoncirt der gewesene Ministerpräsident, John Bratiano, jud erpresserischen Angedenkens, seit einer Reihe von Monaten in seinem Leiborgane „Romanul", daß in feiner Niederlage „einzig und allein" nur 8raäa nona 5, täglich von 8 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends frische Butter aus eigener Maierei und guter Wein aus eigener Kelter zu haben sei. Uno wozu glauben Sie, nützen Herrn Bratiano diese Inserate und dieses Verkaufsmagazin? Damit er eben zur rechten Zeit sagen kann: Sieh' her freta brfnzara (Bruder Käsehändler), ich bin ja auch Deinesgleichen, gib mir Deine Stimme. Und solche Kniffe wirken, denn das stärkste Kontingent zu den Anhängern Bratiano's liefern die Brinzari, Schweinehändler u. dgl. Leute, meist bulgarischen Ursprungs, die einen ziemlich großen Theil der Landesbevölkerung bilden und oie nie verfehlen, zu jeder Judenhetze ihr Scherflein beizutragen. Auf diese Weise verbindet Herr Bratiano das'Angenehme mit dem Nützlichen, indem er Politik mit Kommerz verquickt. Die Reise des Ministers Costaforu nach Konstanttnopel absorbirt jetzt jegliches Interesse, und bildet hier den Magnet des Stadtklatsches. Wir gebrauchen hier geflissentlich den Ausdruck: Stadtklatsch, da, bei dem Umstande, als die Regierung, mit Bezug auf diese diplomatische Exkursion stumm wie ein Fisch, man lediglich nur auf Gerüchte angewiesen ist, die mehr oder weniger Vermuthung oder gar müssige Erfindung sind. Der „Romanul" tischt seinen Lesern der Gründe drei auf. Der eine, der uns der glaubwürdigste dünkt, sei hier wiedererzählt. Nach genanntem Blatte nun, hat die Reise Costaforu's den Zweck, sich über seine Stellung gegenüber dem Jsmailer Vorfälle zu erklären. f err Costaforu hat nämlich vor den auswärtigen onsuln sich geäußert, daß die Urheberschaft der Unruhen in Besarabien Rußland zuzuschreiben ist, welches absichtlich der rumänischen Regierung Schwierigkeiten bereiten will. Diese Aeußerung ist dem russischen Konsul hinterbracht worden, dieser wieder hat an den russischen Gesandten bei der hohen Pforte referirt, und die Folge davon war eine äußerst kategorische Note des Generals Jgnatieff an die rumänische Regierung, in welcher Note dieselbe aufgefordert wird, Beweise für die Behauptung Costaforu's beizubringen. Darauf sei die erwähnte Reise beschlossen worden. Herr Costaforu dürfte am 27. wieder hier sein, und mit ihm das Resultat. Während sich in der Landeshauptstadt die Gemüther über die in Aussicht stehende Konferenz und die Reise Costoforu's erhitzen und in Aufregung gerathen; während die „Rothen" eine Revolution als nahe bevorstehend prophezeien, weilt der Fürst und seine Familie in seinem reizenden, vom Flüßchen Prahova unspielten Tusculum, „Kloster Sinai", und pfleget der Ruh'. Ob ihm bei dieser Ruhepflege trotz lieblich grünender Au und leise murmelnden Wellenschlags gar angenehm zu Muthe ist, daran zweifeln wir. (F. B.) Frankreich. Paris, 23. Juni. Die Nationalversammlung brachte gestern die zweite Lesung des Rekrutirungsgesetzes zum Abschluß. Zu Art 69 hatte Baron Chaurand folgende Zusatzbestimmung beantragt: „Jeder auf Grund der Art 37 und 38 zum Heeresdienst verpflichtete Franzose behält die Zeit und die Freiheit, die ihm zur Erfüllung seiner religiösen Pflichten an Sonn- und Festtagen nothwendig sind." Bischof Dupanlaup ergeht sich auf's Neue in den bereits in der Generaldebatte angestellten Betrachtungen über die Heiligkeit der Sonntagsfeier. Schölcher: Warum gerade Sonntag? Für die Juden fällt der Ruhetag auf Samstag. Dupanlaup: Ja wohl und für andere französische Unterthanen auf Freitag: das Amendement erstreckt sich ohne Unterschied auf alle Feiertage der vom Staate anerkannten Bekenntnisse. Wir mögen (zur Linken gewendet, die den Redner mehrmals durch Geräusch unterbricht) m inderen Fragen verschiedener Meinung sein; aber Sie werden mir zugeben müssen, daß 5 —600,000 Franzosen, die Elite unserer Jugend, nicht vier oder fünf Jahre lang ohne Gott, ohne Glauben, ohne Opfer und ohne Altäre unter den Waffen gehalten werden können Es ist dies eine nationale Ehrensache: blicken Sie auf die Karte: die christlichen Völker sind die Herren der Welt. (Eine Stimme links: Ja wohl die protestantischen Völker!) Die Kriegs-