Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1872)
- Date
- 1872-06-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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S50 Zu Paderborn, von Fanny Nathan, Gründerin und Bori steherin der Anstalt, entnehmen wir, daß die Waisen- > Erziehungs-Anstalt, die am 1. März 1856 mit zwei! Waisenknaben eröffnet worden, im abgelaufenen Jahre j 39 Zöglinge, 23 Knaben und 16 Mädchen, zählte. Bon diesen sind 7 Knaben und 2 Mädchen ausgeschieden und an deren Stelle 5 Knaben und 1 Mädchen ausgenommen worden. Von den ausgeschiedenen Knaben widmete ' sich einer der Kaufmannschaft, einer der Sammet-We- ‘ berei, ein Knabe und ein Mädchen, welche beide unempfänglich für eine bessere Erziehung blieben, wurden den noch lebenden Verwandten zurückgegeben -, ein Mädchen siedelte nach Amerika über zu ihrer eort weilenden Familie. Es sind gegenwärtig in der Anstalt 22 Knaben und 14 i Mädchen, zusammen 36 Zöglinge. Der Gesundheitszustand derselben war auch im ab- , gelaufenen Jahre ganz vortrefflich. Seit den 16 Jahren des Bestehens der Anstalt , haben 64 Waisen Aufnahme, Verpflegung und Erste- 1 hung im Waisenhause empfangen.! An Legaten und Schenkungen erhielt die Anstalt j laut Testament der im Juni vorigen Jahres verstorbenen edlen Frau Salomo Zurkann, früher im Haag! wohnend, geb. Wollf zu Bonn, Tochter des verstorbenen! Hofraths Wollf, 15,000 Thlr., deren Zinsen für rhei-! Nische und westphälifche Waisen, zur Verpflegung, Eri Ziehung und Ausbildung verwendet werden sollen. ' Herr Isaak und Frau Li'etke Königswart er! zu Frankfurt a. M. bestimniten in hochherziger Weise; 200 Thlr. zur ewigen Erinnerung an ihren so früh daj Hingeschiedenen Sohn durch einen w'~p unserer Waisenknaben. Die Einnahme betrug 6579 Thlr., die Ausgabe 6183 Thlr. Leipzig, 3. Juni. Tie hiesige israel. Religionsgemeinde beging am gestrigen Vorm'ttag die Feier ihres 25jährigen Bestehens durch einen Festgottesdienst in der Synagoge. Nach den einleitenden Gesängen, vom Verein „Psalterion" ausgesührt, erörterte Herr Rabbiner vr. Goldschmidt den Charakter und die Bedeutung des Tages. Der Predigt war das 5. Buch Mofis Cap. 27, V. 9 zu Grunde gelegt'-*). Der Redner erinnerte daran, daß das Vierteljahrhundert, welches die Gemeinde nun durchlebt, zu den bedeutendsten Epochen in der deutschen Geschichte zähle, daß die Gemeinde unmittelbar am Vorabende jener Sturmesperiode entstanden sei, von welcher an die heutige politische Gestaltung Deutschlands sich vollzogen habe. Vergeben solle Alles sein, was vor Begründung der Gemeinde an Israel gesündigt worden. *) Warum nicht auch Vers 10? Nur die Erfüllung des Gesetzes macht Israel zum Gottcevotte Doch davon will man teil er in Leipzig nichts wissen! — Red. Dank wolle mau heute allen Denjenigen darbringeir, welche den Grund zur Gemeinde gelegt haben. Daß man zu allererst daran dachte, Schule und Gotteshaus zu errichten, das kennzeichne den guten Geist, von dem die Gemeinde von vornherein durchdrungen war. Dank gebühre auch unserer Stadtbehörde für ihr freundliches Entgegenkommen, und insbesondere für die Uebcrlassung so schöner Räume zu Zwecken der Religionsschule. Der Redner verbreitete sich hierauf ausführlich über die «beschichte der Gemeinde. Am Schlüsse seiner Predigt bezerchnete Herr Dr. Goldschmidt als die ferner zu erfüllenden Aufgaben die fortgesetzte Betätigung von Opfermut«) und Spferwilligkeit. Gebet und Gesang schlossen die Feier. Leipzig, 3. Juni. An den Vorstand der hiesigen israel. Religionsgemeinde ist aus Aulaß der Feier des 25jähr. Bestehens derselben nachstehendes Be> lückwünschuugsschreiben Seitens des Raths der Stadt Leipzig gelaugte „Tie hiesige israel. Religiousgemeinde zählt zu ihren Mitgliedern nicht wenige der achtbarsten unsere".' Mitbürger, welche zum stetigen Gedeihen und Emporblühen durch ihre Intelligenz, Opferfreudigkeit und nationalen Sinn, Handels"- und Gewerbfleiß ein gutes Theil bisher mit beigetragen haben: die Gemeinde selbst hat sich durch Wohlthnn "in reichem Maße ausgezeichnet und mit wahrer Humanität und Liberalität sich als ein wichtiges Glied in das größere Ganze unserer Stadtgemetnde einzusügeu gewußt, so daß sie von allen Seiten gern und willig als mit letzterer zu gemeinschastlichettt Streben verbunden anerkannt und geachtet wird. Wir können daher nicht unterlassen, inl Namen der Stadt Leipzig der israel. Religiousgemeinde heute an dem Tage, an welchem dieselbe ihr 25jähriges Bestehen festlich begeht, unseren Glückwunsch darzubringen. Möge Dieselbe zu ihrer eigenen Ehre und zum Wohle unserer Stadt mehr und mebr wachsen und "erstarket:. Weit vorzüglicher Hochachtung zeichnen Der Rath der Stadt Leipzig. S t e p h a n i. V a l ä st i n a. Jerffcr. Ein ans Alerandrien eingewanderter Jnde war fälschlicherweise beschuldigt worden, die muhanicdanische Religion gelästert zu haben und wurde nicht nur er selbst grausamer Weise geschlagen, sondern auch diejenigen seiner Glaubensgenossen, die ihm zu Hilfe gekommen. Die Sache ist den Consnln tind den betressenden Gerichten übergeben und erwartet man, daß die Schuldigen nicht ungestraft ausgehen werden. < Habazeleth.)