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Der Israelit · 1872-05-01 · Heft 18 (1.5.1872) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 18 (1.5.1872)
Date
1872-05-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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383 Mohamedaner, 1467 Kranke christlicher Confessionen ^Armenier, Griechen, Katholiken und Protestanten). Wie alljährlichso lieferte auch Heuer das endemische Fieber das größte Contingent der Patienten in der Ambulance, nächstdcm war Dysenterie mit einer großen Anzahl vertreten. Heuer war ausnahmsweise auch die Cholerine mehr denn je sichtbar, ferner viele Erisipele, endlich Augenkrankenbeiten, besonders Conjunctival- Leiden. A u st r a l i e n. N Baüarat. Auch hier wurde ein allgemeiner Dankgottesdienst für die glückliche Genesung des Kronprinzen von England von allen Confessionen abgehalten. In der Synagoge hielt bei dieser Gelegenheit Herr Rabbiner Goldreich eine mit großem Beifall aufgenommene Predigt, von der „der Ballarat - Courier" Auszüge gebracht. Feuilleton. Süß Hppercheimer. XVIII. Süß erschien vor seinen Richtern. Man hatte eine ellenlange Anklageschrift gegen ihn zusammengestellt, in welcher alle möglichen und unmöglichen Verbrechen waren aufgezählt worden. Man hatte sich nicht damit begnügt, die wirklichen Fehler und Vergehen seiner Verwaltung zu rügen — man hatte ihm Dinge vorgeworfen, die heutzutage nur ein mitleidiges Lächeln ob so bornirter Richter und Ankläger Hervorrufen würden. „Meine Herren Richter," sprach Süß zu feiner Vertheidigung, „was habe ich gethan, daß Ihr mich gleich einem Verbrecher in ein dumpfes Loch habt werfen lassen? Ich hin mir keines Vergehens bewußt." „Welche Frechheit dieser Jude besitzt" rief Criminalrath Laubeck, ein junger Manu, den, um sich seinen Vater,^ den alten Rechtscoirsuleuteu, günstig zu stimmen, Süß selbst zu dieser Stelle befördert hatte, „diese Frechheit übersteigt alle Grenzen! Die ganze Welt ist' voll hon seinen Schandthaten, und dieser Jude sagt, er sei sich keines Verbrechens bewußt! Habt Ihr nicht dem -^ande unerschwingliche Steuern aufgelegt?" „„Wer bin ich und wer war ich, daß ich dem Lande Stenern hätte anflegen können? Ich war nichts als der Diener meines Herren, auf dessen Befehl ich gehandelt habe."" „Habt Ihr nicht den Handel des Landes durch Monopole ruinirt?" „„Die Monopole wurden von Seiner Durchlaucht eigenhändig unterzeichnet."" „Habt Ihr nicht unschuldige Leute, ehrenwerthe Männer, ins Gefängniß werfen lassen, blos, weil sie Euch den Respect versagten?" „„Ich war der Minister Seiner Durchlaucht und 'durfte nicht dulden, daß mein Amt und meine Stellung mit Geringschätzung behandelt wurden."" „Habt Ihr nicht den unwürdigsten Schacher mit allen Aemtern getrieben?" „„Auch das geschah auf Seiner Durchlaucht ausdrücklichen Bekohl! Ihr habt doch »reine Papiere Euch angeeignet! Habt Ihr nicht den Erlaß Seiner Durchlaucht gefunden, in welchem er alles sanctionirt, was ich gethan habe oder künftig thun werde?"" „Das eben bricht Euch den Hals, Jude," schrie Prälat Tafinger. „Ihr habt den Herzog verzaubert, verhext. Wie wäre es sonst möglich gewesen, daß ein christlicher Herr einen Teufelsjuden ein solches Document ausgestellt hätte!" „„Herr Geheimrath Bilftnger,"" sagte Süß, „„Ihr wart mein Gegner, als ich noch mächtig war; aber ich kenne Euch als einen vernünftigen Mann. Glaubt Ihr, daß ich Seine Durchlaucht verzaubert habe?"" „Ja, Süß," cntgegnete Bilfinger, „das glaube ich." Schmerzlich bewegt blickte der Angeklagte auf den Sprecher, während ein triumphirendes Lächeln den Mund der andern Richter umschwebte. „Ja," fuhr Bilfinger zu reden fort, „Ihr habt den Herzog verzaubert, durch Eure Liebe, Eure Anhänglichkeit, Euren Geist, Euren Scharfsinn, und vor Allem dadurch, daß Ihr allen seinen Launen nachgegeben und selbst durch die schlechtesten Mittel ihm gewährt habt, was immer er wollte. Und ein solches Verfahren war sträflich." „„Ich gebe Euch zu, Herr Geheimrath, daß ich Unrecht gethan; aber strafbar war mein Verfahren nicht. Sind etwa in Württemberg die Minister verantwortlich wie in England? Thut nicht Euer Fürst, was er will, und müssen seine Diener ihm nicht gehorchen? Und wenn die Stände ihre Zustimmung versagen, thut nicht der Monarch dennoch, was er will? Und habt Ihr ein Mittel, seinem Willen entgegcnzutrcteu? Und Ihr wollt den Diener, der seinen Fürsten gehorchen muß, füc das verantwortlich »rachen, was er auf Geheiß seines Herrn gethan?" „Ihr aber," sagte Lanbcck, „habt Erich selbst bereichert, habt mit dem Schweiße des Volkes Eure Säckel gefüllt, Schlösser und Güter, Gold und Silber und Edelsteine erworben." „„Und habe ich das etwa ohne die Zustimmung meines Herrn gethan? Das Meiste, was ich besitze, sind Geschenke des Herzogs.""

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