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Der Israelit · 1872-05-15 · Heft 20 (15.5.1872) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 20 (15.5.1872)
Date
1872-05-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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I 434 Oefterr. -Ungarische Monarchie. Wien, 4. Mai. Zur Unterstützung der verfolgten Juden in Rumänien ist in Wien ein israel. Comite gebildet worden, in welches der Hofrath v. Weil, der Abgeordnete Kuraüda und die Banquiers Königswarter, Wiener und Goldschmidt gewählt wurden. Herr Scharf, Herausgeber der „Sonntags-Zeitung", spendete den ersten Beitrag von 5000 fl. zu dem Unterftützungsfonds. Wie verlautet, wird die Gründung eines permanenten Vereins zur Wahrung der bürgerlichen und politischen Rechte der Juden beabsichtigt. Königswarth. Die Israeliten in Königswarth (in Böhmen) hatten eine schreckliche erste *nd - Nacht. Als fie eben bei Tische laßen, erscholl die Glocke und auf der Gasse hörte man den Ruf: „Feuer! Feuer!" Die ganze Judengasse stand in hellen Flammen. Die furchtbare Verwirrung läßt sich denken, Alles rannte und rettete. Ein blinder Greis und ein kleines Kind konnten nur mit Mühe aus den Flammen gerettet werden. Von dem jüdischen Tempel ist das Dach gänzlich abgebrannt, in der'Judengasse sind 20 Häuser ein Raub der Flammen geworden. Innsbruck. Der „Deutschen Zeitung" schreibt man aus Innsbruck Folgendes: Noch nicht dagewelen ist es, daß ein Jude als Mitglied der Stadtbehörde in der Hauptstadt Tyrols angehört hatte. Und doch ist dies in Folge der jetzigen Wahlen eingetreten. Der gebildete, gut deutsch gesinnte Kaufmann W. Tannhäuser, obschon er Jude ist und obschon die Geistlichen die gläubigen Tyroler vor diesem Juden warnten, wurde doch in die Stadtvertretung gewählt! Wer hätte sich so etwas vor 10 Jahren nur zu denken getraut? Aus Kolomea (Galazien) meldet man der „Wiener Deutschen Zeitung" Folgendes: Am 16. April ging ein Soldat spät bei Nacht vor der Kirche vorüber, «o er Licht bemerkte. Dadurch aufmerksam gemacht, näherte er sich der Kirche und hörte mit Säge und Hammer arbeiten. Er zeigte es der Polizei an, man öffnete die Kirche'— — und was sah man? Alle Bilder waren ganz in Gewänder der polnischen Juden gekleidet, und von der Kirchenkasfe fehlten 800 Gulden! Alles vermuthete, daß die Juden diesen Kirchendiebstahl und noch dazu diese Kirchenschändung begangen hätten. Glücklicherweise hatte man aber nach vielem Herumsuchen in der Kirche den Kirchendiener entdeckt, bei dem man noch die gestohlene Summe vorfand. Italien. Turin. Neueren Nachrichten zufolge hat die Generalversammlung der israel. Gemeindemitglieder in Turin beschloffen, von dem Verkaufe der im Bau begriffe nen Synagoge abzustehen und alle Mittel aufzubieten, dieselbe für eigene Rechnung auszubauen. Bologna. Den 8. März ist ein in der ganzen Welt durch sein trauriges Schicksal bekannt gewordener Glaubensgenosse gestorben. Es ist dies Salomon Mortara. Der Raub seines Sohnes Edgar hat seinerzeit ganz Europa in Auflegung gebracht. Die (Gesundheit des Verstorbenen war von jener Zeit an geschwächt. Als Rom im Jahre 1870 mit dem Königreich Italien vereinigt wurde und der junge Mortara sich weigerte, seine Familie und seinen früheren Glauben anzuerkennen, brach er ganz zusammen, und eine im vorigen Jahr ihm aufgebürdete Mordanklage, von der er freigesprochen wurde, gab ihm den Todesstoß; er starb im Alter von 56 Jahren. (Arch. Jsr.) Frankreich. Paris. Die Wittwe des verstorbenen Leopold Javal hat den verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten in Paris 10,000 Franken überschickt. England. In London hat sich ein israel. Comits gebildet, das sich zur Aufgabe stellt, zu Gunsten der verfolgten Juden in Rumänien eine europäisch-amerikanische Bewegung zu organisiren; zu diesem Zwecke werden Circulare an die Hauptadmiuiftrationen israel. Gemeinden der alten und neuen Welt versendet werden. Rumänien. Bukarest, 24. April. Noch haben wir die Gräuelscenen von Ismail, Kahul und Vilcow, im brühwarmen Andenken; kaum vermögen wir uns an den Gedanken zu gewöhnen, daß die Sentenz der Buseuer Jury bereits in Rechtskraft getreten, und schon dringen neue Klagen zu uns aus dem äußersten nordöstlichen Theile des Landes, aus Bottuschan. Mau meldet hieher telegraphisch, von einer daselbst ftattgehabten Judenhetze, wenn auch nur im ungewöhnlichen, id est kleineren Maßstsbe. „Es ist gut abgelaufen," schließt der telegraphische Bericht, und wissen Sie, was das heißt, „gut abgelaufen"? Nicht weniger als 20 Juden mit Knütteln geschlagen, ebensoviele mit Peitschenhieben traktirt, eine erkleckliche Anzahl jüdischer Frauen aus dem öffentlichen Garten unter allerlei Insulten vertrieben und — ohne von der Polizei gestört zu werden — beizeiten die Prügelei eingestellt. Die armen Juden freuen sich, wenn es keine blutigen Köpfe, keine eingeschlagenen Fensterscheiben und keine geplünderten Läden gegeben, und das nennen sie in ihrer Todes-

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