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Der Israelit · 1872-06-26 · Heft 26 (26.6.1872) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 26 (26.6.1872)
Date
1872-06-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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567 theil. das die Kinder aufzubewahren verpflichtet sind, vpy rw'D nre^v 7i'L n"*m Keine Zeit kann darin Aenderung bringen, und gerade dieses Gebot ist es, welches den Kindern den sofortigen Lohn verspricht, den Kindern ein langes Leben auf Erden verheißt. Handeln nun die fünf ersten des Dekalogs von den Pflichten, die wir gegen Gott, so enthalten die letzten fünf solche, die w r gegen Menschen zu beobachten haben. Nicht morden, nicht ehebrecken, nicht stehlen, kein falsches Zeugniß aussagen sind Verbote, die da Capitalverbrcchen gegen die menschliche Gesellschaft verbieten, wofür die Strafen in den Gesetzbüchern aller civilisirten Staaten verzeichnet sind; das zehnte Gebot aber: „Du sollst keine Begierde haben nach Allem, was deinem Nächsten ist," wird man umsonst in einem andern Codex als dem der min suchen. In diesem Gebote offenbart sich ganz besonders die Liebe und die Weisbeit der Mosaischen Gesetzgebung. Wenn schon der Gedanke, die Begierde nach denr, was nicht unser ist, als ein Hauptvcrbrcchen gilt, so wird die schlechte That sicherlich nicht erfolgen. Schließlich weist dieses Verbot darauf hin, daß wir Gott Dankbarkeit schulden für das, was Er uns gegeben, und wen gelüstet nach dem Besitze Anderer, der verschmähet dadurch die Gaben, mit denen Gott ihn beschenkt hat. Wie einst beim Manna, so ist es stets im Leben i’Dnn fö ü-ysern rpyn eo. Glücklich ist, wer mit dem, was er besitzt, zufrieden sein kann und niemals in seinen Gedanken nach fremdem Gute gelüstet oder seine Hand legt an das, was seinem Nächsten ist; ein Solcher wird , wenn er beim Hinscheiden sein irdisches Theil in dieser Welt zurücklaffen muß, hoffen dürfen auf das bessere Theil im Jenseits, auf miy pvri .«an Die Iudw in Wuumrrku. (Nach der Rum. Post.) Die Zahl der I iden in Rumänien wird auf 200,000 Seelen geschäht. Wir wollen diese Zahl auf 250,000 ausdehnen, obschon jeder Census dieselbe als eine zu hochgegriffene constalircn würde. Hier in Bukarest unter 16<>,000 Einwohnern, sind sie nicht mehr als 10.000 an der Zahl. Jassy mit einer Bevölkerung von 00,000 Einwohnern, besitzt nicht mehr als höchstens 30,000 Juden. In Bottuschan, Verlad, Bacau, Galatz, Braila, Plojcst, Ialticene - den größten Städten d s Inlands, bilden sie vielleicht nicht ganz ein Zehntel der Bevölkerung. Wie in der Hauptstadt, zeichnen sie sich überall durch ihre Mäßigkeit, Arbeitsamkeit, durch ihre Sparsamkeit und ihren Gewerbefleiß aus. In der Wallachei beschäftigen sie sich meistens mit dem Handel, in der Moldau jedoch, in überwiegender Mehrzahl, mit Künsten und Gewerben. Die größte Zahl ist im letzteren Fürstenthume, und ist ursprünglich — jedoch meist vor einem vier^ tel Jahrhundert — aus dem russischen und österreichischen Polen eingewandert. Wir werden nicht sagen, daß der Jude in Ru«" münien besser sei, als der in andern Ländern; wir zögern aber nicht zu behaupten, daß er nicht schlechter ist. Wenn er das Gepräge seines Stammes auffallender an sich trägt; wenn er sich in einer ihm eigenthümlicher Weise kleidet, gelocktes Haar an den Sückäfen und einen Bart trägt, so ist dies mehr das Resultat seiner vergangenen Leiden und der Beschränk kungen, die ihm auferlcgt wurden, um ihn von seinen Mitmenschen zu sch iden und abzusondern, mehr das Resultat legislativer Edicte, denn irgend eines ,'peciel« len oder thatsächlichen eigenthümlichen Attributes seiner Abstammung oder seiner Religion. Es gibt nichts in dem Judenthum, was den Inden von seinem andersglaubenden Nächsten äußerlich unterscheiden sollte. In allen Ländern, wo er zu socialer und politischer Gleichheit zugelassen wurde, hat er rasch die Aeußerlichkeiten abgeschüttelt, die ihn bis dahin als eine unterschiedene Persönlichkeit kennzeichneten. Selbst hier kleiden sich die intelligentesten altern und sämmtliche junge Juden nach westeuropäischer Sitte. Daß es hier schlechte und tückische Jsraeliven gibt, welche des sittlichen Haltes und jener Geradheit bar sind, die Redlichkeit und Wahrheit dem Menschen allein geben können, stellen wir nicht in Abrede. Cs gibt deren ebensoviele hier als überall, wo sie von den fördernden uiid erleuchtenden Einflüffen der Schulen und von der Staatsfürsorge ausgeschlossen worden sind. Doch gibt es deren, schon ihrer geringeren Zahl wegen, undauchrelativ, weniger als unter den Mitgliedern der herrschenden Religion. Cs ist eine verhältnißmäßig nur kurze Zeit, daß die Rumänen aus der tiefsten Unwissenheit emporgeklommen sind und unser Schulsystem, so gut es auf dem Papiere ist, laßt doch in Wirklichkeit und in der Praxis viel zu wünschen übrig. Daß bei einer Bevölkerung von fast fünf Millionen Seelen nur 100,000 Kinder die Schulen besuchen, kennzeichnet zur Genüge den durchschnittlichen Bildungsgrad dieses Landes. Und hier, gerade hier ist es, daß diejenigen, welche eine ausländische meist französische Bildung genossen haben, die tiefe Culturstufe nicht anerkennen wollen, auf welcher sich die große Masse des Volkes befindet und die es Politikern und Demagogen so

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