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Der Israelit · 1872-05-08 · Heft 19 (8.5.1872) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 19 (8.5.1872)
Date
1872-05-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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406 Da nun die schmähliche Jnconfequenz des Herrn vr. Güdemann die ganze Welt mit Entrüstung erfüllt, so ist der „Jsr. Wochenschrift" die ebenso schwierige wie undankbare Rolle anheim gefallen, den Mohren weiß zu waschen. Da werden alle mögliche Bleichmittel versucht; Seife wird aus Stettin, Berlin, Magdeburg «nd Hannover dazu verschrieben; der Zuschauer aber schüttelt das Haupt und fragt mit den Worten des Propheten niy ’k’O "psrrn, „wird der Mohr je weiß gewaschen werden?" Diesmal wird die Sache als eine Vermittelung der Gegensätze dargestellt. Hat die österr. Regierung ihren „Ausgleich" mit Ungarn gcschloss.n, wird sie ihn mit Galizien, mit Böhmen, mit Dalmatien k. schließen, warum soll sich Herr Or. Güdemann nicht mit einem von Gottes Thora abgefallenen Vorstande vergleichen? „Halb zog sie ihn, halb sank er hin!" Aber, fragt alle Welt, das Gebiet der Religion ist doch ein ganz anderes als das der Politik? Das letztere ist, wie Bismarck sagt, das eigentliche Feld der Compromisse; aber die Religion? Kann man auch einen Compromiß mit seinem "Gotte schließen? Stellen wir uns einen mit Breslauer Ideen durchtränkten Gourmand vor; der würde etwa also sprechen: „Du lieber Gott, Du hast uns das Schweinefleisch und die Austern verboten. Nun, Schweine, die haben manchmal Trichinen, — sei es darum; aber die Austern, solch eine leckere Kost!" Und der gute Mann vergleicht sich mit dem lieben Gott. Nur Schade, daß er in diesem Leben nicht erfährt , ob Gott auch mit solchem Ausgleiche zufrieden sei. Die „Jsr. Wochenschrift" hat sich also die Aufgabe gestellt, zu erweisen, daß Compromisse im Judenthume zulässig seien. Die liebenswürdige Wochenschrift macht sich die Sache ziemlich le:cht. „Es gibt ja Differenzpunkte, meint sie, unter den Poßkim, und da wird häufig ein Mittelweg betreten; da gibt cs Rücksichten auf n^nro'y und und auf mno ja, Rabbi Joseph Karo, der Ordner des Schulchan Aruch, habe in diesem selbst vielfach den Weg der Vermittelung zwischen den Poßkim beschrittcn. Die isr. Wochenschrift geht so weit, den frommen Wunsch nach einem Joseph Karo für unsere Zeit zu äußeren, damit er aufs Neue (etwa ä la Güdemann?' vermittele. Die ganze weitläufige Discussion der isr. Wochenschrift mit allen ihren Phrasen, mit ihrem Wortschwall und ihren nicht zur Sache gehörigen B'eisvielen, ihren Citatcn und ihrem Bombast, ist nichts als leeres Gerede und Geflunker. Niemals hat das Judcnthum mit seinen Feinden und Gegnern pactirt. Als in der Wüste das goldene Kalb gemacht wurde, da hat Moscheh keinen Compromiß mit dem m mj; geschlossen; ebensowenig wre es die Propheten mit all den götzendienerischen Königen gethan; das Bündniß, das der fromme Jehoschaphat mit Achab abgeschlossen, wurde ihm als Sünde angerechnet und trug ihm die übelsten Folgen. Haben die aus der babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrten mit den Knthäern, die Weisen der Mischnah mit den Sadducäern, die Rabbanim des Mittelalters m.it den Karäern Compromisfe geschlossen? Und wir sollten mit den Leugnern der göttlichen Lehre, mit Grundsätzlich-Abgefallenen, mit Leuten, die uns ferner stehen als Sadducäer, Kuthäer und Karaiten Crompromisse schließen — ihnen zu Liebe unsere Vergangenheit verleugnen, unsere Zukunft preisgeben, unsere Religion beschneiden, unsere Gebete verstümmeln? Und solche Dinge vergleicht die „Jsr. Wochenschpft" mit der Vermittelung zwischen widerstreitenden Poßkim, mit den Vermittelungsversuchen des Beth Joseph? Verweilen wir der letzterem einen Augenblick. Der allgemeine Grundsatz desselben ist der: Wo *p (Rabbeim Jizchak Faßi) □"□"di (Maimonides) und (Rabbenu Ascher den Jechiel) mit einander übereinstimmen, oder wo zwei von ihnen übereinftimmen, so fixirt er die Halacha wie alle drei oder wie zwei gegen den dritten. Das ist der Ausgleichsvcrsuch des Beth Joseph. Wir haben hiebei die folgenden Punkte wohl zu beachten: 1) handelt es sich hiebei nie um tiefeingreifende Dinge, sondern nur, um das Accideutiellc der nuLv; 2) stehen alle drei Poßkim auf streng--jüdischtalnludischem Standpunkte und entstehen deren Differenzen nur aus manchmal verschiedenartiger Auffassung bcr Gemara; 3) wurde selbst dies<L gewiß unschuldige Ausgleich von den deutschen, sranH'ischen, polnischen und russischen Juden niemals accepmt. Schon (Rah. Moscheh Jsserles) setzt demselben das pivv „man kann über die Norrnirung der Halachab nicht allgemein giltige Grundsätze aufstellen" entgegen, und die tausend Abweichungen des vom iw die für uns meistens entscheidend entstammen namentlich der Verweigerung der Annahme jenes Ausgleichs-Versuches. Aber, wie bereits bemach, hat das Vorgehen des -pr* n'3 mit dem unserer heuigen „Ausgleicher" nicht die entfernteste Achnlichkeit. Alle rr.'m Tana'im, Amora'nn, Geonim, Poßkim standen stets und immer aus dem Boden des traditionellen Judeiulwm-. wich Jemand davon ab wie der Mann aus Auureth oder wie Zadok und Beothus oder wie Cha:.:'>. i der Karäer, so verloren er und seine Anhänger di. ofc meiuschaft mit Israel und bildeten neue Seelen. Aut diesen waren Compromisse nicht möglich und wurden auch niemals versucht. Stehen die Männer der sogenannten Synode, welche j biblische und rabbinische Gesetze nach ihrem Belieben abschaffen und ummodeln, steht der Wiener Vorstand, der nach den Synodalbeschlüssen den öffentlichen Geltes 1 dienst umznwandeln beschließt, steheir diese Leute arit l jüdisch - tradionellem Standpunkte, surd sie nicht noch!

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