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Der Israelit · 1872-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1872) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1872)
Date
1872-04-17
Page
– (sequence 19)
Language
German
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363 Kassel, 3. April. In einer an das Haus der Abgeordneten gerichteten Petition beantragen 28 israel. Aementar-Schullehrer des Regierungsbezirks Kassel, der k. Staatsregierung zu empfehlen, daß die Elementarlehrer an den öffentlichen israel. Volksschulen hinsichtlich ihrer Gehaltsverhaltnisse den christl. Lehrern der Provinz gleichgestellt werden möchten. In der Unterrichts-Commission wurde anerkannt, daß ein Mißstand vorliege, der einer allgemeinen Abhilfe dringend bedürfe, da die Zahl der Schulen eine so große, die Gehaltssätze aber 'so niedrig seien, daß sich die Regierung der Aufgabe einer allgemeinen Regelung nicht entziehen dürfe. Die Commission hat deßhalb den Beschluß gefaßt, dem Plenum des Hauses zu empfehlen, die Petition der Staatsregierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Aus Mecklenburg-Schwerin, 1 April, schreibt man der „Voss. Ztg.": Zwischen der strelitz'schen Landesregierung rrnd denr Magistrat der Stadt Strelitz hat sich über die Frage, ob ein Stadtrath jüd. Bekenntnisses au der Beaufsichtigung und Verwaltung des städtischen Schulwesens sich betheiligen dürfe, ein Conflict erhoben. Die Regierung fordert, daß der Magistrat den Ttadtrath Sanders, einen Israeliten, an solcher Bethciligung hindere und ihn als Vertreter des Magistrats irn Schulvorstande zurückberufe, indem sie behauptet, daß das Schulwesen dem kirchlichen Gebiete angehöre, also den Bestimmungen über die Gleichberechtigung derConfessioneir in bürgerlicher Beziehung und des gleichen Anspruchs auf öffentliche Aemtcr nicht unterliege. Der Magistrat ist entgegengesetzter Ansicht und hat jetzt, da die Regierung Zwangsmaßregeln in Aussicht stellte, beim Reichskanzler-Amte eine Beschwerde eingereicht, mit der Bitte, das Reichsgesetz vom 3. Juli 1869 aufrecht erhalten zu wollen und den Magistrat gegen das Vorgehen der Landesregierung zu schützen. Oesterr.- Ungarische Monarchie. Aus Aufpitz wird dem „Tagesb. a. M." geschrieben : Der Händler Isaak Nassau wollte sich Abends von Pohrlitz nach Branowitz begeben. Der Weg erschöpfte den alten, siebzigjährigen Mann so stark, daß er mehrmals Halt machen mußte. Endlich suhlte er sich so entkräftet, daß er am Straßengraben sich niedersetzen und ausruhen wollte. Unglücklicherweise strauchelte er und fiel in den ziemlich tiefen Graben hinunter, ohne jedoch sich verletzt zu haben. Es war ihm aber nickt möglich, sich selbst wieder herauszuhelfen, und so wollte er denn abwarten, bis Jemand komme, der ihm auf die Beine helfen werde. Längere Zeit verging, bis der alte Mann endlich Schritte hörte und um Hilfe rief. Ein junger Bauernbursche erschien, welcher ihm beistand,und ihn aus dem Graben herauszog. Der Bursche, anscheinend menschenfreundlich gesinnt, nahm ihn unter dem Arm und führte ihn eine Strecke weiter. Er begann ein Gespräch, fragte den Alten, woher er komme und wohin er gehe, um seine Beschäftigung u. s. w. Nassau theilte ihm Einiges mit, und so gelangten sie einige Hundert Schritte weiter, als plötzlich der Bauernbursche stehen blieb, den alten beim Kragen seines Nockes faßte und ihm zuricf. „Jud, Du mußt Geld bei Dir haben!" Nassau, nichts Gutes ahnend, betheuerte, daß er nichts bei sich trage. Der Bursche aber sagte weiter zu ihm: „Glaubst Du, daß ich Dir umsonst aus dem Graben geholfen, da irrst Du Dich, ich will eine Belohnung haben." Der Alte antwortete ihm abermals, daß er ohne Geld sei, worauf der Bursche entgegnete: „Das werde ich schon sehen." Hieraus warf er ihn zu Boden und wälzte ihn in den Straßengraben, kniete auf seine Brust und durchsuchte seinen Nock, bis er endlich eine Brieftasche fand, welche mehrere Gulden in Banknoten enthielt. Diese nahm er, versetzte dem Greis mehrere Schläge auf den Kopf, so daß dieser das Bewußtsein verlor und ergriff mit seinem Naube die Flucht. Isaak Nassau lag längere Zeit ohnmächtig, bis er endlich von zwei Männern -gesehen und nach Branowitz gebracht wurde. Ueber den Räuber konnte er keine ausführlichen Angaben machen, weil die Nacht zu finster war. Die gerichtliche Nachforschung ist daher erschwert, doch hat man Verdacht auf zwei zu Exzessen und Gewalthätigkeiten geneigte Burschen aus Branowitz, gegen welche die Untersuchung bereits eingeleitet wurde. Feuilleton. Der portugiesische Iriedhof in Mona. (Fortsetzung.) Die portugiesische Gemeinde und ihr Wohlstand wuchsen, trotz der Ungunst der politischen und religiösen Verhältnisse, von Jahr zu Jahr, und der Senat nahm die Zuzügler mit Capitalien und Handelsverbindungen sehr gern auf. Mag auch ihr erbittertster und hartnäckigster Feind, der genannte Senior Müller, in seiner Schilderung ihres Lebens und Treibens allzustarke Farben gewählt haben, so ist doch immerhin daraus auf den Reichthum der portugiesischen Juden Hamburgs zu schließen. „Sie gehen einher", so läßt sich der Senior in den Protokollen des Ministeriums von 1654 vernehmen, „geschmückt mit goldenen und silbernen Stücken,

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