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Der Israelit · 1872-07-03 · Heft 27 (3.7.1872) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 27 (3.7.1872)
Date
1872-07-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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599 die griechischen Anstifter und das lose Gesindel wurden rasch zu Paaren getrieben. Berlin, im Siwan. Die Aufmerksamkeit, welche die Welt der nunmehrigen Hauptstadt unsres einigen Vaterlandes widmet, mußte nvthwendig ihr Selbst'bewußtsein erhöhen und ihr einen gesteigerten Begriff der eigenen Leistungsfähigkeit auf allen Gebieten der Eultur, Kunst ltuö Wissenschaft einftößen. Sie blickt daher mit einem gewissen s3ceib aus die Vorzüre andrer Großstädte hinüber und möchte es ihnerr gerne in allen Stücken zuborthun. Nun bat sich in Wien vor einigen Jahren die Gründung einer Acticngestllschaft vollzogen, nm ein Projekt ins Werk zu setzen, das durch seine Neuheit einen enormen Gewinn in Aussicht stellte. Wir meinen die jüdische Proselyteniabrik unter der Direktion des Herrn Dr. Jellinek. Mit der Gründung dieser segensreichen Anstalt war natürlich einem allgemein gefühlten Bedürfniß abgeholfen. Wen:: trüber irgend ein verkommenes Individuum sich vergebens bemüht Ham, durch Herumlungern, Betteln und Eultivirnug ähnlicher Erwerbszweige die Lebensbedürfnisse zu bestreiten und gerieth nun aus den Einsall, durch den Uebertritt zuni! Judenthum an die jüdische Wohlthätigleit zu appelliren, um sich so ein bequemes Faullcnzerleben zu schaffen, da fand er sich, wenn er zu diesem Behuse bei dem Rabbiner anpochte, gewaltig enttäuscht. Denn dieser hielt es für seine heilige Pflicht, den angehenden Proselyten in der eindringlichsten Weise von einem Schritte abzulnaynen, lxr eine wraie Umgestaltung des Menscyen bis in seine innersten Lebensfasern hinein bewirken muß. Durch solch' standhafte Weigerung brachte er denn auch meistentheils den Aufnahmslustigen dahin, von seinem Vorhaben abzustehen. Damals hatten wir noch keine jüdischen Mrffivuäre, das Judenthum war sich noch viel zu sehr seiner Würde bewußt, jeden Hergelaufenen ohne weiteres in seinen Bund auszunehmen. Heute ist dies einfacher geworden. Dian beoibt sich aus das Proselyten-Aufnahme-Gesellschasts-Directivnsbureau des Herrn Dr. Jellinek in Wien, zahlt seine Tare und sparziert ins Judenthum hinüber. Hat es uns schon längst gewundert, daß Berlin! diesem fruchtbaren Industriezweig nicht die geringste i Beachtung widmete, so erwarteten wir seit jüngster! Jeit, wo das Gründungsfieber epidemisch geworden. nm! w bestimmter auch hier die Bebauung dieses bis dato > brachliegenden Feldes. Und richtig hat sich ein Unter- - nehmungslustigcr gefunden, der die Concurreuz in diesem! Artikel eröffnet hat und durch den energievollen Betrieb . fernes Geschäfts, noch mehr durch die erstaunlich niedri- ' gcu Preise uns ganz dazu qualificirt scheint, die Wiener - Fabrik todt zu machen. Du grübelst, lieber Leser, wer , von den „Beiden" eigentlich der „Gründer" ist, es ist zur Abwechslung einmal Herr Dr. Aub. Da es dich gewiß interesfirt, die innere Einrichtung der mit Dampfkraft getriebenen Betriebsmaschinen der Berliner jüdischen Missionsanstalt näher kennen zu ierucn, so sei dir hier ein Brief eines ins Judeuthnm aufgenoinmenen Kürschners an einen andern geschäsi. lustigen früheren Glaubensgenossen mitgetheitt, den die „jüdische Presse" zur weiteren Belehrung der Dessentlichkeit übergeben hat. | In demselben heißt es: .... Mit diesem Atteste «Austritt aus der christ-! lichen Kirche) gehen Sie zum Rabbiner Aub und theilen \ ihm mit. Hierauf müssen Sie sie!' ein Buch kaufen, j aus welchem Sie lernen müssen; das Lernen kann in i einigen Tagen schon gut sein, denn was Sie erst lernen! müssen, sind die drei Glaubensartikel und die zehn Gej bote. Haben Sie dieses gelernt, io raun die Beichneii düng vor sich gehen, der Dr. bekommt dafür 5 Thlr. i 25 Sgr. derselbe brin^at sich einen Gehilfen mit, dieser; bekommt 1 Thtr. 20 ^ar. - yieraur müssen Sie min-! desteus sieben Tage liegen bleiben. an achten Tage i gehen Sie wieder zum Rabbiner hin, hierauf werden! Sic eingeiegnet und zahlen mindestens -2 Thlr. Nun bekommen Sie vorn Rabbiner einen Schein, welcher Ihnen 15 Sgr. kostet, n n d daun find Sie Jude; aber ehe ^ie zur Einsegnung gehen, müssen Sie zur Mikwoh gehen, d. h. Bad nehmen, welches Ihnen 1 Thtr. kostet; andere N^benausgaven, z. B. Eid n. s. w. 1 Thtr.".. . — Man sieht, in wie aufopfernder Weise Herr Ile Aub durch diese „kostbare" Unternehmung zur „Vergrößerung" des Judenwuins wirkt. Natürlich, voll Jurückweisting oder gar von Vorstellung i der tieserifflen Verpflichtungen des jüdischeil Glaubens! nicht die ^pur; lächerlich, man wird doch nicht seinem! eignen Interesse ins Gesicht schlagen. Höchst interessant i ist auch noch die Correspondenz, welche die „jüdische! Presse" hiuzufügt, wie sie eben in besagtem Geschäft! zwischen Herrn Dr. Anb und diesem Handwerker ge- > führt wurde Der letztere verlegte sich näinlich aufs; Acevrdiren, wvrans ihm der edle Seelsorger erwiederte,! es sei Alles schon billigst berechnet , er lvvlle aber dennoch sehen, ob er es nicht vielleicht „noch billiger" Herstellen könne. Daß Herr Dr. Aub in diesem Verfahren die wichtigsten Vorschriften völlig iglivrirt, darr nicht befremden, rndem er natürlich von solchen alten Bestimmungen feine Notiz nehmen kann. denen zufolge er selbst in* b'DS ist. Daß dieser Herr aber sein Judenthum um zwanzig Thaler verkauft, daß er den Betrogenen vorspicgelr, sie seien nach solcher Hantierung Juden geworden, das zeigt uns. daß rvie so viele aridere gleichen Kalibers so auch dieser Grüiidungsschwindel keine wertere Tendenz hat, als das der Tafchenerleichterung des Publikums. F r a u k r e i ch. Paris, 26. Juni. Das in Paris tagende zweite Kriegsgericht verhandelte gestern gegen Thöo-

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