Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1872)
- Date
- 1872-05-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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444 £> e ft e r r. -Ungar. W onarchi c. Aus Lemberg, unterm 2. d. wird geschrieben: Gestern Abends fand sich auf dem Hciligengeist - Platz sehr zahlreiche Straßenjugend ein, vorgeblich, um dem üblichen, am 1. Mai mit Musik verbundenen Zapfenstreiche anzuwohnen. Der Zapfenstenstreich blieb aus — aber der herrliche Maiabend sollte für unsere Jugend nicht klanglos vorübergchen. Kaum war es bekannt, daß die Musik nicht spielen werde, als auch schon einzelne Fensterscheiben zu klirren begannen. Zunehmends steigerte sich diese Melodie — und in kurzer Zeit iah man fast alle Fenster- und Ladenscheiben — natürlich nur die der Juden — durch Steinwürfe zertrümmert. Der Sicherheitswache gelang es, sechs der jugendlichen Unruhestifter habhaft zu werden, als dieselben noch ganz unverdrossen mit einander in der Tragkraft ihrer Arme wetteiferten. Vor den Untersuchungsrichter gestellt, gab einer von ihnen an, von gewissen älteren Leuten zu dem Unfug aufgcfordert worden zu sein. H o l l a n d. De Lemmer, 7. Mai. Unser bescheidenes Städtchen fängt an, berühmt zu werden; die zwei von hier aus, die inr-Käs-Angelegenheit besprechenden Inserate haben in unserem Vaterlande allgemeines Aufsehen erregt, und Herrn L. de Jong von hier, „steht gar sein Bischen Verstand darüber still." Wer hat im großen deutschen Reich wohl bisher von der Existenz unseres Städtchens gewußt, dessen isr. Bewohner in der Cultur noch so weit zurück sind, daß sie nicht einmal „den Namen der Stadt oder des Dorfes kennen, wo „der Israelit" erscheint?" Doch nicht Alle, nein, gewiß nicht Alle, denn wenn auch ich zu diesen intelligenten Bewohner von de Lemmer zählte, so würde dieses mein Schreiben ja nicht im „Israelit" erscheinen können!*) Damit du aber, lieber Leser, wissest, woher die gegenwärtige Correspondenz kommt, so will ich dir mittheilen, daß de Lemmer ein Städtchen in der Provinz Friesland ist, circa 3000 Einwohner zählt, einen Hafen nebst Rhederei besitzt, und im Jahre 1825 beinahe untergegangen wäre, da die Sturmstuth die schützenden Dämme an 15 Stellen durchbrach. Ad vocem Sturmstuth! Einer Sturmstuth gleich haben meine beiden Annoncen, namentlich *) Anm. d. Red.: Der geehrte Einsender irrt; es kam uns unlängst ein Schreiben aus Holland zu, das folgende Adresse trug: rAan ile Redactie der Israelit, Duitschland,“ Der Brief tarn richtig an. Ein Postbeamter hatte mit rother Time „Mainz" dazu geschrieben. in Amsterdam Alles in Aufregung versetzt; einer j solchen gleich soll meine heutige Correspondenz | sich auch über das Ausland ergießen und die Frage! anregen: „darf man mit gutem Gewissen noch hol-! ländischen -!2G-Käs genießen?" | Der holländische Rahmkäse wird in folgender l Weise bereitet: Die frische Milch wird durch eine aus Kälbermägen bereitete Essenz zum Gerinnen gebracht. Es ist demnach der ohne genügende Aufsicht bereitete Käse 3*?n:a -heg, da -payon ->:n nicht V22 wird. Anders verhält es sich, wenn der betreffende Magen onro cg’ ist; da ist die Mischung nicht mehr verboten. Es dürfen daher nur solche Mägen verwandt werden, die unter Aufsicht eines befugten mn p getrocknet und als D-iro q>eqi bezeichnet werden.' Die Manhigv Beth Hamidrasch in Amsterdam hatten seit langer Zeit die Aufsicht; unter ihren Ausspicien wurden die zu verwendenden Mägen zubereitet und sie bestellten die ononp. Auf dem Lande wurden jedoch seit einiger Zeit mehr Käse bereitet, als zu der ausgegebenen Essenz im Verhältnis stand; außerdem hat man beobachtet, daß die in dieser Gegend fabricirten Käse einen angenehmeren Geschmack haben; trotzdem nun die Amsterdamer Käse-Fabrikanten ihr Fabrikat ebenfalls dort in derselben Weise (aber natürlich mit aus vollständig getrockneten Mägen bereiteter Essenz) von derselben Milch etc. bereiten ließen, so konnten sie doch den guten Geschmack nicht erzielen wie die Andern. Es leuchtet Jedem ein, daß die Essenz aus frischen Mägen einen besseren Geschmack gibt, als die aus getrockneten. In Erwägung dessen und um nicht zu sein, ließen die Manhigv Beth Hamidrasch öffentlich darauf aufmerksam machen, daß sie nur für das nneG der Amsterdamer Käse einstehen. Da geschah das Unerhörte, daß ein Rabbinats-Assessvr in der Deraschah verkündete, daß mit jener Bekanntmachung noch nicht gesagt sei, daß die Käse der übrigen Fabricanten nicht nao seien! In Folge dessen legten die Manhigv Beth Hamidrasch die Aufsicht über die Käsebereitung nieder. Inwiefern nun holländischer ^LG-Käse fürder noch als zu betrachten sei — das zu ermessen überlassen wir dem Urtheile der ehrwürdigen Rabbinen im Auslande. R u ß i a 11 b. Ans Sttfcbencff, 1. Mai, wird gemeldet: Es wurden auch hier Hclzvlakate gegen die Juden affichü'tj! der Gouverneur ließ in Folge dessen öffentlich bekannt