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Der Israelit · 1872-06-19 · Heft 25 (19.6.1872) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 25 (19.6.1872)
Date
1872-06-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XUl. Jahrgang Erste Beilage zu Nr. 25 des Israelit. Leitende Artikel. Kim rumänische Kircrrkarnote. Bukarest, 7. Juni. Der Schritr, den ern Rumäne, und sei er auch der liberalste, aufgeklärteste, zu machen hat, um aus einem eifrigen Pertheidiger der bierlands so sehr unterdrückten Juden deren unerbittlichster Feind zu werden, ist viel kleiner und schneller gemacht, als der vom Erhabenen zum Lächerlichen. Herr C o st a f o r n. der nebst dem Portefeuille der Justiz auch das der äußeren Angelegenheiten in Händen hat, hat mit seiner neuesten, an die diplomatischen Agenten Rumäniens im Auslande erlassenen, die Judenverfelguiigeit jüngsten Datums zunl Thema habenden Circularnote nreine Behauptung zur vollsten Wahrheit gemacht. Der Raum, der meinen Berichten in Ihrem geschätzten Blatte zu Gebote steht, macht es mir zur Unmöglichkeit, die benannte Note ihrem ganzen Umfange nach zu reproduciren, und ich muß mich daher darauf beschränken, dieselbe Ihren Lesern auszugsweise wiederzuaebcn. Wenn ich eine kleine Weile darüber nachdenke, ob ich denn die Unmöglichkeit der vollständigen Wiedergabe »irllich zu bedauern habe, so muß ich es — auf die Gefahr hin, durch das früher Gesagte mir selbst zu widersprechen — verneinen, denn Moderduft ist es, was uns aus den Zeilen des Herrn Costaforu cntgegenweht, und ich kann niich des Zweifels nicht erwehren, ob er als gebildeter Mensch glaubt, was er als Rumäne schreibt, als Rumäne jener Sorte, der auf die Benennung „cnragirter Judenfresser" mit Recht Anspruch machen darf. Schreiten wir zur Besprechung der famosen Note. Die einleitenden Worte des Herrn Ministers erzählen — was übrigens alle Welt bereits weiß — „das verwegene, unerhörte Verbrechen," welches im Monate ^.cember v. I. in der Jsmailer Kathedrale verübt irmdel — dies - meint Herr Costaforu — hat derl gegen die Inden angefacht, nnd „in der ersten änfregiuig der Geister" die Hetzen in Ismail, Cavul P ^^C01ü hervorgerufen. Lchne auch mir mit einem -eorte Erwähnung zu thnn, ob die Aufwiegler zur Ver- ^üwvrtiiiig gezogen lind bestraft wurden, geht der Herr -"'Wer zu der Mittheiluug über, daß die schuldigeu (?)! Juden bestraft wurden, und daß die fürstliche Regierung I „um eine neue Probe ihrer guten Gesinnung zu geben/ s vom Begnadigungsrechte int ausgedehntesten (sic) Maße Gebrauch gemacht habe. Jnwieferne den veurtheilten Juden das Begnadigungsrecht zugute gekommen, wissen Sie schon längst, und es bedarf nicht erst gesagt zu werden, daß Herr Costaforu der Wahrheit die Ehre nicht gibt. Indem Herr Costaforu die Aufmerksamkeit des Agenten auf den Umstand lenkt, daß die „Judenfrage" bei jedem Vorfälle den ausländischen Blättern Anlaß gibt, die Thatsachen zu entstellen (?) und das Geschehene zu übertreiben (??), läßt er sich wie folgt vernehmen: „Dieses System der Uebertreibung dauert bereits Jahre und trotz aller von der Regierung gegebener Versicherungen, das gute Einvernehmen zwischen Jude und Christ herzustellen, was überhaupt seit 1869 vollkommen gelungen ist (?), verfehlen sie nicht, (die Zeitungen nämlich) , jeden Umstand auszubeulen und Rumänien im Auslande in ein schlechtes Licht zu stellen." Herr Costaforu wird sich's schon gefallen lassen, wenn wir seinem Aussprüche widersprechen, denn, daß es der Regierung — die sich absolut gar keine Mühe gegeben — nicht gelungen, „das gute Einvernehmen zwischen Jude und Christ herzustellen," yaben die traurigen Vorgänge der letzten Zeit ad oculos dcmonstrirt. Se. Exzellenz findet keinen Gefallen daran; wenn durch die ausländische Presse ein Schrei der Entrüstung ob solch mittelalterlicher Barbarei geht nnd wenn diese Presse ihre mächtige stimme wie Ein Mann erhebt, um rumänische Willkür nach Recht und Fug zu geißeln. Herrn Costaforu behagt dies freilich nicht und er meint — wir verfolgen den Text der Note — wörtlich: „Diese Propaganda, welche die Judenpresse (!) im Auslande macht und unausgesetzt an die fremde Intervention appelürt, ist keineswegs geeignet, das Hebet zu heilen; im Gegentheil, es wird dadurch verschlimmert. Will sie (die ausländische Presse) zum Zwecke kommen, so muß sie über dieses Nebel hinwcggehcn. (!)" Wahrlich, zu solchen Ausdrücken kann nur ein Rumäne die Stirne haben; wie muß es da jeden halbwegs gebildeten Menschen mit Ci trüftung nnd Abscheu erfüllen, wenn ein Mann in der Stellung eines Ministers sich nicht scheut, solchen pyramidal-unsinnigen Gedanken Worte zu geben und der ausländischen Presse eine Zumnthung zu mach'», die eben w kopflos als — sagen wir es nur rund heraus — grausam ist. „ Bei uns zu Lande," lautet das famose Rundschreiben weiter, „exiftiren verhältnißmäßig zu viele Inden, wie in keinem anderen Lande; der Handel leidet dadurch (?!), denn viele Ctäöte sind den Händen der

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