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Der Israelit · 1872-06-11 · Heft 24 (11.6.1872) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 24 (11.6.1872)
Date
1872-06-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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5S0 muttaen unserer Thauroh ^ei^t uns die ganze hilflose Armseligkeit unserer Zeit, zeigt uns die ungebrochene, Welten und Völker überwindende Kraft unserer Thauröh. Ein Gesetz, dessen ganzer Organismus von dem Geiste des to “pnx ’m des TO n« rrbn to dm und zahlloser ähnlicher Vorschriften durchdrungen ist, kann einzig und allein gegen jenes rothe Gespenst, die sogenannte sociale Frage, welche gegenwärtig mit unabweisbarer Dringlichkeit an alle gebildeten Menschenkreise herantritt, sicheren Schutz und dauernde Abhilfe gewähren. Ein Staat, der wie es dem jüdischen Gesetze entspricht, die Erziehung und Bildung des Volkes, jenen hochwichtigen Fattor zur Erreichung gedeihlicher socialer Verhältnisse, zunächst nicht den Schulen, die doch nur Erziehungsmafchinen sein können, sondern den Eltern, dem Vater besonders, als heiligste Pflicht anvertraut, ein solcher Staat wird kein. rohes Proletariat, wird wohl arme, aber keine elend verkommenen Burger erzeugen können. Aber selbst flicht einmal arme, im eigentlichen Sinne des Wortes von materiellen Mitteln entblößte Bürger wird der Staat in seiner Mitte bergen, welcher für den Wohlstand der unbemittelten arbeitenden Klassen durch Schemittah - und Jobelgesetze gesorgt hat. Ein Gesetzgeber, der in die Herzen schauen und so unsere leisesten Regungen selbst controliren kann, dessen Gesetz kann auch mit Erfolg zum Herzen reden, kann Menschenachtung, Nächstenliebe nicht nur von uns fordern, sondern kann schon jede Wallung unseres Blutes, die sich nicht willig dem Dienste der Humanität weiht, zur Verantwortung ziehen — und zieht sie zur Verantwortung. Hasse im Herzen deinen Bruder nicht, trage den Söhnen deines Volkes keinen geheimen Groll nach, liebe deinen Nächsten, der ja nicht mehr und nicht weniger, der iiOv ist; das kann nur ein Gesetzgeber vorschreiben, der unter dieses Gesetz sein bedeutungsschweres 'n ’Jn setzen, der als Zeuge und Richter jeder auch der geheimsten Handlung austreten und fie nach Gebühr belohnen oder bestrafen kann. Und er ahndet hart jede Versündigung an diesem zur Erlösung der Menschheit bestimmten Gesetze. Die Vernachlässigung jener Schemiltahgesetze mußte Israel mit ebenso vielen Jahren babylonischen Exils büßen, als es auf seinem Boden mow vernachlässigte und die Verletzung jener Humanitätspflichten — nNJff OJn — hat zum zweiten Male unsere nationale Selbstständigkeit seit nun achtzehn Jahrhunderten in Trümmer gelegt. Wie aber aus seiner Asche der mythische Phönix, so hat aus Tempeltrümmern und Staatsruinen sich unsere unzerstörbare Thauroh verjüngt, hat mit Israel ihren Rundgang durch Länder und Völker angetreten und hat durch die von ihr gezeichneten Ideale, die noch bis heute kein Fottschritt erreicht, keine noch so sehr gepriesene Erleuchtung überstrahlt hat, der ganzen Menschheit gezeigt, daß sie und nur sie die Dornen und Disteln aus unserem irdischen Paradies zu räumen vermag. Jenes rothe Gespenst, das vor keinen menschlichen Gesetzespcrragraphen zurückweicht, jenes erschütternde demoralisirende Elend, das nian euphemistisch die sociale Frage nennt, die BestimiUUngen det Thauroh allein vermögen es aus ihren Kreisen zu bannen. Aber nicht nur die sogenannte sociale, auch die nicht minder gewichtige religiöse Frage, welche das Verhältnis zwischen Staat und Kirche behandelt und die Gemüther gegenwärtig so sehr erregt, hat in den Bestimmungen der min ihre einzige befriedigende Beantwortung gefunden. Staat und Kirche sind die zwei großen Rahmen, welche das ganze Geistesleben aller gebildeten Völker umschließen, sind die beiden Rivalen, welche sich den Bemühungen der erleuchtetsten Geister zum Trotz erbitterter als je um die geistige Herrschaft über die Menschheit streiten. Weiter und weiter klafft täglich die Kluft, immer leidenschaftlicher tobt der heiße Kampf, so daß immer mehr und mehr die Hoffnung auf einen friedlichen Äusgleich zwischen den mächtigen Gegnern schwindet. Unsere auf der Höhe aller Cultur und Wissenschaft sich wähnende Zeit weiß die Formel nicht zu finden, welche die kirchlichen Interessen mit den staatlichen in das richtige Verhältniß bringt, versteht nicht die genaue Grenze zu ziehen zwischen dem, was Gottes und dem, was des Königs ist, vermag jenes Problem nicht zu lösen, das vor dreitausend einhundert zweiundneunzig Jahren Gott, noch bevor er sein Gesetz uns gab, löste, als er die Offenbarung dieses Gesetzes einleitend sprach: „Wenn ihr auf meine Stimme hören, meinen Bund hüten wollt, dann sollt ihr ntein Lieblingsvolk kein nutet allen Völkern, mir, dem doch die ganze Erde gehört; ihr sollt mir nämlich königliche Priester und ein heiliges Volk sein — das sage zu den Kindern Israels." Mit diesen Worten hat Gott seinem Volke all die traurigen Kämpfe erspart, welche gegenwärtig unser großes, deutsches Vaterland in zwei mächtige, feindliche Lager theilen. Nrcht königlich oder priesterlich, königlich und priesterlich d\td rowo sollte jedes Glied unseres Volkes gesinnt sein. Staat und Kirche sollen im Jüdenthume keine Gegensätze sein, sollen aber auch nicht das ganze geistige Leben des Volkes umfassen , sondern diese beiden Mächte selber beugen sich einer höheren Macht, derselben, welcher sich jede jüdische Seele untergeordnet weiß — Gott, dtjhd roTO V} Drr’m Mir, spricht Gott, nicht dem Staate, nicht der Kirche, m i r sollt ihr priesterlich-königlich gesinnt ergeben sein, und dieses kleine 'd nimmt bemalten, gewaltigen Streit die scharfe Spitze. Der fürchtet keinen Kampf der Gegensätze, ja für den gibt es gar keine Gegensätze, der sich mit all seinen Wünschen und Interessen dem klar ausgesprochenen Willen des Einen Einzigen unterordnet. Solange sich aber Staat und Kirche nicht als Mittel zu einem gottgefälligen Leben, sondern als dessen Zweck ansehen, so lanao wird der unheilvolle Zwist, jener beiden sich selbst überschätzenden Mächte, mehr und mehr um sich greifen. Selbst das jüdische Volk hat im Gegensatz zu den gol-

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