Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1872)
- Date
- 1872-06-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Xm. Jahrgang. Beilage zu Nr. 26 des Israelit. Leitender Artikel. ^Literarischer Bericht. Zwei Vorträge, gehalten von De. Elias Pletzner, Stiftsrabbiner in Hannover, nebst einem hebräischen Anhänge von demselben. Preis lOSgr. rm Selbstverläge des Verfassers. Vorliegende Vorträge, von denen der eine in der Synagoge des Vereins „Wohlthätiger Freunde" zu Posen und der andere in der Synagoge des k. k. Commissionsraths, des Herrn Johann Hoff 511 Berlin, gehalten, fordern bei der Beurtheilung einen andern Maßstab, als man an ähnliche Erscheinungen der Literatur anznlegen pflegt. Es sind nicht, wie dieses größtentheils der Fall ist, nahe liegende, häustg ausgesprochene und alltägliche Gedanken, denen man nur ein neues Gewand angethan hat, sondern hier haben wir es mit der Arbeit Zeines Predigers zu thun, der bis in die Tiefen der jüdischen Wissenschaft hinabgesticgen ist, mit gewanter Hand die dort vergraben liegenden Schätze gehoben hat und sie nun in gefall.ger Form seinen Hörern darreicht. Jede Seite legt Zeugnitz ab bon der erstaunlich reichen Kenntnitz des Verfassers auf dein Gebiete der gesammten jüdischen Literatur. Durch scharfsinnig-wist senschastliche Exegese, die auf Midrasch und Talmud sich stützt, weiß er den Bibelsteilen neue Deutung unterzulegen und sie zur Zeichnung unserer Tage und ihrer Bestrebungen zu verwenden. Echte Glanbcnstrcue und ungetheilte Gottesfurcht durchwehen das Ganze und heimeln uns wohlthnend an. — Wenn der Verfasser so durch sinn- und geistreiche Auslegung der Agada auf das Gemüth einwirkt, so bietet er in dem Anhänge dem Leser Dichtungen, die sowohl von seiner poetischen Begabung wie von der Meisterschaft, mit der er die heilige Sprache zu gebrauchen versteht, zeugen. Den Schluß, aber jedenfalls nicht das am wenigsten Bedeutungsvolle, bildet eine yalachischpilpnlistische Diöcnssion, durch die wir Dr. Pleßner als einen ausgezeichneten -n und ’p2 kennen lernen, wie wir unter den jüngeren Rabbiner! ihn sehr selten treffen. Mit vollem Rechte können wir den jungen Prediger einen universellen jüdischen Gelehrten nennen; das Werk ist des Namens Pleßner, der von so ausgezeichnetem Klange in der jüdischen Predigt-Literatur st, würdig und wünschen wir dein Verfasser einen Wirkungskreis, in dem seine hohen Talente zur Geltung kommen können. Kr. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oesterr. - ttng a rische M 0 n a r ch i e. Wie die in Pesth erscheinende siid. - deutsche Zeit- I schritt „Scheweß Achim'' mittheilt, ist das Erscheinen der Zeitung „Das traditionelle Judenthum" einstweilen sistirt. In der „Wacht Israels", einem in Kasch au seit einiger Zeit an's Licht getretenen Blatte, lesen wir einen Brief von einem Herrn M. Ehrentheil, der sich als den bisberigcu Redacteur des . Tradit. Judenthums" zu erkennen gibt und die Vermuthnng ansspricht, daß nach feinem Ausscheiden aus der Redaction das Erscheinen des „Trad. Judenthums" unmöglich wird. Bisher gerirte sich Herr E. unter den Pseudonymen Dr. Freund, Dr. Ha/nmerschlag :c. Durch die obenerwähnte Entpuppung wird uns Manches verständlich. Wir begreifen jetzt, wieso es möglich war, daß in einem angeblich orthodoxen Blatte mit Wuth und Hohn gegen Träger und Wortführer der Orthodoxie zu Felde gezogen werden konnte. Sollten die Führer der Schomrö Hadaß in Ungarn fürder ein Blatt in deutscher Sprache ediren wollen, so mögen sie einen Redacteur von festem Charakter und unzweideutiger Frömmigkeit engagiren, dem es Herzenssache ist. für Gott und Seine heilige Lehre zu wirken; ein solcher wird sich zehnmal bedenken, ehe er den Feuerbrand in's eigene Lager wirft und Männer, die in Oesterreich und Deutschland mit der größten Aufopferung, Uneigennützigkeit und Hingebung zum Heile des wahren Judenthums leben und streben, zu verunglimpfen sich erkühnt. Wie das „Scheweß Achim" ferner berichtet, hat Herr Rabbiner Pollak, bisher in Jnowraclaw, und nunmehr Rabbiner in Pesth. an diesem letzteren Orte seine Antrittspredigt gehalten; Herr Rabbiner P.. berichtet das genannte Blatt, habe kein Wort der Mahnung für sein zrnn großen Therle ans Entweihern des Sabbat und Verzehrern verbotener Speisen bestehendes Publikum gehabt, dagegen sei von ihm in heftigster Weise gegen die Orthodoxie losgezogen worden, und nicht allein gegen die jetztlebenden Orthodoxen, sondern auch gegen — unsere Feder sträubt sich, es nicderzuschrciben — die Propheten Elijahu und Jona, sowie gegen den Dulder Hiob!!!! Elijahu, habe Herr P. geragt, repräsentire den Fanatismus, Jona den Jndifferentisrnus und Hiob den Materialismus!!!! Unser schmerzliches Erstaunen kennt kaum eine Grenze. Verhält sich die Sache so, wie sie „Cchweß Achinr" berichtet, so ist sie geeignet, uns mit der tiefsten Betrübnitz zu erfüllen —