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Der Israelit · 1872-06-05 · Heft 23 (5.6.1872) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 23 (5.6.1872)
Date
1872-06-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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609 Oester r. -Ungarische Monarchie. Pesth. (Rumänisches Tabakgeschäft.) Die Pachtung des rumänischen Tabakmonopols, welche die Franco-ungar. Bank im Vereine mit der Banque de Roumanie erstanden, wird von ungarischen Blättern als ein großer und vortheilhafter Sieg dieses Instituts geschildert. Die Pacht erstreckt sich auf 45 Jahre. In den ersten 5 Jahren, wo Jnvestirungen bis zur Höhe von 3 Millionen zu machen sein dürften, zahlt das pachtende Institut 8,010,000 Francs, in den zweiten fünf Jahren 20pCt. und in den letzten 5 Jahren 40 Procent mehr. Um die Sache als sehr glänzend darzustellen, wird ein Consum von Vl2 Million Occa und ein glänzender Profit in Aussicht gestellt. Ein bedeutendes österreichisches oder deutsches Institut hat sich nicht betheiligt und, wie bereits erwähnt, haben die jüdischen Häuser Deutschlands sich in Folge eines Circulars, das die geachtetsten Firmen Berlins erlassen, geweigert, irgend eine finanzielle Transaction mit Rumänien einzugehen. In Paris und London dürfte ähnliches der Fall sein. Der Berliner Markt wird sich den neuen Tabaksactien, wenn derlei creirt werden sollen, kaum günstig erweisen. Ob der Wiener Markt ihnen überhaupt geöffnet werden wird, ist jedenfalls zu bezweifeln. Die Strousberg'sche Bahn-Angelegenheit hat einen solchen Fond von Rechtsverachtung Seitens der politischen Männer Rumäniens blosgelegt, daß Deutschland hoffentlich den rumänischen Tabak zu stark finden wird, um sich nach ihm gelüsten zu lassen. — Zu bedauern ist namentlich, daß die leitenden Persönlichkeiten der sogenannten Franco- Ungar. Bank Juden find, die um schnöden Gewinnes halber mit den Verfolgern ihrer Stammesgenossen gemeinsame Sache machen. Wie das Trad. Judenth. berichtet, sollen dieselben Personen bei dem berüchtigten Ungar.-Jüd. Congresse eine hervorragende Rolle gespielt haben. Frankreich. Paris. Am 12. d. M. fand die Generalversammlung der „All. Jsr. Unw." unter zahlreicher Beteiligung statt. Herr Crömieux präsidirtc. Herr Leven verlas deil^ sehr interessanten Bericht, der sich besonders über die Schulen im Orient und in der Levant verbreite. Herr Lehmann berichtete über die finanzielle Lage. Ta die Einnahme geringer wie sonst war, mutzten auch me Ausgaben beschränktwerden. Das Capital der Gesellschaft hat sich trotzdem vermehrt, aber nur in Folge einer Schenkung von Sir Francois Goldschmid in London mit 480 L. Präsident Cremieux referirte in einer mit awtzem Beifall aufgenommenen Rede über die Lage der Juden in Algerien, und forderte alle Söhne Israels zur Unterstützung der „Alliance" auf. In den Statuten wurde eine Veränderung vorgenommen, wonach das Centralcomite aus 40 (bisher 30) Mitgliedern bestehe und daß zu demselben eine größere Anzahl Glaubensgenossen außerhalb Frankreich gewählt werden sollen. Auch Oberrabbiner Isidor sprach in längerer Rede. Der Bericht theilt mit, daß Herrn Oberrabbiner Astruc in Brüssel von einem Anonymen die Summe von 100,000 Frcs. zur Erziehung von isr. poln. Waisenkindern angeboren wurde. Die Zahl der Mitglieder ist auf 13,770 gestiegen. Rumänien. Aus Fokschan in Rumänien, 18. Mai, wird uns folgender Vorfall berichtet: Einige Tage vor den jüdischen Ostern kam zu einem hiesigen Schneider mosaischen Glaubens ein rumänischer Beamter und verlangte vom Meister, er solle ihm binnen vier Tagen einen Sommeranzug anfertigen. Der Schneider, der von der Vorliebe des Auftraggebers zur Schuldenmacherei aus früherer Zeit noch ein Wörtchen zu erzählen wußte, mochte keine allzugroße Lust haben den Auftrag auszusühren und erwiderte, er könne den Anzug zur angegebenen Zeit nicht machen, da er zu sehr beschäftigt sei. „Jude, du mußt, sonst schlage ich dich wdt" herrschte unseren am ganzen Leibe zitternden Nadelritter der gestrenge Herr Rumäne zu, nicht ohne seine Drohung mit einer Maulschelle zu begleiten. „Ich werde", antwortete der geängstigte Jude kleinlaut. Am dritten Tage erschien der Czokoi neuerdings in der Schneiderwerkstätte, ohne jedoch den Meister anzutreffen. Auf seine Frage, ob denn der Anzug fertig sei, wußte die Meisterin nicht genau Bescheid. Demzufolge warf der Wütherich die arme Frau zu Boden, mißhandelte sie mit einem Knotenstocke und richtete sie derart zu, daß sie bewußtlos liegen blieb, woraus sich der edle Rumäne entfernte. Eine Stunde darauf kam der Mann nach Hause; die Anzeige bei Gericht unterließ er vernünftigerweise, wußte er doch, welche Gerechtigkeit von einer rumänischen Gerichtsbarkeit zu erwarten sei, in einem Falle,! wo es sich blos um die Malträtirung einer Jüdin . handelt. Um ferneren Szenen wie die vergangene, j aus dem Wege zu gehen, lieferte der Meister die > Kleidungsstücke zum festgesetzten Termine „Jude", j schrie ihn der Czokoi an, „komm morgen um's Geld." j Er ließ es sich nicht zweimal sagen und begab sich j Tags darauf, es war am Vorabende des Passahfestes,! in die Wohnung seines Kunden; wer jedoch bis zur Stunde noch nicht zurückgekehrt, das ist der arme j Schneider. Man bringt dieses Verschwinden in engsten

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