Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1872)
- Date
- 1872-06-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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zuraunen. Die Strahlen der Wissenschaft werden die Eisrinde schmelzen, die leider noch so Vieler Herzen gefangen hält, vor der wachsenden Aufklärung werden fliehen die nächtlichen Schatten und der freundliche, lichte Tag wird Heraufziehen am Himmel der Menschheit. Möge uns der Glaube nicht täuschen, der in unserer Zeit die Morgenröche dieses Tages begrüßt, er hat seine gewisse Berechtigung; doch eines Umschwunges bedarf es noch, aus daß dieser Morgenröche der volle Tag folge: der Vermählung der Wissenschaft mit dem Gesetze. So lange jene aber oft nur im Dienste der Macht steht, 10 lange sie sich mißbrauchen läßt, um Unheil und Verderben zu stiften, so lange wird selbst das segensreiche ihres Wirkens ohnmächtig sein gegenüber dem Schaffen und Treiben finsterer Mächte. ' Sie ist dann nicht das Feuer, das wohlthätig wärmt und erleuchtet, sie ist das Element, das die Gebilde friedlichen Schaffens zerstört. Aber läßt sie sich leiten von dem Gesetze, ist sie nicht mehr von dein Gedanken beherrscht, daß dasselbe ihr feindlich gegenüber stehe, vielmehr daß sie sich mit ihm verbinden müsse, dann wird sie ihre Ausgabe glänzend lösen und die Menschheit wird sich dankbar ihren Schuldner nennen. Wie die Wissenschaft diese Aufgabe zu begreifen und zu verwirklichen habe, bas zeigt ihr das — Judenthum. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland König im O., 10. Juni. Es ist eure angenehme Pflicht, die uns heute bestimmt, die Zeder in die Hand zu nehmen und die Leser des „Israelit" und alle Freunde des wahren, echten Judenthums mit einer Nachricht zu erfreuen, die wahrlich verdient, zur Freude und Genugthuung Veranlassung zu geben. Es war am vergangenen rocr, wo uns die Ehre des Besuches des Herrn Dr. Marx, Rabbiner der isr. Religionsgesellschaft zu Darmstadt, welcher sich zugleich viele Gemeinden der Provinz Starkenburg angeschlossen haben, zu Theil wurde. Es ist in diesen Blättern schon mehrfach des Herrn Dr. Marx erwähnt worden, so daß wir es nicht nökhig haben, dessen Gelehrsamkeit und Berufstreue, verbunden mit wahrer, inniger Frömmigkeit, zu erwähnen und cmporzuhebcn. In seiner Predigt, mit welcher der verehrte Herr die hiesige Gemeinde erfreute, hob er besonders hervor, daß wir durch die Gesetzgebung am Sinai, von welcher es heißt: -gti n?x- D’-onta rx D'pVx, aller Zweifel enthoben wären, daß gerade das v'p-x -a-n, daß Gott und nur Gott diese Worte gesprochen, uns von der Göttlichkeit der Thora überzeuge, daß in jedem der von Gott gesprochenen Worte ein Donnerwort für uns liege, das wir den Gesetzesleugnern entgegenschleudern könnten. riPxn ona-n pd nx, baß er all diese Worte gesprochen und nur diese und keine anderen, daß wir also nicht berechtigt wären, etwas von denselben hinwegzunehmen und etwas zu denselben hinzuzufügen, und daß die Mission eines jeden Israeliten darin bestehe, diese Worte weiter zu sagen, sie zu lehren unsere Kinder und die ganze Welt damit zu belehren. Es ist dem Herrn Dr. Marx gelungen, den Glauben an das heilige Gesetz in unseren Herzen zu befestigen, unser Gemüth zu stärken, um treu auszuharren in allen Wcchselfällen des Lebens, es ist ihm gelungen, die Ueberzeugung weiter zu kräftigen und zu stärken, daß nur in der Hoch- und Heilighaltung des Gotteswortes das Glück und der Segen des Juden und des Menschen liege. Haben doch unsere Ahnen für das heilige Gesetz geblutet, sind sie doch für das Gotteswort in die Schranken getreten, haben sie doch Gut und Blut, Leib und Leben hingegeben, am nanp by nvz: 1*02 , ihr Leben hingegeben für die Heiligung des göttlichen Namens, und wir, die wir in einer Zeit leben, in der Gewissensfreiheit herrscht, wo Jeder ungestört und unbehelligt dem Gesetze nachleben darf, wir sollten - anders handeln? — Es ist eine glückliche Errungenschaft, die die Gemeinde Darmstadt und mit ihr die Gemeinden der Provinz Starkenburg in dem Herrn Dr. Marx gemacht. Es ist eine wahre, innige Begeisterung, ein Interesse für die heilige Sache, die denselben beseelt und dmchdringt. Es zeigte sich dies auch in der Thatsache, daß er am Samstag Nachmittag einer Prüfung der hiesigen israel. Religionsschule beiwohnte, und hoffen wir, daß es ihm gelungen sein wird, die hiesige Gemeinde zu überzeugen, daß in dem Unterrichte unserer Jugend der Schwerpunkt des Judenthums liege, sie zu überzeugen, daß der Lehrberuf ein heiliger und edler ist und daß der Lehrerstand es verdient, einen besseren Standpunkt einzunehmen, als es im Allgemeinen hier zu Lande der Fall ist. — Möge es uns recht bald wieder vergönnt sein, den Herrn Dr. Marx in unserer Mitte zu sehen? Aus Unterfrmnken. Ihr geehrter Herr Correspondent „ aus Bayern" fügt in der Beilage zu Nr. 21 dieser geschätzten Blätter seiner Mittheilung über die Gehaltsaufbesserung der Rabbinen durch den Staat den Wunsch bei, man solle darauf dringen, daß einige ihm ungeeignet erscheinende ältere gesetzliche Bestimmungen beseitigt würden. Was den §. 27 c. des Edicts von 1813 betrifft, wonach ein anzustellender Rabbiner „ohne Makel sein muß" rc. stimmen nur vollkommen mit Ihren Herrn Correspondenten überein. Anderer Meinung sind wir hinsichtlich der Uebertragung der Localschul- Jnspection an die Rabbinen. Dieser Wunsch ist in ho-