Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1872)
- Date
- 1872-05-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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einer den Anstand und das sittliche Gefühl nicht verletztenden Weise geboten werden. Ganz besonders ist diese Fürsorge dem Tauchbade zu erhalten, da hier noch die Rücksicht für die Frauen hinzutritt. Und gerade in dieser Beziehung habe ich hier Fälle zu registriren, die wirklich schreiend eine Abhilfe fordern, ehe cs zu spät und che diese Säule des jüdischen Ehelebens von der Macht des Zeitgeistes zerknickt wird. Jahrelang mutzten wir hier eine mpo entbehren, obwohl das Gebäude dazu fertig war. Diese Zeit hat nun bereits Abtrünnige erzeugt, die sich daran gewöhnten, das 71'pv zu entbehren. Endlich nach langem Ringen ist die Einrichtung zu Stande gekommen. Es kamen dabei zwar Ueberbürdungen Einzelner bei der Besteuerung vor; indetz das gehört nicht hierher. Allein himmelschreiend ist es, wenn in heutiger Zeit eine Einrichtung getroffen wird, wonach der Name einer jeden das mpio benutzenden Frau dem Vorstand Behufs Festsetzung des zu zahlenden Betrages nach Höhe des Einkommens genannt werden mutz, welcher wiederum den Bademeister damit bekannt macht, und so die delicatesten Angelegenheiten des Hauses der Oeffentlichkeit preisgegeben werden. Himmelschreiend ist es ferner, wenn bei einer Erkrankung des Bademeisters man einen Stillstand von 14 Tagen eintreten läßt, und die täglich sich Meldenden von Tag zu Tag vertröstet ohne eine andere Kraft zu berufen, und so Sünde auf sich zu laden und Andere gleichfalls b'2'vO zu sein. — Wahrlich die Schamröthe tritt Einem ins Gesicht, wenn man solche Dinge der Presse übergeben muß, allein dies ist noch der einzige Weg. der Abhilfe verspricht, wenn die eigene Vernunft und Belehrung durch Andere es nicht vermögen. Mögen die Leiter unserer religiösen Angelegenheiten diese Worte beherzigen und Anordnungen treffen, wodurch das zarte Scham- und Ehrgefühl n cht verletzt wird, damit die mosaischen Ehegesetze in ihrer Reinheit uns erhalten bleiben. Unus pro multis. Ocsterr. - ung a r. M o n a r ch i c. Wien. Dem uns zugesendten ersten Bericht des israel. Blindeninstitus auf der hohen Warte bei Wien (gegründet 1870) entnehmen wir Folgendes: Seit der am 19. März v. I. stattgefundenen constituirenden Versammlung sind Beiträge von hohen und privaten Persönlichkeiten und einigen Gemeinden in reichem Matze zugeflossen, so datz der Verein nunmehr 418 Mitglieder zählt, und die Jahresbeiträge die Summe von fl. 4503, die Gründungsbciträge incl. der zugesicherten, in Raten Zahlbaren Beiträge, die Summe von fl. 63639.80, die Bethausspenden die von fl. 1281 erreicht haben. Außerdem wurden fl. 26000 Nominale in Werthpapieren gespendet, und besteht das Vereinsvermögen derzeit ans | | Nom. fl. 96000 Papier-Rente, fl. 34000 Silber-Rente, j fl. 200 Donauregnlirungs-Loosen und fl. 100 Tempel- Obligationen.! Der Bau des Anstaltsgebäudes ist nach einem vom Curatorium vorgelegten Programme und einem fachmännisch geprüften Plane des Architekten, Hrn. Wilhelm Stiasny, ohne alle Hindernisse in solidester Weise bis nun so weit gediehen, daß jetzt zur inneren Einrichtung geschritten und die Eröffnung der Anstalt für den Beginn des Schuljahres 187~/3 angesetzt werden kann. Med. u. Chirurg Ür. I. Hock, Docent der Augenheilkunde an der k. k. Universität hat in edler Uneigennützigkeit dem Institute seine Dienste zugcsichert und bereits solche bei den sich zur Aufnahme meldenden Blinden geleistet, wie er denn auch als Jnstitutsarzt nmgiren wird. Um die Aufnahme in die Anstalt bewarben sich Blinde aus dem In- und Auslande, welche bis zur Eröffnung der Anstalt vertröstet wurden; drei blinde, nach Wien zuständige, ausbildungsfähige Kinder jedoch, welche bisher ohne jeden Unterricht geblieben sind, und einer völligen Verwahrlosung anheimgefallen, nahm das Curatorium schon im Oktober v. I. unter seine Obsorge, verschaffte ihnen in einem Privathause eine sorgsame Pflege, ermöglichte ihnen den Unterricht in Gemeinschaft mit den Zöglingen des k. k. Blindeninstitutes, und läßt ihnen überdies durch einen eigenen Lehrer Unterricht in der Religion ertheilen. Feuilleton. M a a ß e r. (Nach dem Dänischen des M. Goldschmidt.) III. An demselben Freitag-Abende, als das Glück io unerwartet an die Thüre Simon Levi's pochte, saß sein Bruder Mord che oder Martin, wie er sich nannte, in trüber Stimmung mit den Seinen an dem Sabbat- Tisch. Als das Tischgebet gesprochen, die jüngeren Kinder zu Bette gegangen, und nur noch seine Frau und sein ältester Sohn Friedrich — er hieß eigentlich Schelomoh — bei ihm waren, brach er endlich das düstere Schweigen, das er den ganzen Abend beobachte: hatte. „Ich habe heute, kurz vor Schabbeß," sagte er in trübem Tone, „eine sehr böse Nachricht bekommen. Meine Hamburger Geschäftsfreunde, Schmidt und Cmwpagnie, mit denen ich sehr eng liirt bin, haben fall nt.