Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1872)
- Date
- 1872-06-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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574 und verhält sic sich nicht jo, dann wäre die Verleumdung eine so ungeheuerliche, daß uns jeder Ausdruck dafür fehlen würde. Wir richten an Herrin Rabbiner Pollak die Bitte, feine' Antrittsrede drucken zu lassen, damit wir uns über- , zeugen können, ob wir ihn „zu den Tobten zu werfen , haben" oder nicht.! Die ungarischen Schriftsteller beschäftigen sich ge- > genwärtig viel mit Juden und Judentbum. Herr Jaj nos Asboth hat in seinem Buche „über die Freiheit" j einen großen Theil desselben dem Judentyume gewidmet! und viele köstliche Gedanken darin niedergelegt; auch j Herr Victor Vajda spricht sich in seinem Werke „über j Kunst und Politik" sehr günstig über diejenigen ungarischen Juden aus, die „treu anhäugend der Religion der Väter Bürgerpflicht und Bürgertugend zu üben wisse in von dieser echt rhetorisch gehaltenen und mit Enthusiasmus aufgenommenen Rede drückte der Minister dem Redner die Hand, dankend für die ihm ausgesprochenen Svmpathien. In einer längeren Erwiderung gab der Munster die Versicherung, daß jedes literarische und cultuelle Streben unbedingt anerkannt wird, daß man bestrebt sein müsse, die Scheidewand der religiösen Vorurtheile niederzureißen, und sprach wiederholt die Versicherung aus, daß er, sowie er bis jetzt selbst in den höchsten Rechtskreisen fähige Personen jüdischer Religion anstellte, so auch in der Zukunft die Besetzung der Rechtsstellen, ohne Rücksicht auf die Religion, ausführen werde. Nachdem er noch nebst den anderen hohen anwesenden Herrschaften den Namen in das aufliegende Gedenkvuch eingezeichnet, ging die Versammlung auseinander, die wohlthuendsten Eindrücke mit sich fortnehmend. Moritz L c w a l d. Schütt - Szerdahely, 15. Juni. Der hiesige israel „ Kaufmännische Leseoerein" patte am 9. einen festlichen Tag, der ihm, und indirect der gelammten Judenheit Ungarns, viel Ehre brachte. Der Justizminister Stefan v. B i t t o, der ün hiesigen Wahlbezirk candidirt, hielt am selben Tage unter großem Gefolge hier seinen feierlichen Einzug, zu dessen imposanter Gestaltung der genannte Verein fern Scherflein beitrug. An der Grenze unseres Ortes stellten sich Mitglieder mit der geschmückten Vercinsfahne (deren Motto: Bildung macht frei), einen Halbkreis bildend, am, woselbst der Minister Halt machte, um die ungarische Ansprache des Präses, Herrn vr. Moritz Singer, anzubören, die der Herr Minister dann freundlich erwiderte. Nachdem derselbe bei dem Gutbesilzer. Herrn Josef Pollak, sein Absteigequartier genommen, und sein von unendlichem Eljeu-Ruseu begleitetes Programm entwickelt, besuchte er sammt allen hohen und niedern Beamten die Vereinslocalitäteu, wo ihn Herr 0r. Julius David. Ehrenmitglied dieses Vereins, mit einer begeisterten Ansprache begrüßte. Derselbe wies in gedrängter Kürze auf die thatenreichc Vergangenheit des Herrn Ministers hin, betonte, daß der Grundsatz. Justitia fundamentuai reguorum,“ erst in unserer Zeit zur vollkonunenen Geltung gelangt, daß es unserer Zeit. der Vernunft, j der Civilisation der Rechtsstaaten Vorbehalten blieb, daß j die Theorie des Rechtes zur praktischen Gerechtigkeit I werde, daß die Religion nicht mehr als Hinderniß der! Rechtsgleichheit und der Frechen gelte, und hob hervor, j daß die Barbarei, die sich noch manchmal in Rechtsver-! letzungen und Judenverfolgungen äußert, nur als wenige dunkle Punkte am lichtvollen Horizonte der Neuzeit erscheine , die durch die thätige Mitwirkung unserer freiheitsliebenden Regierung hoffentlich bald schwinden werden. Am Schluffe forderte der Redner die überaus zahlreiche Versammlung zu Eljen - Rufen auf, worauf dieselbe in einen Sturrn von Cljens ausbrach. Ergriffen j Frankreich.! Paris. Wir brachten in einer der jüngsten j Nummern die Mittheilung, daß ein aus Rußland gebürtiger junger Mann, der in die Netze der Mis-! siouare geratheu, sich hauptsächlich nach der Lectüre! unserer Erzählung „Rabbi Elchanan" veranlaßt gefühlt, zum Judenthum zurückzukehreu. In Bezug hier-! auf erzählt der „Uit. isr." eine ähnliche Geschichte, die j wir in Folgendem wiedergeben:■; Eines Tages stellte sieb uns ein fremder, etwa , sünsunddreißig Jahre alter Mann uou sehr guten Manieren vor; er kam aus weiter Ferne. Er bat uns um eine Nummer unseres^ Journales und, nachdem er sie erhalten hatte, wollte er gehen, zeigte aber eine große Verlegenheit Auf unsere Einladung sich zu setzen, überreichte er uns einen Brief mit der Bitte, denselben gleich zu lesen und ihm darauf zu antwor-! ten Wir geben hier den genauen Wortlaut des i Briefes: „Mein Herr, wollen Sie mir eine kurze j Unterredung bewilligen? Es handelt sich um eine j für mich sehr wichtige Frage; hier ist sie. Mein! Vater war Israelit, und ich bin es unglücklicherweise nicht. Durch unglückliche Umstände war mein Vater genöthigt, das Judenihum zu verlassen; ich komme, diesen Fehler wieder gut zu machen, ich tvill in den Schooß des Judenthums zurückkehren. Es ist schon lange, daß ich diesen Gedanken gefaßt habe: aber die Gelegenheit ihn ausznsnhren, hat mir immer gefehlt; in meiner Heimath konnte ich nicht Jude werden, weil daselbst die Abschwörung des Christenthnms eine sehr schwere Strafe zur Folge hätte: 20 Jahre Zwangsarbeit. Es muß sein; denn ich erfülle endlich einen Wunsch meines Lebens — mein Gewissen verlangt es gebieterisch. Besonders nachdem ich Ihr vortreffliches Werk „In, Foi d’Jsrael" gelesen, bin ich unerschütterlich in meinem Entschlüsse. Ich bin nur deß-