Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1872)
- Date
- 1872-05-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Wärter statt. Von Hamburg, Wien, Paris und London hatten die verwandten Häuser Vertreter gesandt. Von der hiesigen Haute-Finance fehlte kaum eine nennenswerthe Persönlichkeit, welche dem allgemein hochgeachteten Dahingeschiedenen nicht die letzte Ehre erwiesen hätte. Selbstverständlich waren auch alle Berufsklassen stark vertreten, da der Verblichene in allen Kreisen sich der höchsten Achtung und Liebe erfreute. Alles in Allem, es wurde ein wackerer, braver Mann, der für seine Mitmenschen stets ein warmes Herz hatte, heute zu Grabe getragen. pflichtet, die Dienerschaft zu Hause zu halten. In d« Straßen werden starke Patrouillen gehen. Diese Mch regeln wurden ergriffen, um eine Wiederholung der vor jährigen Judenkrawalle zu verhüten. Feuilleton. Oe st er r. - Ungarische Monarchie. Wien. Während der Israel. Osterfeiertagc ereignete sich in einen: Hause der innern Stadt ein Akt von seltener Rohheit. Es lud nämlich ein israel. Gewerbsmann, Herr S., seine Anverwandten zu den üblichen Gebeten, worauf dann die ganze Gesellschaft sich bei einem gemeinsanren Mahle gütlich that. Bald nach 10 Uhr trennte sich die Gesellschaft in der solidesten Weise. Der Familienvater, einen silbernen Leuchter in der Hand tragend, begleitete seine Gäste über die Stiege, um sie bis zum Hcmsthore zu führen. Im ersten Stockwerke angelangt, empfing sie aber der daselbst wohnende Hauseigenthümer mit den Worten: „Ihr elendes, jüdisches Lumpengesindel, geht ihr endlich auseinander" u. s. w. Herr S., seine Angehörigen in Schutz nehmend, erhob in gemessener Weise Einsprache gegen ein solches Benehmen; allein der Haustyrann gerieth in noch größere Wuth. Er entriß dem S. den Leuchter und versetzte ihm mit demselben einige Hiebe mit solcher Wucht auf den Kopf, daß dieser bedeutend verletzt in seine Wohnung zurückgebracht werden mußte, welche er bisher noch nicht verlassen konnte. Der Angreifende ist erst vor einigen Jahren von Prag nach Wien übersüdelt. und mag sich wohl durch den dort für seine Partei so unglücklich ausgefallenen letzten Wahlsieg veranlaßt gefühlt haben, an einem Verfassungstreuen, wie Herr S. es ist, Rache zu üben. Das Nähere wird wohl die im Zuge befindliche Gerichtsverhandlung bieten. Carlsbad. Der Carlsbadcr Bezirksschulrath hat beschlossen, seinen Vorschlag, den jüd. Lehrer Moritz Spitz, welcher inzwischen die Lehrerprüfungen mit eminentem Erfolg ablegte, anzustellen, unverbrüchlich, trotz der Entscheidung des Landesausschusses und des Ministeriums, aufrechtzuerhalten. Rußland. Odessa, 27. April. Der Oberpolizeimeister verbot allen Arbeitern, an den morgen beginnenden Feiertagen auf den Straßen in großen Hansen sich anzusammeln. Die Arbeitgeber und Herrschaften wurden ver¬ Pcr portugiesische Iriedhos iu Altona. (Fortsetzung.) Bereits an: Tage nach seiner Präsentation berief der neue Senior das Minsterium zum Convent uni Deputirte wurden an Senat und Oberalte mit La Anzeige des im Werke begriffenen Neubaues und La Bitte gesandt, demselben Einhalt zu thun. Der Sem! erklärte zuerst, von diesem Bau nichts gewußt zu Häven, und verbot dessen Fortsetzung, ließ sich jedoch bald Lurch eine Supplik der Portugiesen milder stimmen. Zchi kannte die Erbitterung des Ministeriums keine Grenv mehr. Von allen Kanzeln wurde gegen die Juden uni ihre „Satansschule" gedonnert und von derselben SM an die Obrigkeit eine Mahnung zur Aenderung ihm judenfreundlichen Gesinnung gerichtet, auf daß dieseldr „sich in die Ohren schallen lasse das Wort GotM Wer mich ehret, den will ich wieder ehren; aber na mich verachtet, den will ich wieder verachten." Senat gab in scharfen Ausdrücken seine Mißbillig::; diese? Verfahrens zu erkennen und fertigte die Beschwert! übe. den berührten Neubau kurzweg mit der Bemerkun; ab, das neue Haus sei nur ein Civilhaus und dagezs habe das Ministerium nichts zu reden. Daß Letztes zu einer solchen Sprache nicht schweigen würde, liq sich erwarten. Es hielt die Behauptung, daß durch Lcr Neubau die Erweiterung der Synagoge beabsichtig! werde, aufrecht, und vertheidigte seine Kanzelpolcm! mit einem Hinweis auf die „lieben Apostel", dem „das Predigen von den: Rath in Jerusalem verbm war", die aber „sich nicht daran kehrten, sondern im Amt thaten und sprachen: Man muß Gott mehr dicm als den Menschen". Der Senat ließ cs nicht an einer kräftigen Replik fehlen und erklärte abermals, das me Haus solle nur ein Civilhaus werden. Was die Apeslä zu Jerusalem gesagt, gehöre gar nicht hierher, Lenr diese hätten es sich nicht einfallen lassen, die Zudcip Synagogen abzubrechen, wie Minist, das thun iwlle. Durch die fortwährenden Angriffe anr der Kanzel Lrin^ Minist. den Rath bei der Bürgerschaft in Nerdach!, reiße das Regiment von ihm weg und bringe es»»