Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1872)
- Date
- 1872-05-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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368 gen, daß dieselben ähnliche Schritte in dieser Sache thun möchten. Ich bin u. s. w. E.' Hammond. Feuilleton. Der portugiesische IriedHof in Kttona. (Fortsetzung.) Es ist leicht begreiflich, daß Auszeichnungen der erwähnten Art von den Hamburger Pastoren übel vermerkt werden mußten. Die treuen Anhänger Martin Luthers, der gegen sein Lebensende hin immer intoleranter geworden war und feinen Anhängern empfohlen hatte, die Juden wie Zigeuner zu behandeln, ihnen keine Synagoge zu gestatten und ihren Rabbinern die Zungen ausschneiden zu lassen, geriethen außer sich über solche Greuel und nahmen nicht Anstand, ihren schweren Bedenken, auf der Kanzel Ausdruck zu geben. Sie fuhren unablässig fort, den Rath zu drängen und die Bürgerschaft zu Hetzen und bestanden darauf, daß die Synagogen, deren Existenz eine offenkundige geworden, geschlossen würden. Hierzu kam, daß mittlerweile auch eine jüdische Gemeinde von deutscher Abkunft sich gebildet und eine Betftube eingerichtet hatte. Senior Müller, der protestantische Großinquisitor und Hauptverketzerer, ein schmäh- und scandalsüchtiger Mensch, welche feine ehrbarsten Amtsbrüder auf der Kanzel und in Schmähschriften begeiferte, mochte in solchem Zuwachs -er jüdischen Bevölkerung die Gefahr einer allgemeinen „Verjudung" erblicken, und hielt' es daher für eine Gewysenssache, das Seinige zur Maßregelung der ihm so verhaßten Eindringlinge beizutragen. In Schrift und Wort, auf der Kanzel und im Kreise seiner Schüler, im Privatgespräch und in offiziellen Aeußerungen war sein Lieblingsthema die Juden und ihre Demüthigung. Alles ärgerte ihn an ihnen: ihre Gastereien an Freudenfesten, ihre Trauer am Zerftörungstage Jerusalems, ihre Trachten, ihr Verkehr mit Christen, ihre Leichenbegängnisse. Er verfaßte eine umfangreiche Schrift: „Judaismus oder Judenthum, d. i. ausführlicher Bericht von des jüdischen Volkes^ Unglauben, Blindheit und Perstockung", die keine Spur des heiligen Geistes und der christlichen Liebe trägt, deren Verkündigung zu den Amtspflichten des Seelsorgers gehörte. Aus ihr sprach das verknöcherte, in Punctationen und Concordienformeln verrannte Lutherthum des 17. Jahrhunderts. Müller wünschte die vollständige Knechtung der Juden und erkärte auch das geringfügigste Zugeständniß an dieselben für Sünde und Gotteslästerung. Nach feiner Ansicht mußte die Obrigkeit ihnen nicht mtr Grundbesitz und Synagoge verweigern, sondern sie auch zwingen, das Abzeichen des gelben Lappens zu tragen, und weiter ihnen verbieten, christliche Dienstboten ins Haus zu nehmen uild Compagnie-Geschäfte mit Christen zu machen. Die schwerste aller Sünden aber, so lehrte der Senior und Hauptpastor zu St. Petri, sei es, sich des Beistandes jüdischer Aerzte zu bedienen. Mit der letztbezeichneten Ansicht stand derselbe übrigens nicht allein. Drei theologische Facultäten, diejenigen von Wittenberg, Straßburg und Rostock hatten auf Müller s Anfrage den Bescheid ertheilt, daß jüdische Aerzte nie und nimmer zu christlichen Patienten zugelassen werden dürften. Also wurde im 17. Jahrhundert, während der bluttriefende dreißigjährige Krieg mit der Zuchtruthe namenlosen Elends den Völkern die Lehre von der Toleranz einprägte, von Vertretern des Lutherthums eine neue Auflage der Concilbeschlüsse gegen Juden aus der westgothischen Zeit als ein Act der Gewissenspflicht gepriesen! Sowohl von der Hamburgischen Geistlichkeit, als von den ihr ob des „jüdischen Aberglaubens" gründlich verhaßten Portugiesen wurde der gegenseitige Kampf mit zähester Beharrlichkeit geführt. Das Haupt des Rev. Ministern, Senior Müller, blieb unerschütterlich in seinem Widerstände gegen die Gewährung der geringfügigsten Concession an die Portugiesen, während diese nach wie vor durch schlaue Umgehung die ihnen gesetzten bürgerlichen und religiösen Schranken zu erweitern suchten. So wurde trotz aller geistlichen Remonstrationen, da das Betlokal auf dem „Dreckwall" nicht mehr ausreichte, die Herstellung einer geräumigeren Synagoge in Angriff genommen. Das Ministerium, dem darüber die Geduld riß, brachte die Sache auf die Kanzel, jedoch vergebens: Der Senat begegnete diesem Verfahren mit dem Androhen „scharfer Inquisition" und der Erklärung, daß „die Juden doch nicht wie das dumme Vieh ohne allen Gottesdienst und Religion in der Welt leben" könnten, und daß alle Bekehrungsversuche rmd aller Gewissenszwang sich fruchtlos erweisen würden. Die Replik des Ministeriums wurde aä acta gelegt, der Bau wurde ausgeführt und die Portugiesen bezogen die neue, hinter einem Wohnhausc, also nicht unmittelbar an der Straße gelegene Synagoge'^). Daß die ^ache olme allen weiteren Streit _ *) Diese Synagoge wurde bis zum Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrh. benutzt, dann mit dem betr. Grundstück an die de«tsch--isr. Gemeinde verkauft, welche aus derselben Stelle ein neues Gotteshaus errichtete, während die Portugiesen, nachdem sic beim Abbruch ihrer Synagoge das Holzwerk deS Allerbei-