Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1872)
- Date
- 1872-06-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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wirken haben wird. Die Gründung eines solchen Vereines wurde zwar schon vor mehreren Jahren angestrebt, doch war damals die Idee vorherrschend, sich an die Pariser „Alliance“ anzulehncn und gewissermaßen eine Filiale derselben zu bilden. Der Plan scheiterte jedoch damals, weil es die leitenden Personen Angesichts des heranziehenden kriegerischen Gewitters nicht thunlich fanden, mit dem französischen Verein in direkte Verbindung zu treten, dann aber auch auf eine Anfrage im vertraulichem Wege vom Ministerium die Andeutung gegeben wurde, daß man bei dem besten Willen über die Bestimmungen des Vereinsgesetzes nicht hinausgehen kann, welche eine solche Verbindung nicht gestatten. Nunmehr soll in Wien ein selbstständiger inländischer Verein, ähnlich denen von Berlin ( Z und London, ins Leben gerufen werden, welche bereits eine segensreiche Wirkung entfalten Mittheilen können wir auch noch, daß im privaten Wege bereits namhafte Summen für den in Wien zu gründenden israelitisch-orientalischen Verein gezeichnet worden sind. Wien. Das Leichenbegängniß des berühmten Dichters Moriz Hart mann fand gestern Nachmittags, einem Wunsche des Verstorbenen entsprechend, mit größter Einfachheit statt. In und vor dem Sterbehause hallen sich zahlreiche Dichter und Schriftsteller, die Mitglieder des Journalistenvereins „Concordia", die deutsch-böhmischen Abgeordneten und andere Trauergaste eingefunden. Um S Uhr Nachmittags wurde der einfache Holzsarg voll Dienern des Leichenvereins „Chewra Kadischa" unter Necitircn eines Trauerpsalms durch den Oberkautor Professor Sulzer in den vor dem Trauerhause, Rathhausgasse Nr. 9. bereitstehenden vierspännigen Leichenwagen gehoben, welcher sich hierauf nach dem israelitischen Friedhofe nächst Währing in Bewegung setzte. Fast sämmtliche Theilnehmer an dem Leichenbegängniß, sowie die nächsten Angehörigen des Verstorbenen gaben demselben das letzte Geleite bis zum Grabe. In der Vorhalle des Gottesackers hatte sich ebenfalls ein zahlreicher Kreis theilnehmender Freunde des Verblichenen, sowie Hofrath von Dingelstedt und Andere versammelt. Nachdem der Sarg in das Grab hinabgesenkt war, widmete ein Jugendfreund des Dichters, Dr. Kompert, dem Dahingeschiedenen einen warmen Nachruf. Bald deckte die Erde die irdischen Ueberreste des Dichters und wehmüthig verließen die Anwesenden die düstere Stätte der Tobten. Prag, 10. Mai. Die hiesigen Zustände in dem jüdischen Gemeindeleben sind so zerfahren, daß man dieselben nicht gern öffentlich bespricht; daher die lange Pause, die Ihr Correspondent in seinen Berichten eintreten ließ. Es gibt hier gegenwärtig gar keine religiöse Partei, weder Orthodoxe, noch Reformer; es gibt hier leider nur noch wenige echte, wirkliche a-nn’; dann gibt es noch einige alte Poschim, die für die Aehnlichkeit der Cultusformen in der Synagoge mit denen i?er Kirche schwärmen; das Gros der jüdischen Gemeinde huldigt dem Jndifferentismus und kümmert sich um Nichts; die Cultussteuer wird gezahlt, und damit glaubt man seiner Obliegenheit nachgekommen zu sein Die Einführung des Orgelspiels an lsabbaten und Feiertagen, welche eben von einigen älteren reformsüchti'geu Mitgliedern der Tempelgcmeinde, trotz des eifrigen Widerstandes des Predigers Professor I)r. K dmp f durchgejetzt wurde, hat gar keine Sensation erregt, der Tempel zählt seitdem nicht mehr Besucher, und wenn keine Predigt ist, so sind die Sitze trotz der volltönenden Orgel leer. Die Meiselsynagoge, in welcyer Prediger I>r. Stein gleichfalls' am Sabbat die Orgel spielen läßt, erfreut sich nicht einmal während der Predigt eines anständigen Besuches. Die Mitglieder haben ja keine Zeit hiezu, da sie alle zumeist ihren Geschäften nachgehen. Was die Repräsentanz betrifft, so übt dieselbe auf die Synagogen, die hier autonom sind, keinen Einfluß; doch macht sich bei den einzelnen Repräsentanten, die zugleich Synagogenvorsteher sind, die Sucht naaj Neuerungen bemerkbar: übrigens kümmern sich die hervorragenden Repräsentanten mehr um die hohe Politik, als um die Gemeindeangelegenheiten, mit Ausnahme der Humanitären Anstalten Da die Josefstadt für das Stadtvervrdnetencollegium und für den Landtag ein Wahlbezirk bildet, so ist für die politische Thätigkeit genügend gesorgt und pflegt es, wie dies auch gegenwärtig der Fall ist, zu kommen, daß bei dem Sichfernhalten der ezechischen Deputirten die Deputirten der Josephstadt die Stadt Prag vertreten und in Folge dessen in den Land es aus schuß gewühlt werden müssen Bei der letzten Wahl, in welcher die Herren Di-. Todesko und Dr. Wiener durch drangen, wurden dieselben, ersterer in den Landesausschuß und letzterer in den Reichsrath gewählt; ferner wurden noch aus d"r Städtecuric in den Reichsrath 9 Israeliten gewujlt die Herren Dormitzer Fürth und Kuh, so'daß aus Böhmen 4 jüdische Reichsräthe als gewählt erscheinen Die Rabbinatsfrage, die vor Kurzem wieder auftauchte, ist ganz von der Tagesordnung gestrichen, und ist das Provisorium auf unbestimmte Zeit beibehalten worden; dagegen ist in humanitärer Beziehung in letzterer Zeit vielErfreuliches geschehen Eine Wohlthäterin, die selten ihres Gleichen hat, die selige Frau Therese Wiener, hat testamentarisch die höchst bedeutende Summe von 40,000 fl. zum