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Der Israelit · 1872-05-22 · Heft 21 (22.5.1872) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 21 (22.5.1872)
Date
1872-05-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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461 (o“v man) hat eine Concurrenz behufs Anstellung eines Beamten ausgeschrieben, welcher die Aufgabe haben soll, täglich einen «->02 -njw den Vereinsinitgliedern vorzutragen, armen Kindern und jungen Leuten einige Unterrichtsstunden im Hebräischen zu ertheilen, und allsabbatlich einen „populär-wissenschaftlichen" Vortrag zu halten. Bisher waren die in dem Ausschreiben geforderten amtlichen Verpflichtungen mehreren Händen anvertraut, und will nun der Vorstand dieses Princip der Meitseintheilurrg aufgeben, um die Kräfte des Vereins nicht allzusehr zu zersplittern. Von den bisherigen Beamten hat wohl keiner wegen sonstiger Berufsgeschäfte die nöthige Muße, um all den gestellten Anforderungen gerecht werden zu können, oder bilden anderweitige, bis jetzt noch nicht offenkundige Motive die Veranlassung, aus ihrem bisherigen Wirkungskreise zu scheiden. So isi Herr Dr. Berliner von der Leitung der zumeist für den Unterricht armer Kinder gegründeten Schule des Lalmudvereins zu unserem Bedauern zurückgetreten. Lei seinem Scheiden aus seiner bisherigen Stellung ist Herrn I)r. B. ein sehr warmes Dankschreiben nebst eiuetit ansehnlichen Ehrengeschenke als Anerkennung für >eiu Streben und Wirken zur Hebung und Förderung der von ihm bisher geleiteten Anstalt, von Seiten des Vorstandes überreicht worden. „Ganz besonders," heißt es in der Adresse, „ erstattet Ihnen der Vorstand auch iiir die mit ebenso freundlichem Entgegenkommen gehaltenen, als mit regem Interesse aufgenommenen sonnadendlichen Vorträge seinen Dank und wünscht Ihnen,?mude an den Früchten zu ernten, die Sie bei Jung und Alt auSzustreuen Gelegenheit hatten." Herr De. Berliner hatte es sich in diesen mit vielem Beifall belohnten Sabbatvorträgen zur Aufgabe gemacht, mit Zugrundlegung des lonn -bd, das Verhältniß der schriftltdiett und mündlichen Lehre und deren unbedingte Zu- 'ammengehörigkeit zu beleuchten, und ist ihm dies, soweit wir den Vorträgen zu folgen Gelegenheit hatten, in trefflicher Weise gelungen. Vor einiger Zeit hatte die Majorität des Vorstandes den Plan gefaßt, die Unterrichtsanstalt des Vereins aufzuheben und die zur Subvention derselben bisher verwendeten Gelder der Religionsschule der Adaß-JiSroöl mit der Bedingung zuftießen zu lassen, für den jährlichen Vereinsbeitrag armen Kinderrr so weit als möglich unentgeltlichen Religionsunterr.cht zu ertheilen. Doch, obwohl, wie schon erwähnt, das Project von der Majorität des Vorstandes ausging, welche der gewiß richtigen Ansicht war, daß eS für einen Lehrer bei den bcuügen Anforderungen der vorgeschrittenen Pädagogik eine absolute Unmöglichkeit sei, Kindern verschiedener Altersklassen uiti> zu gleicher Zeit genügenden Unterricht zu ertheilen, obgleich der größte Theil der man aus Mitgliedern der Adaß-Jisroöl besteht, so wußten doch einige Leute, denen Opposition gegen jede noch so heilsame Einrichtung zur zweiten Natur, wenn nicht gar zur lieben Profession geworden, mit allerlei Scheingründen ihren verderblichen Einfluß zu Ungunsten des erwähnten Projectes durchzusetzen. Wahrscheinlich hat der Vorstand aus Friedensliebe, um keine den Bestand des Vereins störende und untergrabende innere Streitigkeit aufkommen zu lassen, den ursprünglichen Plan aufgegeben und die Neubesetzung der Stelle eines Dirigenten, verbunden mit den angegebenen übrigen Functionen, demzufolge ausgeschrieben. Einige in wissenschaftlicher und religiöser Hinsicht bestens accreditirte Männer sollen, den wahren Stand der Dinge in Erfahrung gebracht, mit Hinweis auf denselben, die an sie ergangene Berufung entschieden renisirt, andere ihre eingereichte Meldung zurückgezogen haben. Doch in Bezug auf Letzteres nur rslata. retoro, und kann ich für den wahren Sachverhalt desselben nicht einstehen. Jedenfalls ergeht unser aufrichtiger Wunsch dahin, daß der Talmudverein, getreu den Principien, auf welchen seine Gründung beruht, und eingedenk der Männer, die bisher seine Leiter gewesen, die bacante Stelle nur mit einem solchen Nachfolger besetze, dessen religiöser, gesetzestreuer Standpunkt klar und offen liegt und hinter dem erforderlichen Wissen nicht zurücksteht. Wir vereinigen unsere Wünsche mit denjenigen, welche Herr Dr. Berliner in Erwiderung auf die# ihm zugestellte Adresse an den Vorstand gerichtet, daß' es ihm (dem Vorstand) nämlich gelingen möge, in einer Zeit, in der auch auf religiösem Gebiete „der Kampf um das Dasein" geführt wird, den Verein, seiner Anlage^ und Tendenz genräß, für Hebung und Förderung jüdischen Wissens, auf echt religiöser Basis zu erhalten. ... d Berlin. Die „ Volkszeitung " schrieb Anfangs Mai: „Die hiesige Hochschule für Wissenschaft des Ju-enthumS wird am 6. Mai ihre Vorlesungen eröffnen und am 15. August das erste Semester beenden. Das Euratorium ninunt in seiner Ankündigung ausdrücklich die Eonsessionslosigkeit der Hochschule in Anspruch und läßt nicht undeutlich merken, daß es als Ziel die Aufnahme und Emreihung in die Universität anstrebt, der das neue Institut sich „geistig anschließt"? Deshalb sind als Zuhörer die wirklich immatrikulirten Studirenden aller Facultäten, ohne jeden Unterschied, in Aussicht genommen. Das Lehrer-Collegium besteht aus vier Docenten, dein Professor an der Universität, Dr. Steinthal, als zeitigen! Vorsitzenden, dem Dr. Cassel, dem Dr. Abraham Geiger und dem Dr. Lewy, welcher letztere das talmudische Gebiet in zwölf wöchentlichen Stunden nach Theorie und Praxis behandeln wird. — Die Facultät ist eröffnet, Dr. Philippson durfte die apostolische Weihrede halten, als irdischen Lohn (mit Aussicht auf -ran vbizp no”p pp) dafür, daß er schon vor etlichen dreißig Jahren die „große Idee" angeregt. Er wie alle anderen Redner des mit vielem Pomp begangenen Eröffnungsactes, mit welchem sich ja unsere modernen Heilsapoftel so gern umhüllen, haben, wie die

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