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Der Israelit · 1872-07-03 · Heft 27 (3.7.1872) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 27 (3.7.1872)
Date
1872-07-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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WWW H'i-.’ip,« ■ MMWWWWffW 595 Berlin, Mitte Juni. Ein höchst erfreuliches Symptom des ^uten Willens, der sich endlich auch in maaßgebenden Kreisen offenbart, das Princip der Gleichberechtigung aller Confessionen in practischen Verhältnissen durchzuführen, gewährt uns die Hinzuziehung zweier jüdischer Scminardirektoren zu der Versammlung von Autoritäten auf dem Gebiete der Pädagogik, welche der Kultusminister Falk dieser Tage berufen hat. Es sind dies die Herren: Rabbiner vr. Meyer aus Hannover, Director des -Lehrerseminars daselbst und Dr. Horwitz, Direktor des hiesigen Gemeindeseminars. Leben wir der Hoffnung, daß dies nur die Morgenröthe sei, aus welcher baldigst das Sonnenlicht wahrer Freiheit für uns emporsteigen wird, um all' die Schatten früherer Zeiten auf immer zu verscheuchen. Frankfurt a. M Für die Vergrößerung der Synagoge der isracl. Religionsgesellschaft sind bereits zufolge einer am r,2w zu diesem Zwecke vom Herrn Rabbiner Hirsch gehaltenen Predigt mehr als 50,000 fl. gezeichnet worden. England. London. Der verstorbene Herr Moses Symons (von der Firma Heilbut, Symons u. Co.), bei seinem Leben ein streng religiöser Jsraelite, hat 30,000 fl. zu wohltätigen Zwecken vermacht (der Betrag der Mitgift, welche seine Frau ihm bei seiner Heirath mitgebracht), wovon den vereinigten Synagogen nebst dem jüd. Waisenhaufe und dem jüd. Board fof Guardians je 1200 fl. zugekommen. Rumänien. Bukarest, 15. Juni. Eine Sturmfluth von Schimpfartikeln über die Juden und eine quantitativ gleiche Masse von Lobreden für Costaforu, hat seine, in meinem letzten Briefe besprochene Note, in der gesammten vaterländischen Presse hervorgerufcn. Vergeben und vergessen ist nun jeder Parteihaß und „viribus nnitis gehen wir daran", meint ein „rothes" Blatt, „die lepra di jidan (Judenbrut) mit der W rzel auszurotten." „U ser wahrheitsliebender „Costaforu". liebkost Ü)u die allzeit keifende „Trompeta Carpatzilor" und selbst der unerbittlichste Feind des Ministers des Aeußern, der ,,Romanul" hat Kehrt gemacht und ist voll des überschwänglichen Lobes für Herrn Costaforu, der — wir wollen es unfern Lesern bei dieser Gelegenheit erzählen — in Rumänien blos naturalisirt, von Geburt aber ein Grieche ist und Costus-Foros heißt. „Saget Denjenigen", schreibt „Romanul", „welche % die Gleichberechtigung der Juden in Rumänien plaidiren, und uns „Barbaren" nennen, daß wir in derCivilisation weit vorgeschrittener sind (?!) als diese Judenvertheidiger. So lange die Juden Juden sind, werden wir ihnen keine Rechte geben, das schwören wir hoch und theucr vor ganz Europa." Das sind die Gesinnungen beinahe aller Rumänen und Sie werden begreifen, daß die Lage der Juden Hierlands eine unerträgliche geworden: von allen Seiten wird der Jude unterdrückt, wird ihm das Leben verbittert und werden ihm unverdienterweise Rippenstöße verletzt, nur weil er — Jude ist. Wenn nicht von auswärts ein wirksamer nachhaltiger Druck auf die Rumänen ausgcübt wird, so ist zu befürchten, daß die Judenverfolgungen wahrhaft erschreckende Dimensionen annehmen werden. Man spürt, daß die Luft unheilschwanger, und daß ein Gewitter im Anzuge, welches sich jeden Augenblick über den Häuptern der armen unterdrückten Kinder Israels zu entladen droht. Diplomatische Schritte können hier nichts helfen, denn derartige Interventionen — weil nur geschrieben — prallen an rumänischer Willkür und Verstocktheit ab; wir haben gesehen, welche Wirkung die Kollektivnote der auswärtigen Konsuln hervorgebracht hat. Um die Rumänen über Recht und Unrecht zu belehren, dazu bedarf es einer eisernen Faust; auf einen groben Klotz ein grober Keil. Zur Charakteristik unser Beamten-Korruption seien vier zwei Vorfälle erzählt: Anläßlich einer Juspection ist bei der Dorohojer Districtskasse ein enormer Geldabgang entdeckt worden. Ursprünglich glaubte man, daß der Kassier die fehlenden Gelder veruntreut habe und ließ, um dem Sachverhalt auf die Spur zu kommen, eine Hausdurchsuchung in der Wohnung des Kassiers vornehmen und fand unter Anderem auch Quittungen des Dorohojer Präfekten Herrn Ventura, Schwagers unseres Minister-Präsidenten , über 47.000 Francs und 200 Dukaten — soviel betrug der Abgang — welche der saubere Präfäkt der Distriktskassc entlehnt hatte, ohne diese Entlehnung mit etwas motiviren zu können. Verschiedene inländische Blätter, sowohl regierungsfreundliche als oppositionelle, haben diesen Vorfall in den Kreis ihrer Besprechung gezogen, jedoch bis zur Stunde weiß man kein anderes Resultat, als daß der Präfekt auf freiem Fuß belassen wurde, aus „freien Stücken" demissionirte! und durch Herrn Theodor Boldur-Latzesco ersetzt I wurde. Der verkäufliche Charakter Latzesco's ist hrer- | lands sprichwörtlich und im Wechseln seiner politischen j Farbe ist er dem Chamäleon gleich. Was man sich! von ihm zu versprechen hat, bedarf nicht erst gesagt j zu werden.

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