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Der Israelit · 1872-05-01 · Heft 18 (1.5.1872) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 18 (1.5.1872)
Date
1872-05-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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382 zweitens, welcher Jude meldet sich so leicht in ein christl. Spital, wenn er ein jüdisches hat? Der Lemberger Jude sucht nur dann Schutz im allgemeinen Spitale, wenn er zu arm ist und im jnd. Spitale wegen Ueberfüllung keine Aufnahme mehr finden kann oder wenn er mit einer Krankheit behaftet, für welche die betreffend Abtheilung im jüd. Spitale nicht vorhanden ist. Rußland. Wilna. Die „R. S. P. Z" berichtet Folgendes: Drei Werst von der Stadt befindet sich eine öde, von Hügeln und Fichtenwäldern umgebene Stelle, auf welcher ein Krug liegt, der int Volke unter dem Rainen „Karolinka" bekannt ist. Den Krug hielt ein Jude: bei demselben lebten dessen alter Vater, die Frau, drei kleine Kinder, eine Dienstmagd und ein verabschiedeter Soldat als Arbeiter. Der Jude galt für wohlhabend. Am Morgen des 23. März kam der Dorfschulzen-Gehilfe nach deni Kruge, um den Juden in irgend einer Angelegenheit zum Kreisrichter zu bescheiden. Er fand die Fensterläden und die Thür noch verschlossen, obgleich es nicht mehr sehr früh war, auch qualmte aus einem Fenster Rauch hervor. Als auf sein Klopfen nicht geantwortet wurde, brach er die Thüre ein, und es bot sich ihm nun ein grauscnerrcgendes Schauspiel dar. Beim Eingänge in das Wohnzimincr lag in der Thüre der Jude und zwei Schritte von ihm der Soldat mit zerschmetterten Schädeln in großen Bültlachen. In dem zweiten Zimmer lag, an' den Divan gelehnt, der alte Vater des Krügers, etwas weiter lagen die Magd, die Frail und die drei Kinder, von denen das jüngste acht Monate alt war, alle mit zerschmetterten Schädeln. Auf dein Boden fand er eine blutige Axt und einen Mauerhammer und auf einer Bank ein Gefäß mit blutigem Wasser, in welchem sich die Mörder wahrscheinlich die Hände gewaschen hatten. Die Betten waren ausgeschnitten, und eines derselben hatte man in Brand gesteckt. Wahrscheinlich haben die Bösewichter in den Betten Geld gesucht, weil die Juden dasselbe oft in den Betten aufbewahren. Die Stadt- und die Kreispolizei haben alle Mittel ergriffen, um der Mörder habhaft zu werden. P a l ä st i n a. Jerusalem. Dem uns von Herrn I)r. London zugeschickten Bericht über die israel. Mädchenschule in Jerusalem vom Jahre 1871 entnehmen wirRachstehendes: Die Schule besteht aus 2 Elasten, und zwar: Die 1. Clasfe für Anfänger; in dieser werden Kinder von 5—9 Jahren in den Anfangsgründen der Elementargegenftände (hebräisch und spanisch Lesen, Schreiben. Rechnen) und in den verschiedensten Handarbeiten unterrichtet. In der 2. Elaste hingegen lernen die bereits vorgerückten Mädchen, außer verschiedener Handarbeiten auch Rechnen, Correspondenz, Bibel, Sittenlehre und Geschichte des Judenthums/ Um tüchtige, ihrem Beruf vollkommen entsprechende Hausfrauen hcranzubilden, laste ich (Herr vr. London, der mit der Leitung der Freiherr von Rothschild'schen humanitären Anstalten in Jerusalem betraut ist, hat diesen Bericht herausgegeben) den Kindern, außer in den obgcnannten Gegenständen, auch in der Haushaltung praktischen Unterricht ertheilen. Sollte cs mir gelingen, wie ich hoffe, auch europäische Lehrkräfte für Jerusalem zu gewinnen, so werden die bereits civilisirten Kinder auch den modernen Sprachen und den Naturwissenschaften ihren Eifer zuwenden. Diese vorn Herrn Dr. Albert Cohn gegründete, und von der Frau Baronin Lyonel von Rothschild auf hochherzigste Weise protegirte und erhaltene Mädchenschule, in der die Kinder nicht nur den Unterricht, sondern auch sämmtliche Schulrequifiten gratis erhalten, entfaltet somit täglich mehr Wirksamkeit im Interesse der Cultur der hiesigen Bevölkerung Der glänzendste Beweis der regen Theilnahme, welche die Population jetzt für dieses Institut kundgibt, ist die gegenwärtige Anzahl der Schulkinder, die seit der Reorganisation dieser Anstalt im Jahre 1866 bis jetzt aut "das Fünffache gestiegen und täglich im Zunehmen ist. Im Jahre 1866 war sie von 40 Kindern, im Jahre 1867 von 84 Kindern, im Jahre 1868 von 109 Kindern, im Jahre 1869 von 130 Kindern, im Jahre 1870 von 142 Kindern und im Jahre 1871 voii 479 Kindern besucht, und zwar von 144 Sephardim, 32 Aschkenasim und 3 Karaiten. Der ärztliche Bericht des Herrn vr. London aus dem Freiherr von Rothschild - Hospitale in Jerusalem vom Jahre 4871 besagt, daß die Anzahl der in diesem Jahre behandelten Kranken 424 betrug. Ende Dezember des Jahres 187O sind im Hospitale verblieben: 43 Kranke Im Jahre 1871 wurden neu ausgenommen 444, zusammen 424. Von diesen wurden während des Jabres 1871 entlassen als geheilt 368, gebessert 38, ungeheilt 1, uild gestorben find 4, mit Ende Dezember sind in Behandlung verblieben 13, zusammen 424. Das Maximum des Krankenstandes betrug 62 und fiel auf den Monat August, und zwar in Folge des zu dieser Zeit am heftigsten zu wütheu beginnenden endemischen Fiebers, mit seiner gewöhnlichen Culmination in den Monaten September, October und November. Das Minimum des Krankenstandes betrug 20 und fiel auf die Monate Februar und März. Die Sterblichkeitsscala hingegen war im Monate October am höchsten, und zwar' in Folge der zu dieser Zeit heftig wüthenden Dysenterie und Febris pernicrofa. Die Anzahl der theils in der Ambulance, theils in ihren Wohnungen gratis behandelten und mit Arzneien unentgeltlich versehenen Kranken betrug in diesem Jahre 19,902, und zwar: 13,611 Israeliten, 6291

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