Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1872)
- Date
- 1872-06-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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diese mehrfach tresc und machte dem Vorstände zu G. unter Hebersendung der Lunge selbst vom Geschehenen Mittheilung. Was aber war die Folge davon? Hören und staunen Sie! Die Herren Vorsteher und Gemeindemitglieder beschlossen, die Sache ad acta zu legen und zur Tagesordnung überzugehen. Sollte die Gemeinde Nürnberg Herrn vr. Stein noch nicht berufen haben, so würde ich chm die Gemeinde G. in Ostpreußen dringend empfehlen. Hat dieser Vorschlag Etfolg. so würde man von mir ebenfalls sagen können D’jsx 3tc* bi lffyji cns rry;rtf. Noch bin ich aber mit meinem Berichte nicht fertig und ist des Interessanten noch viel; doch beschränke ich mich heute auf N., eine Schwestergemeinde der obengenannten. Elftere machte auf jüdischem Gebiete seit Kurzem Riesenfortschritte, stellte einen vr. als Rabbiner an. vertrieb die mj:np aus der Synagoge, verabschiedete zugleich beide ipme mp und untersagte das Vorbeten des U'pjo px. Heber die Fähigkeiten des Herr vr. und Rabbiner zu N. ist, außer daß er Correspondent des „Hamagid" ist, nichts bekannt, und würde man fast geneigt sein, zu behaupten, daß auch bezüglich der nxnn der Grundsatz anzuwenden ist: 3n dh pnoio nrsN pse; nur ist man hierin durch folgenden Vorfall etwas zweifelhaft geworden: Der Herr Bürgermeister zu N. feierte nämlich unlängst sein Amtsjubiläum. Die Bürgerschaft veranstaltete ihm zu Ehren ein allgemeines Tanzvergnügen, an welchem selbstverständlich der Herr vr. und Rabbiner auch Theil nahm. Man sollte doch nach obigem Grundsatz glauben, wer sich zum Tanzen begibt, muß dessen kundig sein; allein, wie beschämt wurde die Gemeinde, als sie sich überzeugte, daß ihr Herr Seelsorger davon nichts versteht, sv daß ihm eine christliche Dame in Folge dessen einen Korb geben mußte. nmxb ’ixü Schrirnm, im Jjar. Wir hatten unlängst wiederum Gelegenheit zu sehen, wie segensreich eine Schule wirken kann, wenn sie, auf religiöser Basis stehend, von einer Partei geleitet wird, der es um den Unterricht Ernst ist und die es als ihre Hauptaufgabe betrachtet, die Kinder zu wahren omrp zu erziehen. Zeigten schon die früheren alljährlich am Peßach stattfindenden Prüfungen den erheblichen Forschritt unserer ehedem religiös verkommenen Jugend, so war es besonders die diesmalige. Die Mädchen sowohl als die Knaben legten Zeugniß davon ab, daß sie Etwas gelernt haben, letztere ernteten besonders die ungetheilte Anerkennung aller Anwesenden, da sie sowohl in Geschichte, die sie bis zur neueren durchgenommen, als auch m Grammatik gut waren, namentlich aber durch ihre sinnreiche Erklärung der schwiej n^ftcn Prophetenstellen im Jesajas und Ezechiel sowie! durch verständnißreiche Wiedergabe von Raschi und mso : briüirten. Den Schluß bildete noch ein geschichtj boK’T Vortrag, das Mittelalter in politischer wie lttera- > rischer Beziehung behandelnd, gehalten von einem Schüler der Anstalt. Es kann auf unsere Schule mit Recht das Wort unseres heutigen Wochenabschnittes Anwendung finden: ins nx itnxn rr srom .-ubq. Wir haben nämlich umsomehr Grund, uns der Früchte dieser Arbeit zu freuen und unsere Freude durch die Presse zu veröffenti lichen, als unsere Talmud-Thora-Schule fünf Jahre der! schwersten Kämpfe hinter sich hat, und die Leistungen j derselben deßhalb viel höher anzuschlagen sind. : Diese Schule, für welche s. Z. kein Verständniß in der hiesigen Gemeinde zu erzielen war, ist von etwa 35 Mitgliedern in's Leben gerufen worden und wird von diesen nur unter den undenkbarsten Opfern erhalten. Es ist nicht die Unterhaltung der Schule selbst, die ca. 1250 Thlr. erfordert, die die Mitglieder trifft, sondern sie haben auch, weil sie zur Opposition der Gemeinde zählen, zu den Gemeindelasten das Doppelte, ja mitunter das Dreifache ihres wirklichen Einkommens zu steuern. Ja sogar die Lehrer unserer Schule werden zu den Gemeindelasten in nichts weniger als schonungsvoller Weise herangezozen. vorridils äictu! Bei alledem noch Muth zu behalten, ist wirkliches Gottvertrauen und zeigte sich dies wiederum in der jüngsten Generalversammlung. Die Gemeinde hat nämlich, um unsere Schule lahm zu legen, auch eine „sogenannte Religionsschule" gegründet und Vacanzen ausgeschrieben. Trotzdem constituirte sich der Talmud- Thora - Verein in der Versammlung auf's Neue und zeigte dadurch, daß er trotz aller Anfeindungen seine Fahne mnxmi min pnj.“6 hochzuhalten bestrebt ist, und er wird doch endlich mit dieser siegen. An dieser Stelle muß aber auch des rastlosen Wirkens unseres Dirigenten, Herrn vr. Stiebel, gedacht werden, der an den Erfolgen der Schule einen hervorragenden Antheil hat. Einer aus dem Volke. Oe st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 19. Mai. Die Exzesse und Gräuel, welche in der jüngsten Zeit gegen die Juden in Rumänien und in Smyrna verübt wurden, haben die Mitglieder der hiesigen Kultusgemeinde in eine schmerzliche Aufregung versetzt und es fand aus diesem Anlasse vor einigen Tagen eine Versammlung von notablen Personen aus dieser Gemeinde statt, in welcher die Mittel und Wege berathen wurden, wie einerseits den Verunglückten namhafte Unterstützungen zukommen können, anderseits aber auch nach dem Muster der Pariser „Alliance israelite“, die bedeutende Erfolge aufzuweisen hat, hier in Wien mit behördlicher Erlaubniß ein Verein zu gründen wäre, der sich nicht nur mit der bedrängten Lage der israelitischen Bevölkerung im Orient zu beschäftigen, sondern hauptsächlich für den moralischen Aufschwung derselben zu