Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1872)
- Date
- 1872-07-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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ser kann dock nicht zugemuthet werden, daß sie allen Individualitäten und Verhältnissen entsprechen soll. Wohl werden verschiedene Schwierigkeiten zu besiegen sein. Allein die Haupthindernisse sind nicht solcher Art, daß sie nicht zu beseitigen wären. Geeignete Persönlichkeiten werden sich jedenfalls finden und die nothwendigen, bedeutenden pecuniären Mittel (da wir schon im Voraus gefaßt sein müssen, dem Ausspruche unserer Weisen mm «an onoEr ^33 nnm Rechnung zu tragen), diese werden gewiß der Realisirung eines solchen Projectes nimmer hemmend in den Weg treten. Die großartigen Sammlungen für Persien, Rumänien rc. sic sind die besten Belege, daß die Opferbereitwilligkeit Israels eine immer stärker sprudelnde Quelle ist, die gerne mit ihren belebenden Gaben alle Gruben und Cisternen zu tränken bereit ist, die bedroht werden, der Versiegung anheimzufallen. Um so rascher, reicher und bereitwilliger werden also die Unterstützungen fließen, wo es gilt, den geistigen Quell Israels, das Thora- Studium zu befördern und zu heben. Deßhalb ihr einflußreichen Persönlichkeiten gehet rasch und energisch an die Ausführung. Wir rufen Euch zu usy ipI pinrui pm. Ihr widmet eure Kraft dem besten und edelsten Werte '.i noa cD'jD-a! Ihr habt Euch des göttlichen Beistandes zu erfreuen, eurer Hände Werk trägt an seiner Stirne das Siegel Gottes, die Wahrheit, und die Früchte euerer Unternehmungen werden die späteren Generationen noch erquicken. (Der geehrte Herr Einsender fordert uns auf, unsere Zustimmung seinem hochwichtigen Vorschläge anzufügen, was wir überaus gerne thun. Wollte Gott, daß derartige Anstalten in's Leben gerufen würden und gedechen möchten zum Heile Israels! Zur Ordnung und Realisirung aller vorliegenden Projecte als da sind: Gründung eines orthodoren Rabbiner-Seminars, Gründung von rabbinifchen Gymnasien, Gründung eines Vereins zur Eonservirurg jüd.-religiöser Interessen rc. wäre eineZusammenkunft der gesetzestreuen Rabbinen Deutschlands durchaus nothwend ig. Es ist ja ein Geist, der Alle beseelt, der Geist unserer heiligen Thora, ein Wunsch, der alle Herzen durchdringt, der Wunsch, Gottesfurcht zu fördern, Thora-Studium zu verbreiten. Dre mündliche Besprechung würde über streitige, jedenfalls nur nebensächliche Punkte klärend hinweghelfen. Wir glauben, daß dieser unser Vorschlag allseitig mit Freuden wird begrüßt werden und hoffen n"\x bald Näheres mittheilen zu können. — Die Redaction.) Augsburg. Eine Eorrespondenz der „A. A. Ztg.", daürt von der durch Wein und Marmor weit bekannten Marmor-Jniel, wirst ein helles Schlaglicht auf die sittliche Entartung, in welcher die unteren griechlfchen Volksschichten sich noch dort befinden. Ein 598 ältlicher Mann wird in der Ortschaft vermißt. Der Bruder sucht rhn, vermag ihn aber nicht zu finden. Wie ein Lauffeuer geht die Kunde durch das Städtchen, jener Mann sei von den Israeliten geraubt worden. Man stürzt in die Synagoge, und vernichtet dort Alles, was nicht nagelfest ist, dringt in die Häuser der jüdischen Familien, dw sich unter schweren Mißhandlungen in die Häuser der Türken flüchten, wo sie zum Theil und nur zeitweilig Schutz finden. Von einem Einschreiten der türkischen Ortsbehörden keine Spur. Da dies sich, sozusagen, angesichts Konstantinopels zutrug, so sandte die Pforte sofort ein Trupvcndetachement mit einem besonderen Regierungscommisjär aus einem Kriegsfahrzeug dahin ab, um die Ordnung herzustellen und die Schuldigen zur weiteren Aburtheilung nach Konstantinopel zu schaffen. Der Regierungscommissär ging mit Energie und Umsicht an seine Aufgabe. Zunächst ging man an die Hauptsache, nämlich nur zu erforschen, was in Wahrheit aus jenem Mann geworden, den die Griechen für geraubt, vermißt und von den Juden getödtet ausgaben. Es wurden Nachforschungen angestellt und der niederträchtige Betrüger, welcher durch seine Person den Vorwand zu den Unordnungen gegeben, fand sich einige Stunden von der Ortschaft entfernt in vollkommen gesundem Zustande. Er ward erkannt als derjenige, welchen die griechische Gemeinde für vermißt gehalten hatte. Jener Unhold wollte es jedoch der Sicherheitsbehörde nicht so leicht machen. Des Näheren darüber befragt, warum er fick von seiner heimatlichen Ortschaft gerade am Osterfest entfernt gehalten, j'imulirte er Stummheit, und gab durch Geberden zu verstehen, daß er etwas aufschreiben wolle. Er sei bei einem Juden gewesen, der ihm ein berauschendes Getränk gegeben; im bewußtlosen Zustand habe man ihm mit einem Messer Einschnitte in die Zunge gemacht, wahrscheinlich um das Blut zu nehmen. Wie ec sich dann aus der Ortschaft entfernt habe, das wisse er nicht mehr. Auf Grund dieser schriftlichen Erklärung wurde ein Arzt gerufen, der nach Besichtigung der Zunge erklärte: es sei weder eine Verwundung, noch sonst eine Beschädigung an derselben zu bemerken. Nachdem er dann unter Androhung körperlicher Züchtigung etwas schärfer in's Verhör genommen worden war, löste sich seine Zunge und wurde schließlich äußerst redselig. Aus den Untersuchungsacten geht hervor, daß dieser Mann bestimmt war, die Rolle des Vermißten während des jüdischen Osterfestes zu spielen, um so Veranlassung und Vorwand abzugeben, die Juden aus der Ortschaft zu vertreiben, und sich deren bewegliches und unbewegliches Eigenthum anzueignen. Nach diesem Hergang steht zu hoffen, daß die türkischen Gerichtsbehörden mit der vorn Gesetz vorgeschriebenen erforderlichen Strenge solchen unerhörten Ruchlosigkeiten entgege»treten werden. Auch in Janina in Albanien hatte man zu derselben Zeit eine Judenverfolgung vom Stapel gelassen; aber