Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1872)
- Date
- 1872-04-17
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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371 habe, ihren Geist und ihr Gemüth zu bilden. Der zweite Brief weist die Nothwendigkeit nach, daß das Haus Hand in Hand mit der Schule zu gehen habe, und auf welche Weise dies geschehen müsse, wie es z. B. die Anfertigung der Schulaufgaben zu beaufsichtigen habe, wie es durch Achtung vor der Schule die Zwecke derselben fördere u. s. w. Wir empfehlen die beiden Heftchen allen Eltern und sehen mit Spannung dem dritten Briefe entgegen, welcher sich über „die Erziehungsthätigkeit des Hauses nach der Schulzeit" aussprechen wird vr. Otto Lange. Deutsche Rechtschreiblehre. Ein Leitfaden für Schulen. 2. erweiterte Auflage. Berlin 1871. (Gärtner.) 8° 64. S. Jeder erfahrene Schulmann weiß, daß die Orthographie derjenige Unterrichtsgegenstand ist, welcher nicht allein deshalb so große Schwierigkeiten bereitet, weil demselben mit Regeln nicht leicht beizukommen ist, sondern weil es uns überhaupt noch an einer allgemein anerkannten richtigen Schreibweise fehlt, da die Verschiedenheit der Meinungen es noch zu keiner Einigung auf dem Gebiete der Orthographie habt kommen lassen. Es ist natürlich, daß mit dem Wiedererwachen des deutschen Nationalgeistes und dem Streben nach politischer Einheit auch das Streben hervortrat, in der Schrift eine Einigkeit zu erzielen, und allseitig der Versuch gemacht worden ist, etwas Festes, Allgemeingiltiges für die deutsche Rechtschreibung zu geben. Wenn nun auch die einzelnen Versuche bis jetzt noch nicht das Ziel erreicht haben, so ist doch schon manche Eigenthümlichkeit aufgegeben worden, und sucht man sich schon gegenseitig zu nähern. Das vorliegende Buch ist nun auch vorwiegend mit Rücksicht auf nationale Einigung entworfen, erhält womöglich das Hergebrachte bei. scheut sich jedoch auch nicht mit dem Alten. Hergebrachten zu brechen, um den Forschungen der Wissenschaft gerecht zu werden. Besonders schön und faßlich sind die Regeln über die Interpunktion gegeben. Dem Werkchen ist ein Wörterverzeichniß angehängt, das uns über die Schreibung der schwierigen Wörter belehrt. Ob der Verfasser mit seinem, allerdings schon von Heyse empfohlenen, Doppelconsonannten ss durchdringen wird, möchten wir jedoch bezweifeln. _ Prof. Pr. David Müller. Geschichte des deutschen Volkes. 3. verbesserte und bis 1871 vervollständigte Auflage. Berlin 1871. (Bahlen.) 8° XXVII 433 S. Das vorliegende Geschichtsbuch „zum Gebrauch an höheren Lehranstalten und zur Selbstbelehrung" ist nicht mit den gewöhnlichen Lehrbüchern zu vergleichen, die weiter nichts wollen als den iiuaacu Geschichtsstoff tent Schüler in die Hand geben, es will vielmehr histori'che Lectüre für den Schüler sein. Hören wir den Berfa ser selbst, was er über den Zweck seines Werkes in der Vorrede sagt: „Mir schwebte das Ziel vor, dem Schüler ein Buch zu übergeben, das nicht bloß ein trockner Leitfaden wäre. Nicht als mißkenute ich die „„selbstlose Arbeit,"" die einem solchen, soll er ernsten Anforderungen genügen, zu Grunde liegen muß. Aber ich sagte mir, daß der Knabe nicht bloß in der Schule und durch den Lehrer lernt. Hastet doch eine Geschichte, ein Vers, ein Wort, die er im Fluge, im zufälligen Lesen aufraffte, oft besser, als das noch so mühsam Eingcübte. Er suche, finde und erwerbe sich manches selbst. Darum möchte das Büchlein dem Schüler eine Freude sein, nicht eine neue Last zu dem reichen Maße der schon vorhandenen. Und ich möchte jeden Lehrer bitten, es nicht dazu zu machen. Ich halte nichts von dem spielenden Lernen. Unser Beruf ist ernste Arbeit. Aber der Lehrer selber soll in der Schule mit dem Schüler arbeiten, nicht blos bequenl aufgeben und immer wieder aufgeben." Nachdem nun der Verf. die zwei entgegengesetzten Methoden im Geschichtsunterrichte besprochen : die erzählende oder Kathedermethode und die schematische, die sich mehr auf das Einvrägen von Daten legt und die Mängel beider darthut, fährt der Verfasser fort: „Ich möchte nun nicht gerade einen Mittelweg, aber doch einen Ausweg Vorschlägen. Wie, wenn ein Lehrbuch, das zugleich Lesebuch wäre, dem Lehrer ganze Partien abnehmen könnte, io daß dieser nur Verständniß und Aneignung zn überwachen hätte, und so für zweierlei Zeit gewönne: Erstens: durch häufige Repetitionen die unerläßliche Uebersicht und Festigkeit in den Thatsachen zu erzielen, und zweitens: einzelne Abschnitte in jedem Semester, vielleicht begleitet von eignen, erneuten und erfrischenden Studien, den Schülern im ausführlichen Detail und in den anschaulichsten Zügen vorzuführen? So würde er sich selbst vor Verknöcherung bewahren, und der Schüler begriffe auf jeder Stufe, was Geschichte sei — nämlich Leben." Und wahrlich das Buch ist ganz dazu angethan, ein anregendes und beliebtes Lesebuch für den Geschichtsunterricht zu werden; namentlich schwebt über den Darstellungen des deutschen Volkslebens tu den verschiedenen Epochen ein unwiderstehlicher Reiz, eine Anmuth wie sie ncht lieblicher den bekannten Freytag'schen Culturbilder innewohnt. _ Dr. Rosen st o ck. Ue6cr Den Nutzen von Ku ^ben-Erzichuugs-Jnstituten mit Bezug auf die Samsonsschule in Wolfeubütte! bei Brauuschweig. Antuttsrede bei Uebernahme des Direktorats der Samsonschule, 24. Oktober 1871. — r Rudolph März) Hannover. ES sind gewiß schon sehr viele Antrittsreden gehalten worden, von denen die «'.eisten nicht im Drucke erschienen sind, und wir finden dies ganz in der Ordnung; wenn nun aber einmal der Druck einer iiLrs. moros gehaltene Rede 6.. ra muros hinauVührt, um