Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1872)
- Date
- 1872-06-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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507 Bahnhof der Schauplatz einer eigenthümlichen Execution. Herr Premierleutenant E von der hiesigen Garnison ließ einen hiesigen israelitischen Bürger am Bahnhofe von mehreren Soldaten, die zu diesem Behufc Stöcke erhalten hatten, durchhauen, und blieb selbst als Commandeur der Exemtionstruppe dabei." Nach dem „91. A" hatte ein im Eisenbahnwagen vorhergegangener Streit des Bürgers mit dem Offizier Veranlassung zu dem ungualisizirbaren Gebühren des letzteren gegeben. TLschaflenburg. Der Premierlieutenant, der in Aschasienburg dm dortigen israelitischen Handelsmann Loeb durch 4 Soldaten nach Kommando durchprügeln ließ, heißt Emmerich; Veranlassung dazu gab ein im Eisenbahnwagen stattgehabter Wortwechsel; die Stöcke zum Prügeln hatte sich der Hr Offizier in eigener Person von dem Holzstöße^ eines in der Nähe des Bahnhofs wohnenden Liqueurfabrikanten verschafft. Schopfloch, im Mai. Trauer und lebhafter Schmerz erfüllte heute alle Gemüther, als sich die Nachricht verbreitete, Herr Rabbiner Nathan Ehrlich sei, nach einem 7tägigen Krankenlager, verschieden. Wenn wir das Leben dieses Mannes betrachten, wie er für seine Gemeinde und für das Allgemeine wirkte, so werden wir diesen Schmerz und diese Trauer begründet finden. Zn dürftigen Verhältnissen aufgezogen, fina er schon in seiner Jugend mit Vorliebe an, sich! mit den talmudischen Wissenschaften zu beschäftigen. Er wanderte deßhalb nach Würzburg, um die ~2 des berühmten Rabbiner Bing ‘p'V'st und die dortige Universität zu besuchen. Im Jahre >812 übernahm er die hiesige Rabbinerstelle, und nachdem er hier 3u Jahre lang wirkte, wurde er in seinem 65. Lebensjahre seinem Wirkungskreise durch den Tod entrissen. Er war es, der vor Kurzem eine Petition an die bayerische Kammer der Abgeordneten gerichtet, worin um eine Besserstellung der Rabbinner durch Staatsbeitrüge gebeten ward. Wirklich erreichte er, wie in diesen Blättern bereits mitgctheilt wurde, seinen Zweck; aber leider konnte er den schönen Erfolg nicht mehr genießen.! Ununterbrochen setzte er seine Studien sowohl! in der jüdischen Theologie, als auch in profanen! Wissenschaften fort. Diejenigen, welche mit ihm Umgang pflegten, werden seine bedeutende Gelehrj samkeit kennen. j Er besaß nicht nur die Achtung und das Vertrauen seiner Stammesgenossen, auch bei Anders-! gläubigen war er hochgeehrt und geachtet. Wohlthätigkeit auszuüben und jedem Hilfesuchenden mit Rath und That beizustehen, war er stets bereit. Die Achtung, welche er bei Allen besaß, beweist am Besten sein Leichenbegängniß. Alles, von nahe und fern, eilte herbei, um dieser Trauerfeier beizuwohnen. Herr Rabbiner Grünebaum von Anspach wurde herbeigerufen, um einen über den Dahingeschiedenen zu halten und kein Auge blieb thränenleer, als dieser den Verlust des so frühzeitig Verstorbenen beklagte und die Verdienste desselben in beredten Worten schilderte. Möge der gute Ruf, den der Entschlafene hinterlassen, seinen trauernden Hinterbliebenen zum Tröste gereichen. rr'2'W'n. Schweitzer, Lehrer. Aus Württemberg, 12. Mai. (Statistisches). Ueber den Stand des württ. Gelehrten- und Realschulwesens gibt das jüngste Heft des „Korrespondenzblattes für die Gelehrten- und Realschulen Württembergs" detaillirte Aufschlüsse, die wir, soweit sie für jüdische Leser von Interesse sind, Ihnen mitzutheilen uns verpflichtet fühlen. Die Gesammtzahl der Realschüler betrug am 1. Januar 1872: 6186. Nach dem Religionsbekenntniß setzt sich diese Gesammtzahl folgendermaßen zusammen: Protestanten 4924 Katholiken 976 Israeliten 272 Eig. Konfession 14 Die Gesammtzahl der württ. Bevölkerung stellt hienach 73% Realschüler, die Protestanten '2/5% die Katholiken V6°/o die Israeliten 2V4%. Von den 272 isr. Schülern entfallen auf den Neckarkreis 162 Schwarzwaldkreis 61 Jaxkreis 43 Donaukreis 36. Von 85 Realschulen des Landes sind 29 von mindestens einem Israeliten besucht; in der Stuttgarter Realschule sitzen allein 79, in Heilbronn 47, in Canstatt 15, in Ulm 13 re. Die Gesammtzahl der Schüler an Gelehrtenschulen (Gymnasial- Lneeal- und Lateinschulen) betrug am 1. Januar 1872: 6099. Hiervon entfallen auf die Protestanten 4596 Katholiken 1327 - Israeliten 167 Eig. Konfession 6