Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1872)
- Date
- 1872-05-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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WUWWWMW Es wird uns mitgetheilt, daß der hiesige amerikanische General-Consul bei der Regierung um die sofortige Befreiung der verurtheilten Israeliten nachgesucht hat. (Rum. Post). Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Emmendingen (Baden). Wir haben schon vor einiger Zeit mitgetfycilt, daß auf Veranlassung der Herren Jonas Weil aus Ncw-Aork und Hauptlehrer Bodenheimer in Emmendingen ein „Sterbekasse-Verein" gegründet worden und dessen Wohlthaten sich womöglich über sämmtliche Israeliten Badens erstrecken sollen. — Inzwischen hat in Freiburg eine Delegirtenversammlung badischer Israeliten startgefunden, in welcher die Statuten entworfen wurden, sobald der Verein 2000 Mitglieder zählt, wird er seine Thätigkeit beginnen. Der Verein wird den Hinterlassenen eines Mitgliedes ein Minimum von 500 fl. und ein Marimum von 1000 fl. auSzahlen. Bifchweiler. In dein Eanton Biichweiler wollte eine „Schwester" ein neunjähriges isr. Mädchen, welches die katholische Schule besucht, zwingen, dem katholischen Religionsunterricht mitanzuwohnen, indem sie hinzufügte: „Wenn Heinrich Y. König werden wird, wird er Euch alle katholisch machen oder Euch zwingen, mit Euren Eltern das Land zu verlassen. (Cöln. Ztg.) Leipzig, 15. April. Gestern trat in der hiesigen Synagoge der zweite deutsch-israelitische Gemeindetag zusammen, um die Constituirung eines Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes vorzunehmen. Stadtverordneter Kohner, welchem der Vorsitz übertragen wurde, berichtete über die Thätigkeit des im Jahre 1869 beim ersten Gemeindetage ernannten Ausschusses. Es haben ihren Beitritt zum Gemeindetage bisjetzt 113 Gemeinden erklärt, von welchen heute 49 vertreten waren, darunter Leipzig, Dresden, Hamburg, Hannover, Fürth, Braunschweig, Emden, Würzburg, Marienbnrg, Prag, Ingelheim, Trier, Kolberg, München, Stettin, Dessau, Köthen, Kassel, Bamberg, Erfurt, Nordhausen, Aachen, Halle a. S., Magdeburg, Hildesheirn. Als Zweck des Bundes wird angegeben, „die Vereinigung und Organisation der deutsch-israelitischen Gemeinden, einschließlich der deutsch-österreichischen, zur Wahrung ihrer gemeinsamen Interessen, die Pflege und Förderung ihres Verwaltungs-, Bildungs- und Unterstützungs-Wesens nach innen und die Vertretung derselben nach außen, dem Staate wie den Glaubens-Genossen gegenüber." In den Vorstand wurden gewählt die fünf Rechtsgelehrten Lehmann in Dresden, Ortenau in Fürth, Jo- 380 sephthal in Nürnberg, Honigmann in Breslau, Makower in Berlin und Kaufmann Moritz Kohner in Leipzig. Die bessere Gestaltung der Armenpflege und der Fremdenunterstützung bildete den letzten Gegenstand der Tagesordnung des Morgens. In der am Abend abgehaltenen Sitzung wurden Adressen an Adolf Cremieux, den Präsidenten der Alliance Jsraelite Universelle, und an Moses Montefiore beschlossen. — Um das Andenken des vor Kurzem entschlafenen Abgeordneten vr. Kosch zu ehren, erhob die Versammlung sich auf Anregung des vr. Philippsohn aus Bonn von ihren Sitzen. Von einer Adresse an die jüdischen Gemeinden in Lothringen und Elsaß beschloß man abzusehen, nachdem vr. Philippsohn vor einem solchen Schritt auf Grund seiner eigenen Erfahrungen gewarnt hatte. Im weiteren Verlause der Verhandlungen kamen die Thesen des vr. Philippsohn über Gemeindeverfassung zur Annahme: „1) Es ist heilige Pflicht, den einheitlichen Fortbestand der israelitischen Gemeinde zu erhalten und zu sichern; 2) der Ausschuß soll in allen Fällen, wo in einer Gemeinde ein ernstlicher Zwiespalt, der zur Trennung führen könnte, ausgebrochen ist, auf gütlichem Wege, ohne sich in religiöse Parteifragen an sich zu mischen, um eine Aussöhnung angelegentlich sich bemühen; 3) falls die gesetzgeberischen Factoren eines deutschen Staates sich anschicken, die Gemeindeverfassung der jüdischen Gemeinde zu ändern, auf jene im obigen Sinne möglichst zu wirken, daß der einheitliche Rechtsverband der jüdischen Gemeinde gewahrt werde" Es wurde nun noch über die Ordnung des Religionsunterrichts in den Schulen m sehr langer Debatte verhandelt, welche zur Annahme des Antrags von Professor Lazarus aus Berlin führte: „In Erwägung, daß es die heiligste Pflicht jeder Gemeinde ist, den Religionsunterricht auf alle Weise zu fördern, dieser Zweck aber nur durch möglichste Parität erreicht werden kann, so möge der Ausschuß dem nächsten Gemeindetage sowohl Thesen mit incontroverser Motivirung vorlegen als auch Schritte für deren Ausführung vorbereiten." Zum Vororte des Gemeindebundes ward die Gemeinde Berlin einstimmig ernannt. (Frkf. Ztg.) Neustettin (Pommern). Unter denr 28. Febr. richtete die hiesige jüd. Gemeinde auf Anregung und eifrigstes Bemühen des Vorstehers Herrn W. Löwe eine Collectiv - Petition an den Magistrat wegen Verlegung des Sonnabend- und Wochenmarktes auf einen andern Tag in der Woche. Die Begründung des Gesuches in extenso hier niederzuschreiben, würde zu viel Raum in Anspruch nehmen; es genüge daher, den Hauptinhalt desselben, der etwa in folgende Punkte zusammenzufassen wäre, an dieser Stelle bekannt zu geben: a. Der Sonnabend-Wochen markt ist von erheblichem *) Anm. der Red.: Was wir vorauSgesagt, ist eingetreten. Der Gemeinde-und will der Gewissensfreiheit entgegenarbeiten.