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Der Israelit · 1872-05-08 · Heft 19 (8.5.1872) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 19 (8.5.1872)
Date
1872-05-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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LN deren Stelle im Fall der Uneinbringlichkeit 45tägige Haft zu treten hat. □ Ulm fl. d. D., im April. Die Correspondenz in Nr. 4 des „Israelit", dt. Frankfurt, über den hiesigen Synagozenbau, enthält Tharsachen, denen kein Commentar hinzugefügt zu werden braucht. Aber Ihr Correspondent hat sich in Betreff des Kostenpunktes geirrt! Der Bau, die innere Einrichtung, die Orgel, der Chor und was da noch drum und dran hängr, wird ein Kapital von mindestens 120,000 Gulden, sage mit Worten Einmalhundert und zwanzigtausend Gulden in Anspruch nehmen! Ist diese Opferwilligkeit nicht rühmenswertst? Unter Umständen könnte man sich wirklich freuen, ein solches Gotteshaus entstehen zu sehen in einer so jungen Gemeinde. Allein, wo es so schlecht mit bett allernothwendigsten rituellen Bedürfnissen und sveciellen Atributeu einer jüdischen Gemeinde bestellt ist und aussieht, kann man diesen Eifer nur mit dem beim-vergleichen! — Auch da wurde viel Geld von Israel gesammelt. Es dürfte nicht uninteressant sein, zu hören, daß selbst ein hervorragendes Mitglied des israel. Oberkirchenraths bei Gelegenheit einer Berathung zu den hiesigen Vorstehern geäußert: „Dreine Herren! Es ist schade, daß Sie so viel Kostenaufwand machen bei diesem Bau". Mögen daher die, welche an der Spitze der Gemeinde stehen, diesen Mahnruf aus aufrichtigem Herzen nicht ungehört und unbeachtet verhallen lassen! Möge wenigstens von der unjüdischen Orgel Umgang genommen und die Gebeteordnuug beibehalten werden! Der Friede bliebe dann doch erhalten. Frankfurt <*. M Unsere Leser werden sich des in vorigem Winter in Frankfurt a. M. au einem Israel. Handelsmann verübten schrecklichen Raubmordes erinnern. In einem der belebtesten Stadttheile, in dem Hausgange eines besuchten Wirthshauses, wurde am Hellen, sichten Tage in der Mittagsstunde der 67jährige Hamburger aus Bergen bei Frankfurt ermordet und beraubt. Der Mörder, Namens Völker, stand am verflossenen Peßach - Feste vor den Assisen, wurde von den Geschworenen schuldig befunden und in Folge dessen von dem Gerichtshöfe zum Tode verurtheilt. In Rumänien wäre er sicherlich freigesprochen worden. Frankfurt a. M., 15. April. Herr Consul Jacques Hahn, länger als 20 Jahre Theilhaber des hiesigen Bankhauses L. A. Hahn, starb gestern Morgen 10*,2 Uhr nach einem dreiwöchentlichen Krankenlager. Die kräftige, stets von Gesundheit strotzende Natur verfiel ganz unerwartet dem Gesetze der Vergänglichkeit im besten Mannesalter. Hahn war geboren im Jahre 1821. Die sich in den weitesten Kreisen bemerkbar machende tiefe Theilnahme an diesem Todesfälle ist ein Zeichen dafür, wie sehr der Verschiedene es verstanden, sich selbst die Sympathie der ihm Ferneftehenden zu erwerben. In dem Verstorbenen verliert die Bürgerschaft einen warmen, humanitäre Zwecke stets fördernden Patrioten, die Kunst und Wissenschaft einen eifrigen Gönner, die Gesellschaft einen guten Menschen, dessen Haus eine Zufluchtsstätte für alle Bedrängten war. Er hatte hauptsächlich als Consul von Italien Gelegenheit, sein Wohlwollen und seine Menschenfreundlichkeit praktisch zu bethätigeu. Ein besonders hervorstechender Zug in seinem Leben war seine eifrige Verehrung des Mosaismus. (?) Die stets freundliche Erscheinung des Dahingeschiedenen ist Vielen in und um Frankfurt bekannt; seine hervorragenden Charakter-Eigenschaften sichern ihm ein liebevolles Andenken in den weitesten Kreisen. (Fr. I.) Frankfurt a. M. Einem in der zu Vercelli erscheinenden Zeitung „Vessillo d'Jtalia" vom 25. April d. I. veröffentlichten Schreiben des ital. Vice-Consuls Herrn Giuseppe Rossi über das Hinscheiden des Consuls Jacques Hahn zu Frankfurt a Dt. entnehmen wir Folgendes: „Schade, daß Herrn Jacques Hahn's frühzeitiger Tod ihn daran hinderte, seinen letzten Willen zur Ausführung zu bringen! — Da er keine Kinder hatte, so war es seine feste Absicht, — und er wiederholte das mir und feinen vielen anderen Freunden unzählige Male, — eine Anstalt für junge Waisenkinder und Arme gleichviel welcher Nation und Confession zu gründen (er selbst war Israelit, und zwar ein eifriger Anhänger der mosaischen Lehren"). In derselben sollte den Kindern ein hinreichend theoretisch-praktischer Unterricht vorzüglich in der Landwirthschastskunde ertheilt werden, um sie zu tüchtigen Landwirthen heranzubilden, die durchaus frei seien von allen früheren abergläubischen Vorurtheilen und falschen Meinungen, welche auch hier in Deutschland eine regere Entwickelung der Agricultur und Landwirthschaft nicht wenig behinderten. Zu diesem Zwecke war Hahn entschlossen, ein Terrain von mehr als tausend Morgen seines Grundeigenthums auszusetzerr, die in der Nähe dieser Stadt gelegen sind. Unglücklicherweiser aber wird jener hochherzige, durch edle Freigebigkeit glänzende Plan, wie ich zu fürchten alle Ursache habe, für immer vereitelt bleiben, da das von Hahn hinterlassene ungeheuere Vermögen von ca. zwei Millionen Gulden (außer vier Millionen italien. Lire) nunmehr unter seine drei Brüder und drei Schwestern vertheitt werden wird, die alle bereits für sich sehr reiche Leute sind. In dein lebendigen Andenken an Hahn's großartige Liberalität kann ich nicht umhin, den Wunsch auszusprechen, daß viele ihm gleichen möchten — besonders die mit Glücksgütern übermäßig gesegneten. Möchte er Allen als nachahmuugswerthes Beispiel voranleuchten. Frankfurt a. M., 1. Mai. Heute Morgen fand das Leichenbegänguiß des Herrn Zacharias Königs- 5

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