Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1872-05-15 · Heft 20 (15.5.1872) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 20 (15.5.1872)
Date
1872-05-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447551-2447571--10472-2466213
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

auf den Schlachtfeldern ihr Blut vergossen, so freuen sie sich der großen Errungenschaften des Vaterlandes, ganz besonders, weil mit diesen zugleich Ew. Durchlaucht schon innerhalb des norddeutschen Bundes die gesetzliche Gleichstellung aller Confessionen durchgeführt und hiermit gegen die Ghetti der religiösen und socialen Vorurtheile den kräftigsten Schlag vollbracht haben. Sie haben. Durchlauchtigster Fürst, mit gleicher Energie den Kampf gegen die inneren Feinde des Reiches siegreich ausgenommen, und auch in diesem Kampfe stehen wir, so viel an uns ist, auf Ihrer und des Reiches Seite, weil es gerade die frühere Allmacht dieser Gegner war, unter welcher viele Geschlechter unserer Glaubensgenossenschaft Verfolgung, Druck und Ausschließung zu ertragen hatten. Die' Einheit des Deutschen Reiches reifte auch in uns den Gedanken einer Vereinigung, welche die Hebung unserer deutschen Glaubensgenossen in religiöser, socialer und Culturbeziehung zum Zwecke hat. Der heute conftituirte deutsch-israel. Gemeindebund, welchen: bereits die bedeutendsten und über hundert mittlere und kleinere Gemeinden beigetreten sind, fühlt sich daher gedrnngen, seine Thätigkeit damit zu beginnen, daß er Ew. Durchlaucht den tief empfundenen Dank und die treueste Ergebenheit, welche uns beseelen, zürn Ausdruck bringt. Möge die göttliche Vorsehung Sie dem Vaterlande noch lange in voller Kraft und Gesundheit erhalten und alle Ihre für Deutschlands Wohl unternommenen Schritte mit dem vollständigsten Erfolge krönen. In tiefster Ehrfurcht verharrt Euerer Durchlaucht ganz gehorsamste constituirende Versammlung des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes. (gez.) Moritz Kohner, Vorsitzender." Wir können ses nur tief bedauern, daß Männer, die sich „constituirende Versammlung des Deutsch-Jsr. Gemeindebundes" nennen, die Anmaßung besitzen, sich in Dinge zu mengen, die sie ganz und gar nichts angehen. Wir meinen den in der Adresse enhaltenen gegen die römisch-katholische Partei im Reichstage gerichteten Passus. Wie kömmt ein deutsch-israel. Gemeindebund zu einer derartigen Aeußerung über die innere Politik des Reichskanzlers, wie kann er sich erkühnen, jene Männer als inneren Feinde des Reiches zu bezeichnen, wie kann er es wagen, eine solche feindselige Kundgebung gegen die Bekenner einer fremden Religion in die Welt hinauszusendcn? Ja, wenn die Herren als Vertreter der deutschen Nation im Reichstage säßen — da hätten sie das Recht, nach Wissen und Gewissen vom eigenen Parteistandpunkte aus andere Parteien zu bekämpfen; was aber in aller Welt hat ein israel. Gemeindebund mit der Centrumspartei im Reichstage und 434 deren Bestrebungen zu schaffen? Hat diese Partei im Reichstage ein einziges Wort gegen die Juden gesprochen oder gar Etwas gegen sie gethan? Heißt das nicht eine große Menge unserer Mitbürger, mit denen die Israeliten in zahlreichen Provinzen des deutschen Reichs in Liebe und Freudschaft leben und verkehren, herausfordern, zum Hasse aufreizend Es scheint, Gott hat diese Männer mit Thorhcit und mit Blindheit geschlagen, damit unsere Glaubensgenossen sich hüten, sich an einem Bunde zu betheiligen, dessen Leitung Männern von so geringer Einsicht anvertraut ist. Die Antwort des Reichskanzlers lautet denit auch sehr kühl, wie folgt: „Berlin, den 23. April 1872. Ew. Wohlgeboren und Ihren Herren Auftraggebern unterlasse ich nicht für die mir in der geehrten Zuschrift ä. <1. Leipzig, den 14. d. M. ausgedrückten Gesinnungen des Vertrauens und der Ergebenheit meinen. verbindlichen Dank auszusprechen. gez. v. Bismarck. An den Vorsitzenden der constituirenden Versammlung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes Herrn Moritz Kohner Wohlgeboren Leipzig." Wir hielten es im Interesse unserer inmitten strengkatholischer Bevölkerungen lebender Glaubensgenossen vor Allem für unsere Pflicht, das Obengesagte auszusprechen, um jede Solidarität mit diesem Gemeindebunde zurückzuweisen. Das Referat über die eigentlichen Verhandlungen wollen wir in nächster Nummer geben. \. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzerr. Deutschland. München, 49. April. Nicht nur die Domherren, Pfarrer und Cooperatoren der Katholiken, die Eonsiftorialräthe, Pfarrhcrrcn und Vicarc der Protestanten wurden in ihren Gehalten und Bezügen erheblich aufgebessert, sondern zum erstenmale, seitdem es:n Bayern ein'Budget gibt, wurde auch eine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.