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Der Israelit · 1872-05-29 · Heft 22 (29.5.1872) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 22 (29.5.1872)
Date
1872-05-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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488 herbei, die schon am Dienstag mit dem gerade abgehcnden Post - Dampf - Boote nach Buenos Ayres in See gingen. Unterdeß verbreitete sich das Gerücht von der dem armen Simon Levi zugefallenen Erbschaft über ganz Copenhagen, und, wie das so zu gehen pflegt, die Hunderttausende wuchsen von Mund zu Mund in's Ungeheure. Als kluger Mann beschloß Simon, sich dem Strom nicht geradezu entgegcnzustcllen. „Ja," sagte er, „ich erbe eine Million. Wollen Sie sie mir für neunmalhunderttausend Thaler abkaufen?" Kam Einer und fragte, ob es nicht zweimalhunderttausend Thaler seien / da fragte er ganz entrüstet: „Gönnen Sie mir nicht mehr als Zweimalhunderttausend?" So erfuhr Niemand das eigentlich Wahre von der Sache, zumal da auch die Gelder in kleineren Summen, wie sie eben flüssig gemacht werden konnten, einliefen. Als Mordche-Martin von der großen Erbschaft des Bruders vernahm, leuchtete ihm ein Hoffnungsstrahl in feine sich immer trüber gestaltenden Verhältnisse. Zwar lebte er seit lange mit dem Bruder auf gespanntem Fuße, aber es war doch sein Bruder, der ihn nicht finken lassen durfte, schon um der Leute willen nicht durfte. „Ei, ei," sagte Simon, als sein „vornehmer" Bruder zu ihm kam, „laßt Du Dich auch einmal bei mir blicken. Willst Dich gewiß umsehen, ob Gitel nicht ein neues Kleid braucht?" Martin wurde roth. „Ich habe diesen Vorwurf verdient, Simon," sagte er, „es ist wahr, ich hätte michmehr um unsere Schwester bekümmern sollen; aber ich dachte, sie sei bei Dir gut aufgehoben und Du ließest es ihr an Nichts fehlen. Nun aber, laß hören, Simon, ist es wahr, was die Leute sagen, hast Du eine Erbschaft bekommen?" „„Ob es wahr ist? Du hast doch den Andreas Phillpots gekannt, hast mich oft über meine Gutmüthigkeit gehänselt, daß ich an ihn mein Geld gehängt habe vor jetzt zweiunddreißig Jahren. Er ist gestorben in Buenos Ayres und hat mich zum Universal-Erben einaesetzt." " „Wie hoch beläuft sich die Erbschaft?" „„Wer kann's wissen!"" „Nun, so ungefähr?" „„Ungefähr so hoch, daß Gitel und ich ein sorgenfreies Leben haben bis an unser Ende."" „Man spricht von ganz ungeheuren Summen." „„Spricht man?"" „Ja, von Hunderttausendcn." „„So weiß ich, was ich thue."" „Und das wäre?" „„Ich lasse die Leute sprechen."" „Höre, Simon, ich befinde mich in einer großen Verlegenheit." „„Ah, pfeift der Wind daher?"" „Schmidt und Compagnie in Hamburg haben fallirt und haben mich mit hineingezogen. Mit zwanzigtausend Thalern wäre mir geholfen." „„Zwanzigtausend Thaler! Ein Pappeuftil! Wie vornehm doch der Mordche ist; ich bitte um Entschuldigung, Du heißt ja jetzt Martin."" „Simon, wenn Du mir helfen kannst, so hilf mir! Vielleicht hat Gott Dir deßhalb das Geld geschenkt, damit Du Deinem einzigen Bruder aus feiner Verlegenheit helfen und ihn vor Schande schützen kannst!" „ „Also jetzt, da Du mich brauchst, da bin ich Dein einziger Bruder! Früher da hast Du mich über die Achsel angesehen, und in Deinem Hause war ich stets zu viel. Du hast nach zwar immer eingeladen, mich und die Gitel, aber wenn wir kamen zu Deinen Simchcs b), so waren wir Dir zu viel, Dir und Deiner Frau."" „Du weißt, mein Schlaumoh . . „„Dein Friedrich, willst Du wohl sagen!"" „Mir auch recht; mein Friedrich ist ein Choßen H. Der Junge wäre unglücklich, wenn die Partie wieder „abginge", und sie wird abgehen, wenn ich falliren muß.-' „„Nun, so laß sic abgehen, was kümmerts mich?" " „Simon, was werden die Leute sagen, wenn Du Deinen einzigen Bruder fallen lassest?"^ „„Was haben die Leute gesagt, da Du Dich in guten Tagen nie um Deinen einzigen Bruder und Deine einzige Schwester gekümmert hast? Es hat mir G. s. D. nie gefehlt, aber manchmal habe ich Donnerstags noch nicht gewußt, wovon Schabbeß machen — hast Du mir nur einmal Deine Hilfe angetragen?"" „Wenn Du mich angesprochen hättest . . /' „ „Nun, Gott sei Dank, das hast Du nicht erlebt." " Gilll, die bei diesem Gespräche anwesend war, weinte still vor sich hin. „Simon!" sagte sie jetzt. „„Schweig, Gitel,"" rief dieser barsch. „„Du aber, Mordche, sollst sehen, daß ich nicht hartherzig bin; ich will Dir tausend Thaler geben."" „Ich nehme sie an," sagte Martin schnell, „sie werden wenigstens über die nächsten Verlegenheiten hinweghelfen! (Fortsetzung folgt.) 3) Festlichkeiten, Familienfeste. 4) Bräutigam. Hierzu drei Beilügen. Verantwortliche Redaction: Or. Lehmann. — Verlag der Le Roux'fchrn Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Äuchdruckerei in Mainz.

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