Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1872)
- Date
- 1872-06-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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510 Zusammenhang mit dem Czokoi. Die Slaatsanwaltschaft hat wiederholt Hausdurchsuchungen bei dem vielbesprochenen Czokoi vornehmen lassen, jedoch ohne den geringsten Erfolg. Was liegt am Ende einem rumänischen Staatsanwalt an nur Einem Juden? und der Schneider bleibt verschollen. So geschehen in dem konstitutionellen Staate Rumänien im Jahre 1872. Braila, 22. Mai. Sie haben bereits die Nachricht von dem Resultate der in hiesiger Stadt stattgehabten schwurgerichtlichen Verhandlung des Processes der Jsmailer Ruhestörer, der Welt mitgetheilt. Ich will Jhiuu jeyt obschon post; festum — einige Einzelnheiten jenes bedauerlichen Processes geben. Am Tage vor der Verhandlung, langten mittelst Dampfschiffes, etwa hundert Israeliten, darunter Frauen und Kinder, aus Ismail hier an. Dieselben gehörten zu denjenigen, welche durch die stattgehabten Cravalle ihres Gutes beraubt worden waren, und sie kamen hieher, in der Hoffnung, Laß die Justiz des Landes ihnen Genugthuung gewähren werde. Die hiesige jüdische Cuttus-.Gemeinde nahm die Unglücklichen gastfreundlich auf, internirte sie in Privat-Häusern, und gewahrte ihnen Speise und Trank. Tags daraus nahmen die Verhandlungen vor der Jury ihren Anfang und ivährten volle vier Tage, d. h. bis zum 13 Mai- — Rur wenige der Räuber waren dem Gerichte überliefert worden, und zwar nur solche, welche nicht genug Mittel besaßen, um eventuell, eine materielle Entschädigung leisten zu können. Doch wissen Sie ja bereits, daß die geplünderten, mißhandelten und auf den Bettelstab gebrachten Juden zu über 400 Fr cs. Gerichtskosten verurtheilt, während sämmtliche Räuber sreigesprochcn wurden. Die Israeliten hatten keinen Advocaten engagirt — was Härte auch ein solcher genützt? Wenn die sonnenklaren Thalsachen und die Nertheidigung seitens des Staatsanwaltes nichts gefruchtet haben, was hätte ein Vcrtheidiger, wenn er auch noch so warm gesprochen hätte, nützen können? Es war hier, wie in Buzeu, eine a priori zu bestimmende Sache — der Jude durste nicht Recht erhalten, und wenn der Himmel selbst dies verordnet hätte Die edlen Geschworenen, von denen nur die wenigsten lesen und schreiben konnten, sahen eben nur Juden, aber keine Menschen, uub nicht die tiefverlctzte Gesellschaft, als Kläger vor sich. Der Vcrtheidiger der Kravallmacher, ein gewisser Varnali sagte: M. H. G. Sie haben vor sich Juden und Christen. Die Christen sind Ihre Milbrüder, Ihre Religionsgenossen. Vergeht nicht, was die Juden den Christen nicht schon Leides zugesügt haben! Ver-! geht nicht, was sie in der Jsmailer Kirche, der heiligen j christlichen Stätte, für Schandthaten ansgeübt haben, j In diesem Sinne sprachenAnoch drei andere Vertheidiger. Der Advocat Margaritescu sagte, daß die Juden im Jahre 1821, in Constantinopel an der Beschimpfung des Patriarchen und der Priester theilgenommen haben. Die Juden saugen unser Land aus, sie nehmen bei den armen Bauern 2 Kilo Weizen für eine Oka Schnaps. Solchen Juden könnten Sie, meine Herren Geschworenen, Recht geben? — Denken Sie nicht, daß diese Angeklagten die Anstifter der Jsmailer Unruhen waren; nein; es waren solche Leute wie ich, so gekleidet wie ich: und ich selbst, wäre ich dort gewesen, hätte au der Sühne des Frevels lyeilgenontmen! Weit gespannter Aufmerksamkeit lauschten die Geschworenen diesen giftigen Worten der Herren Vertheidigcr, die ihre Redekunst und ihr Wissen aus diese unmenschliche Weise mißbrauchten; freudig leuchtete 'ihr Auge bei jedem Angriffe gegen die Juden auf — und als der Staats-Anwalt ein ernstes Wort zu sprechen versuchte, als er ans die Gefahren hinwies, welche daraus für das Land entstehen könnten, wenn Räuberei und Ruhestörer ungestraft blieben, — da verfiel ein großer Theil der Geschworenen, in einen seligen — Schlummer! Diese ernsten Worte waren eben kein exoitevaeut mehr für sie! Morgaritescu enlgegnete dem Staats-Anwalt, welcher gesagt hatte, daß die Juden mißhandelt und beraubt worden seien, und namhaften Schaden erlittenhätten: „Ach pah! Es ist eine Bagatelle, keinerlei werchvollc machen wurden gestohlen, und auch das bischen Diebstahl ist von Kindern vollzogen worden. Der Schaden ist nicht der Rede werth." Zum Schluß sagte er. sich au die Geschworenen wendend: „Wieine Herren Geschworenen! Berücksichtigen Sie nicht dasjenige, was Instructions-Richter ausgenommen und ein paar Leute angegeben haben. Hier, an diesem Orte, wo öffentlich verhandelt iuirb; hier, wo Sie als freie, unabhängige Richter zu urtheilen haben; nur hier muß entschieden werden, ob Gründe vorhanden sind, um unsere armen Christen, einiger ausgeraubteu Juden wegen, zu verurtheilen. Ein anderer Vertheidiger — dessen Rainen mir entfallen ist, sagte: „Sehen Sie nicht, daß wenn den Juden, durch ihre eigene Schuld, etwas geschieht, sich ganz Europa in Empörung gegen uns wendet, als hätten wir, Gott weiß was Böses ge'.han! So mag Europa die Jiwen, deren es sich aiuümmt. uns vom Halse schaffen! tlnd so fort in infinitum. Was Wunder, wenn die Herren freigesprochen wurden, und gestärkt und ermuthigt nach ihrer Heimalh zurückkehrten/ um, in nächster Zukunft, wieder —von Bornen anzufangen? (Rum. Post.) -