Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1872)
- Date
- 1872-05-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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466 ein Schreiben von den iü"m »rra»o, worin Sie aber nicht angaben, was Sie zu diesem Schritte bewog. Diese ist die wahre Sachlage.. Wenn wir nun noch erwägen, daß die Einwohner von Lemmer öffentlich erklärten, niemals gewußt zu haben, daß es ein deutscher Organ gab, der. „Israelit" genannt, und daß wir niemalsgefragt worden finb ein naon für Nicht - Amsterdamer Käse zu crtheilen, also selbstverständlich auch niemals ein solches ertheilten, glauben wir cs für rathsam halten zu müssen, solchen Annoncen keinen Platz einzuräumen, bevor man sich genau über das Sachverhältniß erkundigt hat. ')D) jnn fip3 1J3 1JTJN 'h'VD' übt? Hochachtungsvoll I. D. Wynkoop, I. M. Content, Rabbinats-Asscssoren der Nieder!, isr. Gemeinde zu Amsterdam. NB. Ein gleiches Schreiben ist den verschiedenen Redactionen der „jüdischen Presse" und der „isr. Wochenschrift" zugesandt. . (Wir haben das vorstehende Schreiben unverändert zum Abdrucke gebracht, um die ehrwürdigen Herren Rabbinats- Assessoren von Amsterdam sich vertheidigen zu lassen; indem wir auf die Sache selbst, die uns sehr fern liegt und über die wir natürlich kein Urtheil haben können, nicht näher eingehen, müssen wir doch die uns am Schluffe des rabbinats - assessorlichen Schreibens ertheilte Rüge auf das Entschiedenste zurückweisen. Wir könnten sagen, daß wir für Annoncen keinerlei Verantwortlichkeit tragen und daß wir darauf sehr oft hingewiesen haben; allein in diesem Falle können wir die Versicherung ertheilen, daß uns die betreffenden Mittheilungen von durchaus glaubwürdiger Seite zugekommen sind. Daß dabei das Amsterdamer Rabbinatscollegium in einem Lichte erscheinen mußte, welches seine Friedensliebe größer als seinen Eifer für V'r wosn njpn erscheinen läßt, das hat uns durchaus nicht Wunder genommen; andere, noch nicht an die Oeffentlichkeit gelangte Thatsachen hatten uns darauf vorbereitet. Und nun noch eine Frage: Warum haben die Herren obigen Brief der hierbei völlig unbetheiligten „Isr. Wochenschrift" zugesandt? Daß die Antwott auf diese Frage in dem talmudischen Sprichwort vom *vn? und vom miy gesucht werden wird, haben die Herren wohl nicht bedacht. — Die Redaction). Frankreich. Herr Bloch, Director des „Univers. Isr." in Paris hatte das Unglück, seine jüngste Tochter Helene durch den Tod zu verlieren. Wir nehmen lebhaften Antheil an dem Schmerze des wackern und tapfer für das conservative Judcnthum einstehenden Chef - Redacteurs des „Univ. Isr." Möge Gott ihm unter den Trauernden um Zion und Jerusalem Trost spenden! Türkei. Smyrna, 4. Mai. Das alte Märchen vom Christenblut anl iüd. Passahfest hat in den letzten Tagen wiederum unserem griech. Janhagel, dem ungewaschenen wie dem feinbehandschuhten, zum Vorwände gedient, eine Judenhetze im bekannten rumän. Styl in Scene zu setzen. Vor etwa 14 Tagen war ein dreijähriger griech. Knabe, welcher vor dem Hause seiner Eltern spielte, abhanden gekommen. Der Knabe, sich allein überlassen, fiel in einen Kanal, ertrank, und dessen Eltern hielten ihn nach fruchtlosem Suchen für verschwunden. Da nun der Zufall wollte, daß das griech. Osterfest mit dem jüd. Passahfeste heuer zum Theil zusam- .menftel, so fand der Fanatismus einen Vorwand, das Gerücht in Ümfauf zu setzen: jener verloren gegangene Knabe sei von den Juden geraubt worden. Es kam zu Thätlichkeiten ernster Art. Obschon der besagte Knabe bereits vor acht Tagen ertrunken gefunden wurde, obschon eine Medicuralcommission festgestellt hatte, daß man am Leichnam nichts bemerke, was auf eine gewaltsame, durch Schneidinstrumente verursachte Tödtung schließen ließe, so wollten sich die Griechen dennoch nicht dabei beruhigen. Die gräßliche, grauenhafte, den düstersten Geschichtsepochen entstammende Beschuldigung, einmal von den rohen fanatisirten Massen erfaßt und von ruchlosen Personen genährt und gefördert, fachte die wilden Leidenschaften des Judenhasses zur Hellen Flamme an. Als versuchte Angriffe von den Juden selbst zurückgefchlagen wurden, erreichte die Tollwuth des Pöbels den höchsten Grad. Am ersten Maitag schien die öffentliche Sicherheit im Allgemeinen auf's Aeußerste gefährdet. Wie von einer dämonischen Gewalt getrieben, zog eine mit Pistolen, Messern und Dolchen bewaffnete starke Volksmasje, aus den schlimmsten Elementen unserer Bevölkerung bestehend, nach dem von den Juden bewohnten Stadttheil, ersuchte jedoch zuvor den griech. Erzbischof, ihr ein großes Kreuz aus der Metropolitankirche verabfolgen zu lassen, damit unter Vorantragen desselben das frevelhafte Beginnen die religiöse Weihe erhalte. Der Erzbischof verweigerte selbstverständlich die Verabfolgung, auch wurden mittlerweile die Zugänge zuni Ghetto von türkischen Linien- und Marinetruppen besetzt. Da unsere Garnison äußerst schwach war, telegraphirtc der Generalgouberneur nach Aidin, Magnesia u. s. w. um Verstärkung, die auch sofort eintraf, so daß jetzt die türkischen Behörden in der Lage sind, jeden Versuch einer Ruhestörung im Keime zu unterdrücken. Smyrna. Ueber die Judenverfolgung in Smyrna wird der „Tr. Z." aus der genannten Stadt, dt. 4. Mai, geschrieben: