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Der Israelit · 1872-06-26 · Heft 26 (26.6.1872) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 26 (26.6.1872)
Date
1872-06-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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566 au wollen, muß der Mensch Sclabe des Gesetzes sein," hat sich an Israel bewährt. So lange die Juden, in jeder Lage und zu aller Zeit, sich an Gottes Worte hielten, waren sie frei durch Sein Gesetz; sobald sie dasselbe aber verletzten, so folgte daraus, daß sie einer fremden Herrschaft preisgegeben werden. Und so ist es noch heute; wo der Jude die Vorschriften seiner Religion befolgt, ist er im Besitze einer Freiheit, die keine weltliche Macht ihm rauben kann. Das Joch der rrsa, das er mit Liebcträgt, macht ihm, legt ihm die Welt auch die schwersten Lasten auf, Alles leicht. Der wahre Jude weiß, daß Gottes Gesetze niemals durch geographische Linien beschränkt waren, immerfort zeitgemäß sind, wie an jenem Orte und zu jener Zeit, als das Grundgesetz, der Dekalog, verkündet worden ist. Damals — fünfzig Tage nach der Erlösung aus Mizrajim — am Berge Sinai, erhielt das gesammte Israel von Gott selbst die „Zehn Worte", und von -diesem Zeitpunkte an ist die Mosaische Verfassung eingetreten, welche für alle Zeiten die ganze Existenz des Judenthums bildet. Auf dieses Grundgesetz wurde nicht nachher der Eid abgelegt, sondern zuvor; es wurde mit den Worten: „Alles was der Ewige gesprochen, werden wir tbun," angenommen. Wie schon durch viele große Weisen Israels, besonders von Abarbanel in seinem Commentar am den Pentateuch, ist erörtert worden, umfassen die zr-cnn mr y alle übrigen rrjo, und gleich wie in jedem constitutionellen Reiche alle sogenannten organischen Landesgesetze aus der Staatsverfassung fließen, so liegt auch das ganze Princip der m n in dem Dekalog. Derselbe enthält drei Gebote: „die" Erkennung der Einheit Gottes," „das Ehren von Vater und Mutter" und „das Beobachten des Sabbats"; und sieben Verbote als Warnung für die schwersten Verbrechen; doch bei einer genauen Beachtung finden wir darin die gesammte Grundlage unserer Religion. Wie der erste Artikel e nes Grundgesetzes bestimmt, welcher Regierung das Volk unterworfen fit, so lautet auch das erste Gebot: „Ich bin der Einzige--, der Ewige, dein Gott, der dich aus dem Lande Egypten. aus dem Sclavcnhaus herausgeführt hat." Nur Gott allein zu dienen. Ihn zu fürchten und zu verehren, ist die Aufgabe des Judenthums. Mit *) Das Wort enthält die Zahl 81 als Potenz von ~nb, f> Mal f> ■ 1, r Mal r> - 64, 7 Mal 7 16, zusammen 81. Wir bemerken dabei, daß der Satz '7 'rrv (in Gegensatz von os’rifc Kf>, was wir viele Male finden) nur seit n und mehrerentheils in direkter Beziehung zu der Erlösung aus Egypten in vorkommt, woraus hervorgeht, daß diese Ereignisse die Einheit Gottes der Welt kund gegeben. Seiner Gnade, bezeugt durch die ^Befreiung von dem! egyptischen Sclavendienft, kam er Seinem Volke zuvor, j und was Er forderte, war nur dankbare Gegenliebe, j Gottes Allmacht, die aus der ganzen Natur spricht,! dürfen wir in ihr bewundern, doch Alles, was Er ge-; schaffen, nur als Seine Diener betrachten. Außer Gott, i neben Gott gibt esN.chts, das wir anbeten sollen. Wir sind Gehorsam schuldig der uns Vorgesetzten weltlichen Macht, wenn dieselbe uns in dem Befolgen von Gottes Gesetze nicht hemmt, wir müssen unseren Nächsten tteben und können Achtung hegen vor Denjenigen, welche sich durch Tugend, Kenntniß und Wissenschaft auszeichnen; doch soll sich der Mensch in keinerlei Form und unter keinerlei Bild einen Abgott schaffen; das lehret uns das zwette Gebot, denn solches wird von Gott heimgesucht bis zunl vierten Geschlecht bei denen, welche in der Missethat ihrer Väter beharren. Unendlich ist dagegen Gottes Gnade b.i denen, welche Seine Gebote beobachten, und derrvuiO welche Israel zu jeder Zeit schützte, haben wir es zu verdanken, daß die rr.-r., der Lebensbaum , welcher von unfern Vorfahren genährt wurde, ewig Früchte bringt Allen, die sich daran halten, und beglücket, die ihn pflegen. Schmerzlich ist der Gedanke, u>ie leicht daß dritte Gebot; „den Namen Gottes nicht zu mißbrauchen," übertreten wird. Kein Kind wird ohne Ehrfurcht den Namen seiner Eltern oder Lehrer aussprechen, und doch geschieht solches häufig mit dem heiligen Namen Gottes. Jede Benennung, der Gottheit gegeben, in welcher Sprache auch, ist heilig und darf nicht vergeblich von unfern Lippen kommen, denn auch dieses läßt Gott nicht ungestraft. Wenn wir in all unserm Thun und Denken von heiliger Scheu vor Gott geleitet werden, wird solches uns am meisten zum vL'n rnp führen. Den Lohn dafür bringt uns das t'crte Gebot, der rcty, der uns an den wahren Zweck u"seres Daseins erinnert; „Sei stets eingedenk des Ruhetages," d. h. vergiß nicht, daß Gott, der in sechs Tagen Himmel und Erde — Alles geschaffen, dir einen Tag gegeben, um von der Arveit zu ruhen, denselben heilig zu halten und ihn Ihm zu widmen. Der Sabbat ist für den Juden der größte Segen.! An diesem Tage entledigt sich der Erschöpfte von den! Sorgen des Lebens, und sind die Früchte seines Treibens! oft gering, in seiner seligen RuheZindet er einen Trost! und eine Freude, welche für keine Schätze zu kaufen sind, j Olme den rar hat das Leben keinen Werth. keinen! Zweck. Wenn das Kind beim Antritt des Ruhetages j den Segen seiner frommen Eltern empfängt, und es! nach ihrem Beispiel sowohl dieses Gebot als alle übrigen > Gesetze zu achten lernt, wird es gewiß ihre Liebe lohnen, und niemals das fünfte Gebot; „Ehre deinen Vater und deine Mutter", verletzen. Was die Eltern gethan. nach Gottes Wort zu teben, bleibt immer ein Erb-

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