Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1872)
- Date
- 1872-06-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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571 Italien. Ferrara. Eine Tafel mit folgender Inschrift ist an das Haus in Ferrara, das von Jsaac Lampronti, dem Verfasser von p.-n." ins bewohnt wurde, befestigt worden: „In diesem Hause wohnte Jsaac Lampronti, geb. 1675, geft. 1756, Arzt und Theolog — ausgezeichnet unter den Gelehrten — eine Zierde des Vaterlandes; — einige Bürger haben, die Wissenschaft hochschätzend, dieses hier gesetzt 1872. (Ed. isr.) Feuilleton. Dor fünfzig Jahre». in. Einige Tage nach den erzählten Ereignissen stand Herr Erthal hinter seinem Ladentische, in traurige Gedanken versunken. Das Chanukah-Fest hatte begonnen, das sonst mit Freude und Frohsinn von ihm und seiner Familie gefeiert wurde, während in diesem Jahre die erschrecklich trüben Aussichten keine frohe Stimmung aufkommen ließen; da öffnete sich die Hausthüre, und ein Oisizier, der die Uniform des in V. stationirten Garde - Husaren - Regiments trug, trat herein. „Was steht zu Befehl, Herr Rittmeister?" fragte Erthal, nachdem er höflich den Gruß des Fremden erwidert hatte. „„Sie kennen mich?"" „Ich hatte bis jetzt nicht die Ehre; Ihren Grad ersah ich an Ihrer Un-form." „„Sie haben ein scharfes Auge. Ich. habe Gold aus England geschickt bekommen, und möchte es bei Ihnen wechseln."" Bei diesen Worten zog der Offizier seine Börse und nahm ein Goldstück heraus. „Es ist ein LvvoreiAn l)", sagte Erthal, das Goldstück in die Hand nehmend. „Der Werth ist 6 Thaler 48 Grote2); ich kann es hier nicht verwerten und muß es nach Bremen oder Hamburg 1) Sprich: Söverin 2) 20 Sgr.; ein Thaler hat 72 Grote. schicken; ich werde Ahnen 6 Thaler 42 Grote dafür geben." „„Nun, Gott sei Dank, treffe ich doch endlich einmal einen verständigen Menschen! Sehen Sie, mein Herr, ich war schon bei vier Kaufleuten; man sollte es nicht für möglich halten: schon seit länger als einem Jahrhundert gehört Hannover zu England, und die Dnmmköpfe kennen das englische Geld nicht einmal! Sie haben gewogen und probirt; der Eine hat mir vier Thaler, der Andere vier und einen halben Thaler fürs Stück geboten; der Dritte und der Vierte wollten sich gar nicht aufs Wechseln cinlassen und riethen mir, die Dinger an einen Goldschmied zum Einschmelzen zu verkaufen; ich hatte das schließlich auch gethan; aber ich habe hundert Stück, und welcher Goldschmied brauchte in diesem Neste so viel Gold ^uin Einschmelzen? Da dachte ich, ich probire es noch einmal bei Ihnen, und bin froh, in Ihnen einen kundigen Geschäftsmann gefunden zu haben."" „Sie wünschen für hundert sovereigns Silber? So viel habe ich nicht im Hause." „„Wie viel können Sie mir geben?"" „Zweihundert Thaler." „„Das genügt vorläufig. Ich lasse Ihnen das Gold hier, und das Uebrige können Sie in einigen Tagen in meine Wohnung senden; ich heiße von Sch. und wohne bei Steuerreoisor Burkhart."" „Von Sch.? Sind Sie vielleicht ein Verwandter unseres allvereh.ten Premierministers?" „„Das ist mein Vater. Geben Sie mir vorläusig 25 Thaler; das Uebrige senden Sie wohl in meine Wohnung."" „Zu Befehl, gnädiger Herr." „„Noch eins: ich habe einen so täppischen Bedienten. Heute früh gab ich ihm einen Fünfthalerschein; der Tölpel hat in seinem ganzen Leben noch kein Papiergeld in der Hand gehabt, da hat er ihn mitten durchgcriffcn. Hier sind die Stücke. Haben dieselben noch einen Werth?"" „Man braucht sie nur znsammenzukleben, dann haben sie wieder den vollen Werch." „„Wie macht man das?"" „Man nimmt einen schmalen Streifen Papier, bestreicht ihn mit Kleister und heftet so die Stücke zusammen." „„Ich verstehe nicht damit umzugehen. Kaufen Sie mir die Stücke ab; ich will gerne daran verlieren."" Stillschweigend öffnete Erthal seine Kassenschublade, nahm fünf harte Thaler heraus und zählte auf, dann nahm er die beiden Papierstücke an sich. „„Sic geben mir das volle Geld?"" fragte de Offizier erstaunt. „Der Schein wird durch das Zusammenkleben nicht weniger werth."