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Der Israelit · 1872-06-05 · Heft 23 (5.6.1872) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 23 (5.6.1872)
Date
1872-06-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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508 Der Procentsatz der Gesammtbevölkerung, der Protestanten und Katholiken weicht hier nur mit geringen Differenzen von dem oben stxirten ab, bleibt aber auch hier hinter dem wenngleich reductrten Procentsatz (lVaVo) der Israeliten erheblich zurück. Am stärksten besucht ist das Gymnasium zu Stuttgart (50), Ulm (29), Heilbronn (14) rc. Mit Freuden constatiren wir diese, mit der Gesammtstatiftik Deutschlands harmonirende Thatsache, indem wir uns nicht verhehlen, daß die bedeutend größere Frequenz isr. Schüler in Realschulen als in den humanistischen Lehranstalten wohl nicht ganz allein auf locale Verhältnisse zurückzuführen ist, sondern im Zusammenhang steht mit der ganzen Tendenz der Gegenwart. Eine ebenso tröstliche Erscheinung bietet ein anderer statistischer Bericht, den der Justizminister jüngst betr die Verwaltung und den Zustand der höheren Strafanstalten des Königreiches während des Zeitraums vom 1. Juli 1870 bis 30. Juni 1871 veröffentlicht hat. Hienach betrug der Gefangenenbestand im Laufe des genannten Jahres 3814. Darunter waren Protestanten 2612 Katholiken 1191 Israeliten 11. Am Ende des genannten Zeitraumes, also am 30. Juni 1871, betrug der Personalbestand der Gefangenen noch 1317; darunter 874 Protestanten, 440 Katholiken und 3 Israeliten. Biblis, 20. Jjar. Unser sehr verehrter Rabbiner Herr Dr. Auerbach, jetzt Rabbiner in Halberstadt, aber dennoch nach wie vor in unsren Herzen wohnend, hatte uns schon seit Jahren die Ehre eines Besuches zugedacht. Vorige Woche wurde uns denn endlich die seltene Freude zu Theil, die langersehnte Ankunft des geschätzten Mannes begrüßen zu können. Sein Aufenthalt an hiesigem Orte, welcher sich von vergangenem Donnerstag bis gestern erstreckte, veranlagte eine wahre Feststimmüng unter den Mitgliedern der hiesigen Gemeinde, welche mit unveränderter kindlicher Liebe und Ehrfurcht an ihm hangen. — Alte Liebe rostet nicht, und in der That scheint auch Herr Dr. Auerbach sich in unsrer Gemeinde ganz so heimisch und behaglich zu fühlen, wie man es nur im Kreise der nächsten Familienangehörigen fein kann. Dies zeigte nch auch in der Predigt, mit welcher diese berühmte Gelehrte uns am p"tp erfreute und erquickte; denn in jedem Worte derselben bekundeten sich die warmen Gefühle, wie sie etwa einen Vater beseelen, der sich nach langjähriger Abwesenheit im trauten Zusammensein mit seinen Kindern beglückt fühlt — Von einer geistreichen Erklärung der noiyn m»BD ausgehend, zeigte der begabte Redner, in welcher Weise die wenigen Tage des Lebens gewürdigt und angewendet werden müssen, und daß dres nur durch liebevolles Hingeben an das Studium unsrer heiligen Lehre in Verbindung mit der Bildung, wie sie unsre Zeit von uns verlangt, geschehen könne, und sprach sich dann schließlich anerkennend über die Opferwilligkeit und das wackere Bestreben der hiesigen Gemeinde aus, der Jugend eine Erziehung in diesem Sinne angedeihen zu lassen. Seine belehrenden und liebvollen Worte werden noch lange in unsrem Herzen nachklingen. Möge es uns vergönnt sein, unsren väterlichen Freund und Meister bald wieder in unsrer Mitte begrüßen zu können! Fürth, den 29. Mai. Bei der gestrigen in Nürnberg vorgenommenen Rabbinatsyiahl wurde von den Gemeinde-Repräsentanten Herr Dr. Levin, derzeit Rabbiner in Zürich, mit 11 gegen 7 Stimmen gewählt; letztere fielen auf Herrn Dr. Stein in Frankfurt. Die Wahl entspricht dem Wunsche des größten Theils der Gemeinde. Hoffen wir, daß Herr Dr. Levin die in seinem neuen Wirkungskreise sich findenden Schäden nur nicht weiter um sich greifen lasse! Alsdann wird sicher eine Wendung zum Bessern eintreten und das Wort unserer Weisen 72' 72,2 npti in gutem Sinne anzuwenden sein. Die neue Synagoge steht jetzt in ihrem äußern Bau fertig da Die innere und äußere Ausschmückung wird aber noch geraume Zeit in Anspruch nehmen, und wahrscheinlich in diesem Sommer nicht beendet werden, da das Gebäude eine bedeutende Größe hat und allem Anschein nach eine Hauptzierde der Stadt zu werden verspricht Erstaunlich ist, wie in so kurzer Zeit — seit 1648 — in einer Stadt, aus der die Juden zweimal vertrieben wurden und in welcher noch jetzt bei einem großen Theile der Bürgerschaft Vorurtheil herrscht, sich eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden Bayerns gebildet hat. Wenn es in gleicher Weise wie in den letzten Jahren noch kurze Zeit fortgeht, so wird Nürnberg wieder wie ehedem die größte Gemeinde in Bayern sein. Möge sie aber nicht nur quantitativ, sondern auch in der Qualität wie damals sich Hervorthun! Dies kann aber nicht durch äußerlichen Prunk erlangt werden, sondern nur durch Gottesfurcht, Thorakenntniß und Thorastudium Hierdurch werden auch die Vorurtheile schwinden, die bei den Mitbürgern noch vorhanden sind. .t,dk

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