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Der Israelit · 1872-06-19 · Heft 25 (19.6.1872) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 25 (19.6.1872)
Date
1872-06-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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S64 Juden überliefert, sie muthen sich zu, immer die unglücklichen, unschuldigen Opfer jenes „Etwas" zu sein, was man die „Judenverfolgung in Rumänien" nennt und dieses Etwas ist nicht exakt." Herr Costaforu will mit seinen „exakt" quasi seine Höflichkeit bezeugen und Sie sehen, es fehlt nicht viel, so hätte er gesagt, daß die Juden die Bedrücker seiner hetdenmüthigen Nation sind. Herr Costaforu ist auf dem Standpunkte angelangt, vor seinen Landsleuten in punkto Judensresserei nichts weiter als seine Stellung vorauszuhaben , welcher Umstand um so gravirendcr in die Wagschale iällt. Herr Costaforu wird schon erlauben, ihm das in s Gedächtnis zurückzurufen, was er absichtlich vergessen ha ben will, und was er sehr gut weiß, daß die Juden — und dies auch nur der bei Weitem kleinere Theil — darum zu Wohlstand gekommen sind, weil sie den im Schweiße ihres Angesichts redlich verdienten Piaster sparen, festhaltend an dem Grundsätze: „Wer das kleine nicht ehrt, ist des Großen nicht werth," rvährend feine Landsleute alt' ihr Hab und Gut am grünen Tisch verprassen und ein verschwenderisches, luxuriöses Leben führen bei „Wein, Weib und Gesang"; ist einmal das Geld auf die Neige gegangen, dann muß der Jude seine Kasse herhalten auf Nimmerwiederzahlen und wehe denr Juden, der keine gute Miene zum bösen Spiele macht. Daß ein Bojar außer seinem Vermögen noch seine Frau obendrein am Spieltische verliert, ist in Rumänien kein vereinzelter Fall, ebenso ist es nichts Seltenes, wenn ein Bojar mit der Frau des zweiten bei Nacht und Nebel durchgehtin einigen Tagen wieder zurückkehrt, ohne daß das Gesetz ein Wörtchen dagegen sagt; das ist — wenn ich es so benennen darf — privilegirter Ehebruch. Und bei solchen Zuständen wundert sich Herr Costaforu, daß der Handel tu den Händen der Juden liegt! Referent lst keineswegs blind für die Gebrechen rumänischer Juden, welche Gebrechen einzig und allein nur auf verfehlte gou^eruementale Maßregeln zurückzuführen sind, jedoch mit solchen Worten, wie die unseres Herrn Ministers des Aeußern, die ebenfalls analoge Thaten gebären müssen, heilt man keine Wunden. Herr Costaforu kann nicht begreifen, warum man denn das ganze Land ntr die Judenverfolgungen verantwortlich machen will: er will nicht einsehen, daß in erster Linie ihn dieser Vorwurf trifft. Denn er als Justizminrster ist danir verantwortlich, wenn die von ihm eingesetzten Beamten die Gesetze so lässig handhaben. Derselbe Herr Costasorn, der erst in der letzten Kammersession auf die Aufhebung der Geschwornengerichte gedrungen; der in seinem Referate an den Fürsten über dre Buzeuer Jury — seinerzeit in diesen Blättern mitgctheilt — die Verlotterung rumänischer Schwurgerichte in den düstersten Farben geschildert: dieser Herr I Costaforu nun entblödet sich nicht, in seiner Circular-! note dieses Marionetteuwerk rumänischer Justizpflege zu! vertheidigen, unter Anderem seine Bertherdigung damit! motivirend, daß in jedem, auch in dem civitisirtesten l Lande der Welt {%f)r auf Vorurtheilen und Parteilich- | feit beruhende Sentenzen der Geschworenen Vorkommen; und meint damit die ruchlose Thal der Buzeuer Geschworenen , die ein ewiges Brandmal unserer Justiz bleibt, zu beschönigen. Herr Costaforu schreibt weiter, daß nur die Judenpresse (O! diese Juden!) daran schuld sei, wenn auswärtige Parlamente über „Todtschläge. Raub. Plünderung und Verfolgung rn Rumänien" debatliren, protestiren und Ameudemems annehmeu: am meisten erbost ist er über das englische Parlament, welches „die Hauptsache in eine einfache Ziffernsrage umwandelt". Der Minister klagt ferner über die ausländischen Consulu, deren Einschreiten ihm ungerechtfertigt erscheint und von deren ^eire er Unterstützung erwartet, „aber entgegen den Erwartungen" - heißt es im Circulare — ..war d e fürstliche Reglern ltg schmerzlich überrascht, eine Collectivnote zu empfangen, deren ungewöhnliche Form die Regierung entmuthigt hat. Wir enthalten uns einer Würdigung dieser tu allen Journalen erschienenen Note, können jedoch nicht mit Schweigen hinweggehen über einen der Negierung direct adressirten Angriff, denn dieser ist unbegründet (J) und unnütz (!), die Herren hätten cs sich ersparen können, uns unverdiente (<?) Vorwürfe zu machen." Ich unterlasse die Commentiriiilg dieser Stelle dem freundlichen Leser; mein Urtheil über diesen Passus fasse ich in zwei Worte zusammen: Blühender Unsinn. Jttlmer, meint Herr Costaforu, habe die rumänische Regierung ihre Pflicht erfüllt und nun wäre es auch Sache der ausländischen Consnln, von denen er mehr Achtung erwartet, die Ihrige zu thun. Das Vorgehen der Vertreter der ailswärtigen Mächte schüre nur den Haß, betont Sc. Excettenz.' Es wird noch den Agenten anbefohlen, gestützt auf dieses Circular, die Wahrheit zu rehabititireu und wenn die Regierungen über die „Judenfrage" in Rumänien belehrt sind, werden sie. hofft Herr Costaforu, Rumäiiien ihre Sympathien nicht versagen. Resumiren wir den ganzen Inhalt der besprochenen Note, so ist er mit einem Worte dargestellt: Die Juden haben ein schändliches Verbrechen verübt; die Judenpresse übertreibt Alles: der Handel leidet durch die Juden: die rumänischen Schwurgerichte sind ausgezeichnet — non plu8 uirrn —; die ausländischen Parlamente haben sich um Rumäiiien nicht zu kümmern: die answärtrgen Con>utn inüsseil zu den Jüdenverfolg'.ulgen schön schweigen; ultd min Herr Agent, vertheidigen Sie uns: Sie wisseil ja, wir sind Rumänen!" (Fr.-Bl.)

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