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Der Israelit · 1872-06-11 · Heft 24 (11.6.1872) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 24 (11.6.1872)
Date
1872-06-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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WWWWMW MW 538 lung des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten, welches die Gelder stets mit den Regierungsdepeschen befördert hat. Empfangsanzeigen und'Quittungsbelege sind richtig anqelangt; ein von Mr. Alison in Aussicht gestellter ausführlicher Bericht über die Art der Vertheilung wird jedoch noch erwartet. London. Unter dem Vorsitze des Abgeordneten Lawrence und in Anwesenheit von etwa vierzig Parlamentsmitgliedern sowie mehrerer hervorragender Bürger — Christen wie Juden — hat in der Guildhalle in London eine zahlreich besuchte Versammlung stattgefunden, um gegen die jüngsten Judenverfolgungen im rumämfihen Bessarabien zu protestiren, der Theilnahme für die Verfolgten Ausdruck zu geben, und um die Schritte zur Abhilfe in Berathung zu ziehen. Nach einigen einleitenden Bemerkungen des Vorsitzenden stellte Lord Shaftesbury den ersten Imtrag: „Dieses Meeting protestirt gegen die gegen die Juden in Rumänien verübten Excesse, als gegen eine Beschimpfung moderner Civilisation und spricht seine tiefgefühlte Theilnahme für die unglücklichen Opfer aus." Nachdem dieser Antrag mit bedeutendem Entusiasmus zum Beschluß erhoben worden war, rächte der Bischof von Gloucester diezweite Resolution ein: „Die Gerechtigkeit verlangt Unterstützung und Entschädigung derjenigen, welche an ihrer Person oder ihrem Eigenthum leiden und elitten haben, sowie eine genügende Beschützung er rumänischen Juden gegen zukünftige Excesse, und zwar dadurch, daß ihnen in Uebereinstimmung mit bestehenden Verträgen k Gleichheit mit ihren Mitbürgern bezüglich der civilen Rechte gesichert wird." Auch dieser Antrag wurde angenommen und das Meeting endigte damit, daß eine zahlreiche Deputation ernannt wurde, welche die Regierung urgiren soll, Schritte in dieser Angelegenheit zu thun Rumänien. Bukarest. Die Ortschaft Unter-Sinoutz in der Bukowina ist mit Ausnahme der Grenzgasse vollständig abgebrannt. Ein alter Mann und ein Kind kamen in den Flammen um's Leben. Der Brand soll geleg t « o r d e n s e i n. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich die Intoleranz der Rumänen auf's Neue. Solange nur Judenhäuser brannten, rührten die benachbarten Moldauer keinen Finger, erst als das Feuer auch die Kir he ergriff, wurde Hand angelegt. Den Juden wurde jede Hilfe verweigert, zur Rettung der christlichen Kirche mußten aber auch sie herhaltcn. Der Bürgermeister von Seretb kam mit einigen Spritzen auf den Brandplatz, ein Jude wollte eine derselben benützen und wurde dafür weidlich durchgebrügelt. Was kümmert cs auch die Edlen, solange nur das Eigeuthum ihrer jüdischen Mitbürger in Flammen aufgeht, wenn nur sie selbst nicht beschädigt werden! Jassy, 22. Mai. Nicht über Crawalle » la Ismail haben wir Israeliten hier zu klagen, nicht überfällt man on wasso unsere Wohnungen, um uns zu plündern und zu mißhandeln; aber wir sind dennoch nicht auf Rosen gebettet; Jassy, obschon die zweitgrößte Stadt in Rumänien, obschou der Sitz vieler tüchtig an Geist und Herz gebildeten Familien, obschon der Aufenthalt so vieler eminenter junger Leute, welche auf deutschen Universitäten einen Schatz gründlichen Wissens in sich ausgenommen haben und ihn hier in Zeitschriften und Vorlesungen verwerthen — ist dennoch nicht ein Arkadien für uns Israeliten, und zeichnet sich von den anderen Schwesterstädten, nicht durch einen sehr potenzirten Freiheits- und Duldsamkeitssinn aus. Wir leiden hier auch an keinen acuten Verfolgungen, wohl aber an Chicanen, welche von Seiten der Communal-Behörden gegen uns ausgeübt werden, die wie Nadelstiche wirken, und uns die Existenz täglich und' stündlich vergällen. Sie können sich leicht eine Vorstellung davon machen, in welcher Gemüthsstimmung die Israeliten hier sein müssen, wenn sie sehen, daß gerade diejenigen, welche vom Staate eingesetzt sind, um über Ruhe, über Sicherheit der Bürger, und über Recht zu wachen, das Beispiel der Ungerechtigkeit und der Unduldsamkeit geben. Der einzige Trost für uns liegt in der tteberzeugung , daß unsere Central-Regierung von diesem perfiden Treiben herzloser Provinzial-Behörden und sittenlosen Subalternen, keine genaue Kenntniß hat. Ich recurrire daher an die Oeffentlichkeit Ihres edlen Blattes, um die Thatsachen bekannt zu geben, damit der Regierung Gelegenheit geboten wird, die wünschenswerthe Controle und Reaction gegen Handlungen auszuüben, die man sonst auf ihre Rechnung zu schreiben geneigt sein könnte. Hier ein Factum für viele: Der Communal-Rath von 1870 hatte in einer Sitzung ein Gesetz votirt, nach welchem es keinem Juden gestattet sein solle, christliche Dienstboten zu haben. Diese Verfügung wurde durch den i damaligen Minister des Inneren, durch das Com-! muniqus Nr. 12,274 erlassen und in Ausführung derselben, begann man sogleich die Dienstboten von den Häusern der Juden zu entfernen.

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