Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1872)
- Date
- 1872-05-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447551-2447570--10444-2466184- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
407 weiter von uns entfernt als Karäer und Sadducäer, denen wenigstens die Bibel heilig und die biblischen Gesetze unumstößlich waren und theilwcise noch sind? Wollen unsere, der Thora entfremdete Brüder zu «ns zurückkehren, so sind unsere Arme weit geöffnet, sie aufzunehmen; wo nicht, — wir können, wir wollen unser Judentbum nicht aufgeben; wir wollen es nns und unfern Kindern unverfälscht und unverkürzt erhalten bis ans Ende der Tage. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. 1^. Maiuz, 6. Mai. Wir haben soeben dem amerikanischen Consul, Herrn Benjamin Peixotto zu Bukarest, zweitausend Franken zum Besten der nothteidenden Israeliten zu Ismail, Hahul rc. (Rumänien) übersandt. Wir finden nicht Worte genug, die unvergleichliche Wohlthätigkeit, die edle, nimmer ermüdende Bruderliebe der geschätzten Leser des „Israelit" zu preisen. Wahrlich dd b'amp ba^! Wo und wie immer ein Nothrnf ertönt — gleich öffnen sich die Herzen und die Hände. In diesen 2000 Francs sind 500 fl. mitinbegriffen, die von einem löblichen Comitö zur Unterstützung nothleidender Israeliten unter dem Vorsitze des Herrn Hermann Rosenfeld in Bamberg gesammelt worden. Die wohlthätigen Glaubensgenossen Bambergs gehen stets mit gutem Beispiele voran; sie warten nicht erst ab. was in anderen Gemeinden geschieht; sie beeilen sich vielmehr, den Uebrigen in den Werken der Liebe und des Wohlthuns voranzuleuchten. In die unserer dicswöchentlichen Nummer beiliegende Spendenliste haben Gaben für die Nochleidenden in Ismail k. noch nicht ausgenommen werden können; auch viele andere Gaben für andere Sammlungen haben noch nicht Raum gefunden. Wir bitten die edlen Spender nni Geduld und Nachsicht. Sobald als irgend möglich werden sämmtliche eingegangene Spenden veröffentlicht «erden. Offenbuch a. M. Bei Anlegung der „Hanau- Offenbacher Eisenbahn" sott ein Theil des hiesigen isr. Friedhofs benützt werden. Die isr. Gemeinde hat hiegegen Protest erhoben. Hoffen wir, daß diese Einsprache au maßgebender Stelle gehört und ein anderes Arrangement getroffen werde. Es handelt sich hiebei nicht allein um die Verhütung der Profanation der Gräber, sondern auch um einen Umstand von großer Tragweite. Es würde nämlich, falls die Bahn den isr. Friedhof passirte, die Benutzung dieser Bahnstrecke den Kohanim für alle Zeiten unmöglich aemacht werdcil. Da ein großer Theil des reisenden Publikums stets aus Juden besteht, so läge es auch im Interesse der Bahnverwaltung, ihre Einnahmen nicht einer solchen Verkürzung auszusetzen. Müllheim in Baden. Wenn ich die vereheliche Redaction ersuche, Nachstehendes in Ihr geschätztes Blair aufzunehmen, so geschieht es. um einem tbeuren Verblichenen aus dem Schooße der hiesigen israelitischen Gemeinde ein ehrenvolles Andenken auch in entfernteren Kreisen zu sichern, einem Manne, der eine Zierde der badischen Judenheit, ein wackerer Charakter in jeder Beziehung, sowohl in religiöser, als moralischer, an dem jeder Zoll ein Ehrenmann war. — Josef Mayer junior von Müllheim starb n'bpvz ‘pv, den 0. März dieses Jahres; er erreichte ein Alter von 73 Jahren. Durch seine Krankheit wurde er davon abgehalten das Fest seiner goldenen Hochzeit zu feiern. — Des Seligem Lebenslaufbahn war gekrönt von einer Reihe edler und' frommer Thaten, die ihn gewiß dem Andenken derer, die ihn kannten, stets theuer sein lassen werden. — Er war nbsn bpv an den hohen Feiertagen und Bon allen Seiten, von 4cah und Fern kamen ihm Aufträge dieser Art zu und er scheute weder die größtes Kosten, noch Zeit, Wind und Wetter, um diesem seinem heiligen Berufe auf die uneigennützigste Weise vorzustehen, er unterbrach sogar öfters seine Badekur in deu Ferne, wie in Homburg, um die von seiner Heimath aus ihm zugckommene Aufträge, die Kinder in den Abrahamsbund aufzunehmen, anszuführen. — In seiner 13jährigen Thätigkeit als Vorsteher erbaute er ungeachtet bedeutender Opposition, die neue prächtige Synagoge , erwarb den isr. Friedhof, ein Besitzthum dessen dre Gemeinde bisher zu ihrem Schaden entbehrt hatte, rührte würdige Synagogenordnung und Leichenordnlrng ein. Der ganze Rabbinatsbezirk wählte ihn zum Bezirksältesten, ein Amt, das die Zwifchenbehördc bildet zwischen dem Synagogenrathe und dem Großh. Oberrath der Israeliten und das er mit der treuesten Hingebung , aber auch mit Kraft und Energie über 20 Jahre bis zu seinem Tode bekleidete. Während dieser seiner angestrengten Thätigkeit wurde er auch als Delegirter des badischen Oberrheinkreises zu der im Jahre 1861 in Karlsruhe tagenden Notablenversammlung gewählt, die eine neue isr. Kirchenordnung beratheN sollte, und in der er mit einer nur geringen Anzahl von Gesinnungsgenossen für das ungeschmälerte conservative Judcnthum und die Autonomie der Gemeinde wacker in die Schranke trat. Fast wäre ihm auch die Ehre zu Theil geworden, ein Mitglied des Großh. Oberraths zu werden, aber die orthodoxe Partei, deren Kandidat er war, blieb in freilich starker Minorität. — Durch