Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1872)
- Date
- 1872-06-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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514 Und das werden Sie uns doch zugestehen, daß wir Juden besser wissen müssen, was uns die heilige Schrift sagt und was sie meint; Sie werden Uns doch nicht zwingen wollen, ihre Worte und ihren Sinn anders aufzufassen, als wie sie feit Jahrtausenden aufgefaßt wurden! Warum aber diesen gelehrten Beweis, der doch nicht stichhaltig ist? Doch, das überlasse ich Ihrer Nächstenliebe und — dem Urtheile aller edlen Menschen. Ein Freund der Wahrheit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Von der Hess. Bergstraße. Ein seltener Genuß ward uns jüngst zu Theil. Wir wohnten einem Examen in der Knaben-Erziehungsanstalt von vr. I o e i in Pfungstadt bei und fühlen uns verpflichtet, demselben auf diesem Wege einige Worte der Anerkennung zu zollen. Mit Vergnügen folgten wir der Prüfung in Nviii mit '"an und hatten uns der schlagfertigen und gewandten Antworten der Schüler zu erfreuen. Aber die Leistungen der rrvQg-Schüler übertrafen noch unsere Erwartungen. Die Knaben wurden in der schwierigen Partie von;,-d nspn geprüft. Abgesehen davon, daß Herr vr. Joel als Pädagog rühmlichst bekannt und geschätzt ist, so zweifelten wir doch an der Möglichkeit, daß mit einer großen Zahl von Anfängern dieses Stück gründlich durchzuarbeiten wäre. Allein, die Knaben waren sämmtlich sattelfest; joe: und ’"ttn erklärten sie sehr schön und auch an die nisom wagten sich die jungen Talmudisten und mit einer Liebe, die uns sehr wohlthat. Wir rufen dem Herrn vr. Joel einen innigen 2"" zu und wünschen ihm zu seinen schönen Resultaten Glück, um so mehr, da seine Schule in dieser Gegend — wir kennen nur eine ähnliche in unserer Nähe, in Biblis — ein wahrer D^n ayrrp ist. Es gähnt uns;a im Großen und Ganzen eine Unwissenheit auf dem Lande an, die wahrhaft schreckenerregend ist. In diesem Punkte ist seit vielen Jahren schwer gesündigt worden. Ein Glück also, daß Herr vr. Joöl der Mann ist, der die Schäden erkennt und an der Heilung mithilft. Wir bedauerten, der Prüfung in den Realfächern, worin laut Programm Vieles geschieht, nicht anwohnen zu können und nahmen nur noch Gelegenheit, die Einrichtung des Instituts näher anzusehen. Wir verließen in jeder Beziehung befriedigt die Anstalt mir dem Wunsche, daß die Anzahl der Schüler sich stets mehren möge. □ München, 12. Mai. Von Seiten der Herren Salomou Rau und deffen Schwiegersohn Kunst in Paris wurden zwei Stiftungen gegründet zum Andenken an die verlebte Gattin des Herrn Kunst, Charlotte, geb. Rau, und zwar jede utit 7700 fl. Der erste Bürgermeister der Stadt München, Herr vr. Ehrhardt, theilte dies mit dem Bemerken mit, daß die eine dieser Stiftungen zum allg. Kinderaspst die andere an die Universität bestimmt sei; letztere, um an zwei bedürftige Studenten die jährl. Zinsen zu vertheileu. Frankfurt 4. M. Rach dem ausgegebenen Berichte des isr. Frauenvereins pro 1871 hat der Verein nun das 25. Jahr seiner Thätigkeit zurückgelegt. Da das Vereinshaus nur für 20 Zöglinge hinreicht, soll dasselbe durch Aufsetzen eines Stockes derart erweitert werden, daß es die Möglichkeit gewährt, nach und nach bis zu 30 Mädchen aufnehmen zu können. Den Bau, im Laufe diests Monats begonnen, hofft mau bis zu September vollendet zu haben. Dem Vereine gingen im vorigen Jahre ansehnliche Geschenke zu, u. A. 10,000 fl. von Herrn B. H. Goldschmidt. Die Auszahlung des E. Höchberg'schen Legates von 20.000 st. ermöglichte die Aufnahme zweier Waisenmädchen, so daß die Zahl derselben jetzt 20 beträgt; dem Neffen des Testat irs ist die Erhöhung des Stistungscapitals der 1865 begründeten Pauline - Leopold-Höchberg-Stiftung um 500 fl. zu danken. Aus dem finanziellen Theil des Berichtes erhellt, daß die regelmäßigen Beiträge der Mitglieder und die Capitalzinsen noch immer nicht die sich steigernden Ausgaben decken. Viele arme und verlassene Kinder haben bisher lange und vergeblich an der Pforte des Vereins geklopft. Der Verein möchte sich in Zukunft den Schmerz ersparen, sie vertrösten und schließlich abweisen zu müssen, darum ergeht sein Ruf um weiteren werktätigen Beistand. Die Einnahmen betrugen 33,360 ft. 15 kr.; die Ausgaben 33,149 fl. 29 kr. Aus Oftpreußen. Erschrecken Sie nicht, hochgeehrter Herr Redacteur! beim Anblick einer Correspondenz aus Ostpreußen, einer Provinz, von der nur fehl selten, bei etwaiger Hungersnoth, eine Stimme in Ihrem vietgelesenen Blatte sich vernehmen läßt; die heutigen Mittheilungen sind entgegengesetzten Ursprunges, heute heißt es;;nir paa?”. Daß aber gegenwärtig eine überaus gesegnete Zeit und namentlich in der.Gemeinde G. ist, beweist wlgendes Factum. Der Herr 'Lchächter und Lehrer zu schlachtete bei einem christl. Fleischer ein Rind, befand dies für koscher, stellte dem Fleischer darüber ein sämtliches Zcugniß aus und versah das Fleisch nebst desst» Tw» mit Koscher-Siegel, worauf sich der Fleischer damit nach L. zum Wochenmarkt begab. Dort angelangt, regte V Aufsehen und man. legte drese dem dortigen Rabbiner zur Entscheiduu.g vor. Letzterer