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Der Israelit · 1872-07-03 · Heft 27 (3.7.1872) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 27 (3.7.1872)
Date
1872-07-03
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XM. Jahrgang. Zweite Beilage z« Rr. 27 des Zsraelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pesth. Wie der ,,P. L." vernimmt und uns bereits telegraphisch signalisirt wurde, hat die großbritannische Regierung, getreu den' im Parlamente abgegebenen Erklärungen, sich mit der Lage der Juden in Rumänien diesmal sehr ernstlich beschäftigt und ist zu dem Entschlüße gelangt, diese Frage zum Gegenstand einer europäischen Konferenz zu machen. Der Vertreter Englands in Konstantinopel soll zu diesem Zwecke bereits mit den nöthigen Instruktionen ausgestattet und in Verhandlung mit der Pforte getreten sein, welcher hiermit ihr Suzeränetätsrecht auch formell gewahrt wurde. Bekanntlich begab sich vor Kurzem der rumänische Ministerpräsident, Herr Costaforu, in eigener Person nach Konstantinopel, woselbst er auch bereits wiederholte Unterredungen mit dem Minister des Aeußeren hatte. Diese Reise wird nun in Verbindung gebracht mit jenem Projekte und es wird versichert, daß Herr Costaforu alle Beredsamkeit aufbiete, um die Pforte gegen das Zustandekommen einer solchen Konferenz einzunehmen. Man erinnert sich da unwillkürlich des Rundschreibens, das Herr Costaforu Anfangs Mai angeblich an die rumänischen Agenten im Auslande erließ und worin er die Berichte über die Judenverfolgungen in Rumänien ebenso der Uebertreibung zieh, als er die famosen Verdikte der Jury in Schutz nahm. Rumänien. Bukarest, 21. Juni. Die offiziöse, von der Regierung subventionirts, Herrn Costaforu einzig und allein ihre Existenz verdankende „Pressa" bringt an der Spitze ihrer vorgestrigen Nummer folgendes, von der diplomatischen Agentschaft Rumäniens in Berlin herrührende Telegramm: „England verlangt den Zusammentritt einer Contercnz in Angelegenheit der Juden Rumäniens. Rußland und Oesterreich werden daran theilnehmen, damit die Convention vom 18. September 1858 aufrecht erhalten bleibe. Diese Intervention hat keinen anderen Zweck, als unter Mitwirkung der rumänischen Regierung die Lage der Juden in den Donaufürstenthümern zu verbessern." Diese Depesche ist der „Pressa" vom Ministerium, des Aeußern zur Verfügung gestellt worden und das offiziöse Organ knüpft daran folgende sinnlose Bemerkungen , quasi als wollte es den Juden damit einen Dienst erweisen: „Eine Conferenz würde uns sowohl erniedrigen, als auch zu gleicher Zeit in Auftuhr bringen. Nur Diejenigen, welche Rumänien nicht kennen, mögen glauben, daß eine solche Maßregel den Juden nützen wird; nur die Feinde der Juden und die Feinde Rumäniens können auf diese Conferenz dringen, welche ebenso absurd als unausführbar ist. Die Emancipirung der Juden in Rumänien ist unmöglich; diese rein innere iociale Frage muß langsam, sehr langsam von Rumänien und nur durch Rumänien gelöst werden." Die Herren von der „Pressa" mögen sich wohl in. solche kopflose Anschauungen hineinleben; uns will es. bedünken, daß sie selbst nicht recht an ihre eigenen Worte glauben. Wir, die wir rumänische Zustands aus jahrelanger Anschauung bis in die kleinsten Einzelheiten gründlich kennen, behaupten, daß unter den jetzigen Verhältnissen nur eine Conferenz von Vertretern der Großmächte die hierlandischen Juden aus ihrer im höchsten Grade bedauernswertsten, unerträglichen Lage befreien kann. Es wäre das größte Unglück für die Juden, wenn man die Verbesserung ihrer Lage dem Gutdünken rumänischer Machthaber überlassen würde. Ist es nun einmal so weit gekommen, daß eine Intervention der garantirenden Mächte dringend geboten erscheint, so muß diese Intervention ebenso ernst als energisch durchgeführt werden. Es wäre unverzeihlich, wenn man noch ferner gleichgiltig Zusehen würde, wie Rumänien selbstständige Großmachtspolitik treibt und sich dabei selbst ruinirt. Obenerwähnter Commentar der „Pressa" ist die Inspiration der am Ruder stehenden Männer, welche, die Unhaltbarkeit der jetzigen Zustände einsehend, sammt und sonders ins rothe Lager desertirt sind. Der „Romanul" begrüßt diese Umwälzung in schmunzelndem Tone und schließt die „Pressa", mit deren Herausgebern sich sonst die des „Romanul" buchstäblich in den Haaren gelegen haben, in seine Arme, frohlockend, daß „Madame die Segel gestrichen und in den Hafen der wahrheitsliebenden liberalen (sie) Partei eingelaufen." Im Verein nun geht unsere fusionirte Journalistik daran, der Welt mit süßlich ekelhaften Worten beweisen zu wollen, daß die Conferenz für die Juden keine guten Folgen haben werde und könne. Von einem Extrem ins Andere überspringend, greifen die Rumänen zur

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