Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1872)
- Date
- 1872-06-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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551 Amerika. 9tew - Nork. Nach dem Berichte der Directoren des Nount 8ioai Hospital ist für dasselbe im verflossenen Jahre an freiwilligen Gaben 133,603 Doll, und ein Zuschuß des Staates New - Hort von 10,000 Doll und von dem Hospitalsfond an 3000 Dollar zugckommen. Das neue Hospital ist beinahe vollendet und die Gesammtkosten des Neubaues werden sich auf 335,000 Doll, belaufen. (Jew. Tim. » Feuilleton. Kor fünfzig Zähren n. Wir müssen, um das am Schlüsse des vorigen Capitels Mitgetheilte dem Leser klar zu machen, eine kurze llebersicht der Lebensgeschichte Moses Erthals geben. Aus Süddeutschland gebürtig, war er nach dem Norden unseres Vaterlandes gewandert. um sich dort niederzulassen. V. war damals ein sogenanntes „trephenes Mokem", wo kein Jude wobnen durfte und jeder Israelit, der das Thor passirte, Leibzoll zahlen mußte. Erst mit der Occupation der Franzosen änderte sich das, und fünf jüdische Familien ließen sich in V. nieder. Die Bürger von V. duldeten stillschweigend, was sie nicht ändern konnten. Da dre eingcwanderten Israeliten sämmtlich rechtliche, brave Männer waren, die sich redlich ernährten, ein musterhaftes Familienleben führten und wäbrend der schweren Kriegszeit sich durch Wohlthätigkeit auszeichneten, io hatten die Mitbürger nichts gegen sie einzuwenden, ja, luden sie ein, sich für die Taxe (für jeden einzelnen Familienvater) von 100 Thalern und einem Fäßchen Bier das Bürgerrecht zu erwerben. Das war allerdings damals eine unnöthige Ausgabe, da es in der französischen Zeit nur der Lösung eines Patentes bedurfte, um jedes beliebige Geschäft zu betreiben. In weiser Voraussicht einer möglichen Acndernng der Verhältnisse batte Ertbai »eine Glaubensgenossen bewogen, sich das Bürgerrecht zu erwerben. Nach einigen Jahrelt trat diese Aenderung ein. Nach der Schlacht bei Leipzig zogen die Russen unter General Tettenborn in Hannover ein, die im ganzen Lande stationirlen französischen Truppentheile vor sich hertreibend. Während die Russen von Norden her in V. einrückten, floh Prinz Rens mit den Franzosen nach Osten über den Fluß, die Brücke hinter sich verbrennend Da herrschte groß.r Jubel in der Stadt. Die französischen Adler wurden von den öffentlichen Gebäuden heruntergerissen und zertrümmert und das „Georg- Rex" r) an ihrer Statt aufgehängt. Abends gab dre Bürgerschaft denr General Tettenborn und seinen Ossizieren ein großes Fest. Bei dieser Gelegenheit erzählten einige Kaufleute, die in den Juden die Concurrenten haßten, dem General, daß sich, den Gesetzen der Stadt entgegen, Juden dort angesiedelt hätten, und der General gab den Rath, die Segnungen der Befreiung des Vaterlandes mit der Vertreibung der Juden zu beginnen. Anr folgenden Tage schon, an einem Sabbat, erhielten i'ämmtliche Juden der Stadt den gemessenen Befehl, binnen 24 Stunden mit allen ihren Angehörigen V. zu verlassen. Man kann sich leicht das furchtbare Entsetzen vorstellen, das dieser schreckliche Befehl iKivoviief. Sämmtliche fünf Familienväter hatten Häuser und Waarenlager, hatten Frauen und kleine Kinder. Dazu war der Winter des Jahres 1813 frühzeitig und streng hereingebrochen. Erthal lief sofort zum Bürgermeister , mit dem er befreundet war und stellte ihm in ergreifendster Weise das Schreckliche und Grausame dieses ungerechten Erlasses vor; er erlangte denn auch eine Hinausschiebung der Frist aus acht Tage. Kaum aber hatte Erthal durch Hawdolob den Sabbat beendet, als er eine Miethskutsche kommen ließ, um noch in derselben Nacht nach Stade, dem Sitze der Regierung zu fahren: seine und seiner Genossen Bürgerbriefe nahm er mir sich. Unter großer Lebensgefahr machte er die Reise: der Kutscher, des Weges nicht reckt kundig, gerielb auf einen See, dessen dünne Eisdecke den Wegen rucht zu tragen vermochte und nur durch die rechtzeitige Warnung der Kirchgänger, die in aller Frühe zur Kirche wanderten, wurden die Reisenden vom sichern Tode errettet. — In Stade stand damals der spätere Landdrost von Merschalk, sein Andenken sei gesegnet, att der Spitze der Regierung. Dieser, der Erthal kannte und hochichätzte, sandte sofort einen Delegirten nach V. mit dem Aufträge, dem Magistrale einen strengen Verweis zu ertbeilen und ihm anheimzugeben. die Juden unangefochten zu lassen. Man habe sie, motivirte der^Regierungsrath, freiwillig als Bürger in den Stadtverband aufgenommen; sie seien daher Bürger und blieben solche mit allen Rechten der anderen Bürger auch unter den veränderten staatlichen Verhältnissen. So kam es, daß die Juden von V. bis zum Jahre 1845 die einzigen im hannoverischen Lande waren, welche das Bürgerrecht hatten und Grundeigenthum: Häuser, Aecker, Felder. Wiesen, Gärten :c. erwerben durften. Erst in dem genannten Jahre wurden auch anderswo im Lande Juden, wenn auch unter tausend Beschränkungen, zur Erwerbung des Bürgerrechtes zugelassen, bis das Jahr 1) Georg Hl.. König von England, war damals auch Kurfürst (von 1815 an König) von Hannover.