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Der Israelit · 1872-05-01 · Heft 18 (1.5.1872) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 18 (1.5.1872)
Date
1872-05-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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379 die Gerechtigkeit fordern die sofortige völlige Freisprechung der Israeliten. Er betonte, daß alle Welt Rumänien den Borwurf mache, es sei die Pflanzschule religiöser Unduldsamkeit und Barbarei — die Geschworenen müssen jetzt der Welt zeigen, daß diese Beschuldigungen unbegründet seien, daß in Rumänien Gerechtigkeit eristire. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Schina, appellirt in beredten Worten au die Geschworenen. Er sagt, daß er kaum was sagen könne — die Unschuld der fünf Israeliten, die seit drei Monaten tu einem schrecklichen Kerker schmachten und unmenschliche Martern erlitten haben, sei eine zu offenbare, um noch der Bertheidigung zu bedürfen. Der Vertheidiger ex officio des Silbermann, Herr Paterlegeano, empfiehlt diesen der Nachsicht der Geschworenen; er wiederholt in Bezug auf die Israeliten die Worte des General-Staatsanwaltes Borfch und des Vertheidigers Schina. Er ermahnt die Geschworenen durch ihr Urtheil zu zeigen, daß die traditionelle Toleranz der Rumänen nicht erloschen sei. Nun ziehen sich die Geschworenen tn den Berathungssaal zurück. Im Auditorium macht sich ein Murren geltend; man ist von der Freisprechung der Juden überzeugt, ^wei Stunden lassen die Geschworenen auf sich warten. Ihre Verlegenheit ist groß, denn sie ersuchen den Präsidenten ihnen den Greffier hineinzusenden, damrt er ihr Verdict zu Papier bringe. — Sie erscheinen dann wieder in dem Gerichtssaale, und der Obmann beantwortet folgende an sie gestellte Fragen: 1) Ob Silbermann des Einbruchdiebstahls und der Kirchenschändung schuldig sei, und 2) ob Preißmann, Vaisman, Haim David, D. Goldschlaeger und Rabbiner Brandes schuldig seien, den Dieb durch Versprechungen zum Diebstahl ermuntert, und die gestohlenen Gegenstände als Hehler verborgen zu haben — mit einem kräftigen „Ja." Nicht einmal Milderungsgründe werden zugegeben. Ein „Ah" der Ueberraschung entschlüpft dem Munde aller Anwesenden; Empörung malt sich auf dem Gesichte Vieler. Der bestürzte Gerichtshof ist gezwungen die Strafe auszumessen; 6 Jahre schwere Kerkerstrafe ist das Maximum für das in Frage stehende Verbrechen, 3 Jahre das Minimum. Er verurtheilt demnach Silbermann zu fünf, die übrigen zu 3 Jahren. Alle zusammen zu einer Entschädigung von 35 Dueaten an den Jsmailer Priester, welcher der Eigenthümer des gestohlenen Geldes war und der gekommen war, um dem Processe beizuwohnen, und durch seinen Vertheidiger, Herrn Capitanesco, vor dem Gerichtshöfe behaupten ließ, daß der Diebstahl nicht aus Bereicherungslust begangen wurde, sondern in der Absicht, die christliche Religion zu verhöhnen und zu schänden. — Der Spruch des Schwurgerichtes hat seine volle gesetzliche Geltung. Das Jnfamirende der Strafe wird aber die Opfer derselben nicht treffen; moralisch haftet dem Verdi cte die völlige Nichtigkeit an. Die Welt wird oie Infamie auf die UrLheilsfäller zurückprallen lassen. Der Regierung liegt jetzt eine heilige Pflicht ob; sie muß Se. Hoheit den Fürsteu veranlassen, von seiner Prärogative Gebrauch zu machen und den Unglücklichen völlige Begnadigung zu gewähren, um dadurch die Solidarität mit dem Buzeuer Areopag abzuschütteln. Denn wir dürfen uns nicht täuschen: das civilisirte Europa wird die Gesammtheit des rumänischen Volkes für diese himmelschreiende Verhöhnung alles Rechts verantwortlich machen; es wird dagegen energischen Protest einlegen, und sich nicht mit momentaner Abhilfe zufrieden geben, sondern radicate Ausrottung des Uebets verlangen. Jetzt gelten leine Ausflüchte mehr; wenn klare und greifbare Unschuld, den: überwiesenen Verbrechen gleich verdammt wird, dann wird die Gerechtigkeit zur Farce und der Staat droht aus allen seinen Fugen zu gehen. Man hat bis nun stets Vorwände gehabt; so oft Unruhen ausgebrochen sind, hieß es, das haben nicht Rumänen gethan sondern Fremde, die Rumänen schütteln alle Verantwortung von sich — nun aber ist es sonnenklar, der schreiend ungerechte Verdammungsspruch ist von Landeskindern gefällt worden, das waren keine Fremden mehr. Der Weg, der jetzt einzuschlagen ist, liegt offen da, kein Zögern und Deuteln kann mehr zugelassen werden, wenn man nicht selbst will in den Verdacht des geheimen Einverständnisses kommen. Es liegt nicht allein nur der Regierung, allen Besserdenkenden und Rechtlichen, allen vaterlandsliebenden Rumänen liegt jetzt ob, zu beweisen, daß Gerechtigkeit im Lande gilt, sie muffen nun das schleunigst gut zu machen suchen, was Unvernunft und Verhöhnung alles Göttlichen und Menschlichen verbrochen hat. Es schmachten in einem elenden Kerker, ehrsame, lang bewährte und geachtete Bürger, Väter, deren Familien nicht allein dem materiellen und physischen, sondern auch dem moralischen Elend entgegen gehen! Wir empfangen eben die telegraphische Nachricht über das Resultat der gestrigen Schwurgerichts-Verhandlung zu Buzeu. Die Ruhestörer, Judenhetzer und Verbrecher vonVilcov, 29 an der Zahl, find, wie wir übrigens voraussehen konnten, sämmtlich vollständig frcigesprochen worden.

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