Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1872)
- Date
- 1872-05-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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sich. Senatus denke gar nicht daran, den Bau einer neuen Synagoge zu gestatten. Das möge Minist, dem Senate doch endlich einmal glauben und gedenken, daß Könige und große Herren ihm glaubten; sonst würde Senatus verursacht werden, patenta anzuschlagen. Die Folge dieser Antwort war, daß die Geistlichen an den nächsten Sonntagen immer heftiger und erbitterter predigten und geradezu eine aufrührerische Stimmung in der Bevölkerung verbreiteten. So von allen Seiten bedrängt, zogen die Portugiesen diesmal den Kürzeren, und der Senior konnte in das Ministerialprotokoll eintragen: „Der liebe Gott hat es also geschickt, daß am 13. und 14. Januar 1673 das streitige Haus auf Befehl eines hochweisen Rathes ganz wieder abgethan und abgebrochen worden ist. Her ***, Dir sei von uns Lob und Dank gesagt, daß Du die Herzen unserer lieben Obrigkeit dahin gelenkt hast, daß sie diese Abgötterei abgethan. Gib ihnen auch ferner Deinen Geist und Deine Gnade, die Gräuel der Abgötterei ab- und Dir, dem Könige der Ehre, die Thore und Thüre aufzuthun. In den beiden folgenden Jahrzehnten traten die Angelegenheiten der portugiesischen Juden vor wichtigeren Interessen zurück, da äußere Feinde und innerer Berrath bald gleichzeitig, bald abwechselnd die öffentliche Aufmerksamkeit beschäftigten. Es war die Zeit des Windischgräzer Recesses. der dänischen Ansprüche auf Hamburg, die zwar zunächst durch den Jnterimsreceß von 1679 beigelegt wurden, im Jahre 1684 aber zu der bekannten Belagerung führten. In jene Zeit fiel auch die Absetzung des Bürgermeisters Meurer, welche die lüneburgischen Wirren (1684) zur Folge hatte, sowie die Hinrichtung Schnitzers undJastram's (1686). Neue Differenzen erhoben sich erst im Jahre 1697, als die Bürgerschaft, von der nimmer ruhenden Geistlichkeit aufgehetzt, wiederholt nicht nur auf die religiöse und bürgerliche Einschränkung, sondern auch auf erhöhete pekuniäre Belastung der Portugiesen drang. Die Verhandlungen zoaen sich in die Länge, bis die Bürgerschaft die ans den Zeitumständen erwachsene Geldverlegenheit des Senats im Interesse ihrer unduldsamen Gesinnung benutzte und diesen mit der Enziehung seines Honorars, mit einer — der Steuerverweigerung gleichkommenden Sperrung der Krämerei drohten. Dieser zwingenden Maßregel gegenüber blieb dem Senat kein Ausweg. Derselbe erwiderte allerdings, daß schwerlich in der ganzen Welt noch eine Stadt oder Republik zu finden sein werde, wo man dergestalt mit der Obrigkeit umgehe, gab jedoch schließlich die Erklärung ab, der Noch und der schweren Zeit weichen zu wollen. Die Portugiesen sahen durch diese Beschlüsse nicht nur ihre zeitweilige Lage verschlimmert, sondern mußten auch, nachdem der Senat eine solche Niederlage in der Bürgerschaft erlitten, die Hoffnung aufgeben, daß dieser in Zukunft wieder im Stillen ihnen die Hand bieten werde, wie er es vorher zu allen Zeiten gethan. Diese Gewißheit traf sie unzweifelhaft schwerer als die vermehrten Geldleistungen und die erneuete Einschränkung ihrer Religionsübung und rief daher eine zahlreiche Aus-! Wanderung der Gebildetsten und Begütertsten unter ihnen hervor.! ^L0 bildet das Jahr 1698 einen Wendepunkt in : der Geschichte der portugiesischen Gemeinde in Hamburg,; die durch die Unduldsamkeit der Geistlichkeit und Bürj gerschaft ihre namhaftesten Mitglieder verlor und sich; I später nie wieder zu der früheren Blüthe und Bedeu- ] | tung erhob. (Schluß folgt.)! ANZEIGEN. Him i. Mai d. I. übernimmt der Unterzeichnete das mit der Höheren Töchterschule des Herrn Dr. Jool verbundene Israelitische zu Pfungstadt a. d. Bergstr. Die uns anvertrauten Mädchen werden neben gediegenem Unterrichte in Religion, Sprachen und allen Realien die sorgfältigste körperliche und geistige Pflege finden. Prospect und nähere Auskunft ertheilt vr. S. Luß. Lehrer und Cantor einer größern Universität^- Stadt Preußens wünscht noch einige Knaben itiijf Pension zu nehmen. Näberes in der Expedition d. £ Bl. sub Nr. 967. '.in Mädchen aus guter Familie sucht Stellung al3'|jd Ladengehilfin in einem Manufactnrgeschäft, woD Samstags und Feiertage geschlosst l, und könnte dieselbe W nöthigenfalls auch in der Haushaltung mit thatig sein. D Die Exped. d. Bl. nimmt Offerten sub Nr. 924 ent-M gegen- . f§