Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1872)
- Date
- 1872-05-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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490 und diese feierliche Aufstellung fand am 21. d. M. statt. Die Ueb erleb enden, welche das reiche Erbe des Heimgegangenen antreten, find Deren eingedenk, die für sie gewirkt haben, und zahlen der Erinnerung einen späten Zoll der Liebe und Dankbarkeit. Ein tiefes Gefühl der Wehmutb mischt sich in jene Siegesklänge, die das Ohr oes Gefeierten nie mehr vernimmt. Seit dem Tode Geigers haben seine Schriften, die, von den umfassendsten und genauesten Forschungen ausgehend, die Welt in neuer Weise erschauen lassen, eine in Anbetracht ihrer Tiefe und Schwierigkeit äußerst rasche Wirkung geübt Steht doch die Wahrheit, wenn sie zuerst erscheint, fast stets allein und verlassen da. Aber schwer wiegende Stimmen haben sich für den Dahingeschiedenen erhoben, und wenn Steinthal Geiger noch während seines Lebens den elehrtesten Sprachforscher unserer Zeit genannt at und ihm ein Dialektik von einer Gewalt und Selbständigkeit zuspricht, wie wir solche seit W. v. Humboldt nirgends angetroffen haben, so sprach ein nicht geringerer Gelehrter nach seinem Tode folgende wörtlich angeführte Ansicht aus: „Geiger ehört zu dem Großartigsten und Schönsten, was ie schaffende Natur geleistet hat. Möge doch bald der zweite Band von seinem Werke ans Licht treten. Ich billige zwar nicht alles Einzelne in seinen Forschungen, aber vor und von dem Ganzen kann man nur staunen und lernen — namentlich Bescheidenheit." Aber was sind aber jene Kränze, selbst von der Hand großer Autoritäten, eines Steinthal, Benfey oder Baemeister, gewunden, gegen jene Lorbeeren, die sich dieser nie rastende Geist noch selbst gewonnen hätte! Und doch war es eine erhebende Feier, welche die Freunde und Verehrer Lazarus Geigers am 21. d. in der ehrwürdigen Halle der Stadtbibliothek vereinigte. Geiger liebte seine Vaterstadt so tief und leidenschaftlich, wie es uns von den Weisen, den Dichtern und Helden des Alterthums erzählt wird, und könnte man ihn fragen — kein Kranz würde ihm willkommener sein, als der, welchen die Liebe und Verehrung seiner Mitbürger auf sein Grab legte*). Ernste, feierliche Klänge des Harmoniums begrüßten die zahlreich Erschienenen, welche der Enthüllung der Büste des ausgezeichneten Mannes entgegensahen. Dieselbe steht unter grauen Denkmälern *) Wir glauben nur eine Pflicht zu erfüllen, Wenn wir öctabe an dieser Stelle auf die soeben erschiene Broschüre Emil Reubürgers Hinweisen, welche es auch den Laien ermöglicht, in die tie en Ideen des Verstorbenen einzudringen. Die kleine Schrift ist klar und leicht faßlich. des ihm so vertrauten ägyptischen Alterthums, der Statue des größten Sohnes dieser Stadt, Gothel gegenüber. Der tiefe, seelenvolle Blick, die durchgeistigten, von strengen, unablässigen Studien, frühdurchfurchten Züge des Denkers und Gelehrten find von der Hand unseres Schierholz indem herrlichsten carrarischen Marmor festgehalten. Wir haben diesen Stein nur äußerst selten in solch tadelloser Reinheit, solcher Durchsichtigkeit und so leuchtender weißer Farbe gesunden. Es ist dem Künstler gelungen, den leidenden Zug, der Geiger charakteristisch war, zu erfassen. Die Büste ruht auf einem gelben, äußerst schönen Marmorsockel, der in wundervoller Weise gegliedert ist. Ein Fries von Lorbeerzweigen in vergoldeter Bronce, an den vier Ecken, mit flatternden Blättern zusammengeknüpft, zieht sich um den oberen Theil desselben. Darunter zeigt auf der Vorderseite eine geschmackvoll gearbeitete vergoldete Broncetafel die Inschrift: „Ursprung und Entwicklung der menschlichen Vernunft", bekanntlich das Hauptwerk des Verstorbenen. lieber dieser Inschrift schwebt architektonisch sinnreich verwerthet, mit ausgebreiteten Flügeln, das Symbol der Weisheit: eine Eule Der von Lorbeeren umrahmte Stern des Frieses deutet den Morgenstern an, der so oft über dem^einsamen Gelehrten aufstieg, wenn er, in tiefe Studien versenkt, den Entdeckungen, die er für uns erstrebt, Ruhe und Schlaf aufopferte. Auf der Rückseite sind in den Stein die Worte eingehauen: Lazar Geiger geb. zu Frankfurt a. M. den 21. Mai 1828 gest. den 29. August 1870. Der Sockel hebt sich von dunkelgrünen Marmorplatten ab, die, von schwarzem Marmor eingefaßt, den täuschenden Eindruck Hervorbringen, als ob Stufen zu demselben emporführten und ist die hierdurch erzielte Mannigfaltigkeit der Farben eine äußerst wohlthuende. Wie leuchtend hebt sich der weiße Marmor vom gelben ab, wie prächtig paßt zu diesem das Gold, welch schöner Contrast zwischen dem gelben und weißen Marmor! Wir lassen die Rede des Herrn Dr. Mohr folgen, die der Büste des Gefeierten gegenüber die größte. Wirkung erzielte: „Hochverehrte Versammlung! Unser großer Dichter, dessen Bild eben auf uns hinschaüt, spricht in einem seiner Werke von einem Saale der Vergangenheit, wohin trauernde Gespielen ihren entschlafenen Liebling brachten, daß er fortan weile in der stillen Gesellschaft,' auch hier ist ein Saal der Vergangenheit, auch wir bringen einen neuen Genossin, den jüngsten