Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1872)
- Date
- 1872-05-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447551-2447571--10473-2466214- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
435 Position für den israel. Cultus in dasselbe ausgenommen, eine nur kleine Summe zwar, bloß zur Unterstützung gering dotirter Rabbinatsstellen, ,aber doch genug, um die Gesinnungs große dieser.edlen Kammer zu documentiren. Herrn Mahr freilich war diese Neuerung gar nicht recht, aber er hatte heute keinen glücklichen Tag; zuvor schon war er von seinem Collegeu in ecclcsia, Herrn Rudolph Weiß, der bei dieser Gelegenheit als ein sehr scharfer und schlagfertiger Redner sich bewährte, als jener die Zöglinge der Lehrer-Präparandenschulen in semer Weise kririsirte, unter dem Beifall des ganzen Hauses heimgeschickt worden. In Summa', alle, die zum Ministerium für Kirchen- und ^chulangelegenheiten gehören, vom Minister vis herab zum letzten Schulgehilien, Kirche, Wissenschaft, Kunst und der gesammte Unterricht mögen dieses Tages und seiner Ergebnisse sich freuen. Von der württeurb. Donau. Die im Neubgu begriffene Synagoge zu Ulm gehr mehr und mehr ihrer Vollendung entgegen; ihre vier Eckthürme, welche dem Prachtgebäude mehr ein kirchliches, als synagoaales Ansehen verleihen, heben sich mächtig himmelan; Madame Reform, jene weltbekannte Schauspielerin, wird bald darinnen ihre religiösen Vorstellungen zur Aufführung zu bringen die Ehre haben; die Orgel wird bald ihr sabbatentwcihendes Spiel zu treiben beginnen und nicht allzulange wird es anstehen, die Herren Ulmer, e.'ost ä dire der allergrößte Theil derselben, werden dem Wochenmarkt und hdd zulieb neue Synagoge, neuen Cantor und Orgel im Stiche lassen. Kürzlich wurde die Lieferung der Orgel im Suburissionswege ausgeschrieben; die desfallsige Annonce im „schwab. Merkur" trug ein mächtiges Kreuz an der Spitze. Dann wurde in der „Ulmer Schnellpoft" die Organistenstelle ausgeschrieben, worin das isr. Kirchenvorsteheramt sich als sehr human zu erkennen gibt, denn es sagt, daß Bewerber jeder Confession zugelassen werden; der anzustellende Organist hat sich verbindlich zu machen, ohne Ausnahme an jedem Sabbat-, jüd. Fest- und Feiertage die Orgel während des Gottesdienstes zu spielen. Man sagt, Herr Rabbiner Wälder sei darum eingekonnnen, daß die Gemeinde Ulm als besonderes Rabbinat erklärt werde und einen eigenen Rabbinen, der die Orgel nicht scheue, erhalte. Berlin. Unter den Abgeordneten cursirt eine Eingabe, zur Unterschrift, worin der Reichskanzler um Intervention zu Gunsten der verfolgten Jsraetiten in Rumänien ersucht wird. Belgard (Pommern), 24. Nissan. Der Ausspruch unserer Weisen: -))2xn p »nsn b«, scheint in unserer Nachbargemeinde Schioelbein wenig Beachtung zu finden. Drei Familienhäupter daselbst, die sich zu'hoch besteuert fühlen, und, wie viele Leute wissen wollen, nicht zu Vorstehern resp. Repräsentanten gewählt wurden, sch eben aus der jüd. Gemeinde aus, und schloffen sich, »ic erzählt wird, einer andern Religionsgesellschaft an. In Folge dieses Ausscheidens hat der derzeitige Vorstand dem Drin? verboten, für die Ausscheidenden, die, beiläufig gesagt, streng izo leben, zu schlachten. Der Besuch der Synagoge resp. Benutzung der Stände daselbst wurde ihnen verweigert und so kommt Haß und Zwietracht, Zorn und Feindschaft in eine Gemeinde, die bis jeU in Frieden und Eintracht gelebt hat irr' Oü rütco. Ganz besonders sind bei solchen Zerwürfnissen die armen Beamten zu bedauern, die in ihrem Abhängigkeitsgefühl sich nach keiner Seite hinneigen dürfen; sonst werden sie in ihrem Einkommen geschmälert oder können auch ihrer Stellung verlustig gehen. Solange die jüd. Gemeindebeamten sich noch keiner definitiven Anstellung zu erfreuen haben, so lange noch immer ein contracttiches Berhältniß zwischen Gemeinde und Beamten besteht, so mag baeu Gehalt noch so hoch bemeffen sein, ihr Loos ist ein trauriges. Die Beamten der jüd. Gemeinde in Sch. sind O'pbrr niu«, erfüllen ihre Beamtenpflichten mit Treue und Gewissenhaftigkeit, und mit trübem Herzen müssen sie jetzt auf die Trennung in ihrer Gemeinde schauen, die nicht nur auf die materielle Lage der Beamten, sondern auch auf das ganre religiöse Leben der Gemeinde nachtheilig einwirkt. Während man aber in der einen Gemeinde trennt, verbindet man aber wieder irr der andern und zwar m'SD.i '2'2. Am 19. Mai findet eine Hochzeit in Stolp statt, bei welcher der Rabbiner vr. Hahn ripnp ~noo ist. Wie oben die Trennung, so ist hier in der Omerzeit das Copuliren sündhaft. Hamburgs *) 2. Mai. Wie uns aus höchst glaubwürdiger Quelle mitgetheilt wird, hat ein Bewohner Hamburgs, der seinen Namen nicht nennen will (ein Israelit), und welcher bereits ftüher an den Umziehetagen bedrängten Familien mit Bezahlung der Miethe zu Hilfe kam, auch am gestrigen 1. Mai vielen sogen, kleinen Leuten, denen der Hauswirth Posten vor die Thür gestellt batte, dadurch ans großer Verlegenheit geholfen, daß er auch dieses Mal die Miethe für sie bezahlte. Als der Unbekannte, ein Mann in beu dreißiger Jahren, Erkundigungen über die Hilfsbedürftigen einzog, äußerte er, daß der 1. Mai und der 1. November glückliche Tage für ihn seien, weil ihm dann ejn ausgiebiges Feld zum Wohlthun geboten würde. *) 2. Beilage des „Israelit" Nr. 18, 2. Columne, muß es statt Königsberg Hamburg heißen.