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Der Israelit · 1872-05-22 · Heft 21 (22.5.1872) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 21 (22.5.1872)
Date
1872-05-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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politischen Zeitungen berichten, den confessionstosen Standpunkt der Facultät ausdrücklich betont. So besucht denn auch schon, wie uns berichtet wird, neben den wissensdurstigen Jüngern aus der Moldau und Wallachei, Moravien und Polonien, welche Länder aller Voraussicht und der jetzigen Erfahrung nach den größten Rekrutirungsbezirk der „Fakultät" bilden werden, ein .Katholik die talmudischen Vorlesungen des Herrn I)r. Levy, der ja mit einem seiner jüdischen Hörer wegen der etwaigen Kopfbedeckung bei diesen Vorlesungen gleich anfangs in die zarte Controverse gerielh, ob diese „Behauptung" Wunsch oder Forderung des zukünftigen Facultätsprofessors für Talmudica und Rabbinica sei. Auf die Erklärung desselben, daß dies blos Wunsch und nicht Forderung sei, da er ja nichts zu fordern habe, antwortete dann nach einigen Tagen das ganze Auditorium mit der Entblößung der jugendlichen Häupter beim Talmudvortrage, was doch selbst bei so manchem Halborthodoren und verschämtem Neologen ein „Schütteln des Kopses" hervorgebracht hat. Was nun die Eomessionslosigkeit der neuen Anstalt betrifft, so war es auch der so sehr originellen „Neuzeit" Vorbehalten geblieben, den mv njn konfessionslos und vor einem Katholiken zu interpretiren. Difficile est satyram non scribcre. Man braucht nicht „Prophet und nicht Sohn eines Propheten" zu sein, um mit Gewißheit vorauszusehen, daß sich dieser moderne Humbug selbst das unvermeidliche Grab gegeben, welches er für unsere heilige Thora in frevelhaftem Uebermnthc bestimmt. „Eine Grube höhlt er und gräbt sie aus und fällt in den Abgrund, den er gemacht" (Psalm 7). Was soll ich Ihnen von den Reformen berichten, die seit '-ergangenem Peßachfest zum ersten Male in dem Orgeltempel eingeführt sind, wozu die Kühnheit schildern, mit der man es gewagt, die nmn D’jro abzuschaffen? Sicherlich werden die Herren Rabbinen nunmehr an Stelle der von ihrer Prärogative verdrängten Aronssprossen den Priestersegen ertheilen, und hat hierbei Herr Aub jedenfalls die beste Gelegenheit, sich neue Sporen mit der Fabricirung geflügeltem Worte zu verdienen, deren neuestes das in seiner am zweiten Tage Peßach in der Heydereuther - Synagoge gehaltenen Predigt zum Ergötzen der Zuhörer gebrauchte ist, das da lautet: „Der Prophet Elijah war der erste Schutzmann des Geistes" und welches sich seinem geistreichen Nöilahscheidewort: „Wir stehen wie Hercules am Scheidewege" würdig anschließt. Berlin. Se. Majestät der Kaiser hat den von der Hungersnoth in Persien Bedrängten, ohne Unterschied der Confession, 1000 Thaler aus seiner Cabinetskasse zugewendet. — Ein „israel. Miethc - Hilfsverein" hat sich aus jungen Kaufleuten und Studenten dahier gebildet, dessen Aufgabe es sein soll, bei der inlmer mehr um sich greifenden Wohnungsnoth armen jüdischen Familien Beiträge zur Erschwingung der hohen Wohnungsmiethen zu ertheileu. Der edle Zweck des Vereins wird jedenfalls seinem Gedeihen fördernd zur Seite stehen. Berlin, 14. Mai. Die Stellung der Reichsregierung zur orientalischen Frage ist gestern in der Petitionscommissiou des Reichtags zur Sprache gekommen. I Freilich handelte es sich nicht unmittelbar um die Ansprüche Rumäniens oder Serbiens, und noch weniger um die russischen oder österreichischen Interessen lind die Stellung der Reichsregierung zu denselben, sondern um die Judenverfolgungen. Veranlaßt, sich mit diesem Gegenstand zu befassen, wurde die Commission durch eine Petition der Svnagogengenteinde ztl Lvck in Ostpreußen. Fiir das Reichskanzleramt plädirte der Geh. Legationsrath Abcken in einem mit sehr großem Interesse aufgenommenen Vortrag. Derselbe ging von dem Standpunkt aus, daß bei der ganzen Frage kein Schurbefohlener des deutschen Reichs interessirt sei, und zeigte wie nichtsdestoweniger atls Rücksicht der Humanität der Reichskanzler zu drei verschiedenen Malen, bei dem Eintreffen der ersten Nachricht, dann bei dem Herannahen des jüdischen Osterfestes und zuletzt bei der Vernrtheilung der angeklagten Juden, dringettde Vorstellungen an die rumänische Regierung gerichtet habe, den Ünmenschlichkeitcn energischen Widerstand entgegen zu setzen. Die Conservativeit wollten unter Hinweisung aus die Fucompeleuz des Reichstages Zurückweisung der Petition. Die Klerikalen, welche bekanntlich schon längst ans den zu Gunsten der Besitzer rumänischer Obligationen erfolgten diplomatischen Schritten politisches Capital siir sich schlagen wollen, wußten nicht recht, wie sie sich in dieser Sache halten sollten. Zuerst gingen sie, wie man dem „H. C." schreibt, damit um, die förmliche Intervention des Reiches zu beantragen, wahrscheinlich uni damit das bei der ersten Reichstagsseffion ausgestellte Princip über den Harnen zu werfen und ein dem heil. Vater günstiges Präjudiz zu schaffen — endlich aber schlossen sie sich den Conservativen an. Die Commission beschloß unter Anerkennung der vom Reichskanzler gethanen Schritte den Uebergang zur Tagesordnung. (A. A. 'Z. > Feuilleton. Maaßer. (Nach dem Dänischen des M. Goldschmidt.) II. Lange hielten sich die Geschwister umarmt. Als sie sich ausgeweint hatten, sagte Simon:

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