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Der Israelit · 1872-05-29 · Heft 22 (29.5.1872) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 22 (29.5.1872)
Date
1872-05-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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483 eine größere Beeinträchtigung des D"ff O'poiOi - Studiums dabci nicht zu fürchten ist," und waren zu dem Ergebnis gelangt, daß mit etwa täglich zweistündigen wissenschaftlichen Vorlesungen das gesteckte Ziel erreicht werden könne, wobei die ganze übrige Zeit selbstverständlich dem „ Hauptftudium" von d"# reservirt bleibt. Wie wir nachträglich sahen, war die etwa sechsfach variirte Herborkehrung dieses Gedankens zu klein angesetzt, und cs hat sich daher die Veritas in Gestalt eines Correspond'enten des ..Israelit" die dankenswerthe Aufgabe gestellt, daran zu erinnern, daß unsere Rabbiner auch paßkenen müssen, daß sie nicht allein und , sondern sogar -uyn p« Vw lernen, daß sie nicht blos lesen, sondern auch verstehen müssen, daß für etwaige Ehescheidungen keine „Münzen" (daher wohl der Name Scheidemünzen i), sondern lediglich j'D'a Jn maßgebend sind, daß wir keine „frommen Am-Haarazim durch unsere Protection" einsetzen dürfen u. s. w. u. s. w. Bei Lesung dieser unbezwcifelten Wahrheiten freute uns sehr, daß' der Herr Corresp. ganz unsere Meinung therlt, wenn wir auch die Anforderungen, die er an die talmudische Befähigung des Rabbiners stellt, nicht als ausreichend anscheu können. Nach unserem Dafürhatten würden sic genügen, wenn der Rabbiner ein bloßer Paßkcnapparat seiner Gemeinde wäre; er ist aber mehr als das. er hat die Gewissenspflicht, das ganze weite Feld unserer nach dem Grundsatz, daß n"n bei uns Selbstzweck ist, nicht mit jener sichtenden Rücksichtnahme aus praktische Verwendbarkeit in der Weise eines Brodstudiums zu durchforschen. Wer daher, wie ohne Zweitel auch der Herr Corresp. das Thora-Studium nav1? betrieben sehen will, der dürfte nicht stillschweigend über mn ’sw, wie nwoo ’jn, hinweggehen, yiypo pnw ine -r.v min: , was, praktisch durchgeführt, zu einer sehr bedauernswcrthen „Verkrüppelung" des Thorastudiums führen muß. Diese nothwendige Ergänzung hinzugenommen, sind wir hinsichtlich der ernsten Nothmendigkeit eines gewissenhaften Studiums der berührten Materie mit ihm völlig einverstanden und wir sind daher wohl der Versicherung überhoben, daß uns die „sogenannten ri-2'V'" ebenso hoch stehen wie ihm, und daß wir weder eine „schmähliche" noch „feindselige" Forderung stellten, wenn wir im Interesse der Förderung dieses heiligen Studiums auch von diesen Pflanzstätten der Thora mehr „System und planmäßige Ordnung" verlangten. Daß ein aus einem Seminar zu entlassender Rabbiner die volle Befähigung zur n*nin haben muß, ist so selbstverständlich, daß der Herr Corresp. die genaue Specialisirung der einzelnen Paßkenmaterien sich hätte ersparen und getrost dein orthodoxen Director des orthodoxen Seminars hätte überlassen können. Stehen wir somit mit ihm auf einer Basis hinsichtlich unserer Grundforderungen, so müssen wir gestehen, daß uns für die Logik seiner weiteren Deductionen jedes Verständniß fehlt. Er kann den Widerspruch nicht fassen, der darin liege, daß eine Orthodoxie, die sich „als wirkend bewährt", sich „Kurzsichtigkeit und Gleichgiltigkeit" gegen berechtigte Zcitforderungen könne zu Schulden kommen lassen. Verzeihen Sie, mein Verehrtester. Da haben Sie vermuthlich noch nie mit Männern verkehrt, die in der edeln Absicht, v”vb zu handeln, in jedein ungewöhnlichen Unternehmen, gleichviel ob zum Schaden oder Heil unseres Glaubens begründet, gleichviel ob cs die Zerstörung unserer Religion oder die Hochhaltung und kräftige Vertretung des traditionellen Princips erstrebt, sobald es sich nur einigermaßen in moderne Formen kleidet, wenn es auch sonst mit allen Forderungen unserer Religion im vollen Einklang steht, schwarzen Verrath und Arglist gegen unseren Glauben wittern. Würden Sie aber doch jemals Jemanden kennen lernen, der gegen Willen und Absicht unserer y? cporn — die da meinten .tvd ne* px -pi Dy — aber in dem ehrlichen Gedanken zu handeln, sich gegen jede auch innerhalb der erlaubten Schranken sich bewegende, vollkommen berechtigte, die heiligen Interessen unserer Religion unbedingt stützende Lebensforderung stemmte, dann könnte er doch trotz aller unbestrittenen edeln Absicht — kurzsichtig sein? Ein solcher Jemand sind z. B. — in der vorliegenden Frage wenigstens — Sie selbst. Sie gestehen in dem ersten der drei Glaubensartikel Ihres Aufsatzes zu, „daß ein Rabbiner „„allerdings"" wissenschaftliche Bildung besitzen müsse und daß diese weit besser in einer Anstalt als in autodidaktischer Weise betrieben werde". Nun weiß ich zwar nicht, was Sie unter Wissen verstehen: hoffentlich doch nicht Anfaugsgründe der Statistik oder Studien in Adelungs deutschem Wörterbuch; jedenfalls nicht Studien der jüdischen Wissenschaft, die ja, wie Sie meinen, um keinen Preis „zum speciellen Beruf (!) eines Rabbiners gemacht werden dürften". Allem Anschein nach haben Cie vielmehr „allgemeinere" Disciplinen, wie Weltgeschichte, vielleicht auch Geschichte der Philosophie im Äuge. Unsere specielle Änsicht ist zwar, daß die jungen Leute, um die es sich hier handelt, sich das Wichtigste dieser Kenntnisse in einer regelrechten S ch u l b i l d u n g vor dem Universitätsbesuch ancigncn müßten, weil, abgesehen von allem Andern, die Erfahrung cs lehrt, daß so sehr häufig ein mit unzureichenden autodidaktischen wissenschaftlichen Vorkenntnissen Versehener, wenn ein unglücklicher Zufall ihn einmal in Kreise von negirender religiöser Richtung führt, die ihm durch Bildung imponiren, von dem Glanze wissenschaftlicher Ueberlegenhcit geblendet, ohne wissenschaftlichen Halt unb selbstständiges Urtheil, eine Beute der allerseits auf ihn einstürmenden Ideen wird; weil cs eine sehr bezeichnende Thatsache ist, daß das Breslauer Seminar und noch mehr die Berliner Facultät ihr Contingent ans Polen, Galizien, Mähren v. s. w., also aus solchen Gegenden beziehen, wo bei den jungen Leu-

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