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Der Israelit · 1872-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1872) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1872)
Date
1872-04-17
Page
– (sequence 18)
Language
German
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362 mit den gelehrten Worten zu kritisiren: „Solches Verfahren, denke ich bedarf keines Eommentars: es richtet sich selbst." So lächerlich und albern auch eine solch' gelehrte Kritik ist, so richtet sie doch bei dem kleinen, aber unwissenden Leserkreise des genannten Blättchens großen Schaden an, wenn man sich auch ndererseits sagen muß: daß an unseren pfälzischen Lehrern nichts mehr zu verderben ist. — In Nr 7 desselben Blättchens entpuppt sich der Schullehrer B. in Jugenheim als Verfasser der Lügencorrespondenz in Nr. 18 des „Synodenblattes" vom v. I., sowie des Artikelchens im „Pfälz. Kurier" vom 6. Nov. v. I., beide gegen den von solchen Individuen viel gehetzten Rabbiner in Dürkheim gerichtet. Wäre dieser Schullehrer, der lächerlich genug, den Landjuden gegenüber damit prahlt, daß er „Freimaurer" sei, lucht vor fünfzehn Jahren schon rnipb gewesen, man könnte in Versuchung gerathen, ihm seine sämmtllchen Behauptungen ausführlich als Lügen darzuthun, so aber will ich an den ohnehin schon so sehr von allen Seiten in Anspruch genommenen Raum des „Israelit," nicht ungebührliche Anforderungen stellen, und den Herrn Schullehrer B. so kurz als möglich abfertigen. Dieser Schulmeister ist nämlich nebenher noch „Vorsteher" einer sogenannten „Handelsschule" in dem Flecken I., eine derjenigen Anstalten, in denen in der Pfalz das Judenthum, soweit cs daselbst noch in seinen letzten Resten vorhanden ist, vollständig zu Grabe getragen wird. In der erwähnten Nr. 7 des „Synodalblattes" versichert B. nun mit höchst komischer Erpectoration, daß „sofern nur noch ein Funken von Moralität in ihm wohnte", er seinen heiligen Beruf" als Handelsfchullehrer aufgcben müßte, so er der öffentlichen Fälschung" geziehen werden könnte. Nun denn, Herr B., ich erkläre hiermit öffentlich alseine „öffentliche älschung": daß in dem Schreiben des Dürkheimer abbinats an Herrn Weil in Jugenheim (der sich, nebenher gesagt, des Mißbrauchs einer Privat c o r r e s p o n d e n z schämen soll!) die Worte „in den Bann gethan" gestanden haben! Ich erkläre hiermit weiter öffentlich als eine bewußte Lüge und „öffentliche Fälschung" die von Ihnen auf Seite 141 des in Ober-Ingelheim erscheinenden Maculaturblattes vom v. I. gemachte Angabe: daß der Rabbiner zu Dürkheim „ein junger Mensch, der nicht ftudirt hat" sei. Die Zeugnisse über dessen philosophische, philologische und alle die Studienzweige, die in der Ausschreibung des Rabbinats „mit allen ihren sprachlichen Schönheiten" (wie sie bekanntlich dem Vorstande zu Sp., der sie abgefaßt, zu eigen sind), ausdrücklich genannt waren, hatten s. Z. der k. Regierung zu Speyer Vorgelegen, und erst nach einer sorgfältigen Prüfung dieser Documente wurde Jener im März 1867 als Bezirks- Rabbiner von Dürkheim - Frankenthal von der hohen Stelle bestätigt. Eine Lüge und „öffentliche Fälschung ist ferner noch manches andere, in Ihrer erwähnten Correspondenz den unwissenden pfälzischen Lch rern zum Besten gegeben. Sie müssen also Ihren „heiligen Beruf" als Handelsschullehrer niederlegen, und wenn Sie dies nicht thun, dann haben Sie Ihren alten Lügen eine neue hinzugefügt, worauf es Ihnen übrigens, ut exempla docent, nicht besonders anzukommen scheint. Oder ist es nicht eine Lüge, daß Grünebaum in Landau, dessen Schleppträger Sie sind (welch' hohe Ehre?), eine „allverehrte" Persönlichkeit in der Pfalz fei? Hätten Sie wirklich die Stirne, zu leugnen: daß dieser Mann vor einem Bierteljahrhundert bereits „in unserer schönen Pfalz" als „ein Mantelträger nach dem Winde" verrufen war, daß man vor drei Jahrzehnten bereits ihn mit den Worten zu charakterisiren pflegte: er predige in Jugenheim „alt", in Edenkoben hingegen „neu"? Wenn Sie das nicht glauben wollen, so werde ich mit weiteren Mittheilungen im „Israelit" Herausrücken, die Ihnen (nein, nicht Ihnen: Sie kennen ihn ja, sondern denen, die ihn bisher noch nicht gekannt) die Augen auf- oder übergehen machen werden. — Im Uebrigen kommt es Ihnen nicht zu. über einen Rabbiner in Dürkheim oder anderswo zu Gerichte zu sitzen, dazu sind Sie viel zu unwissend und viel zu unbedeutend, wenn Ihnen auch der Typus aller Anmaßung, der Schullehrer Kl. in Ober-Ingelheim, die Erlaubniß dazu ertheilen und, aus Mangel an Stoff, *) den verlogensten Mittheilungen selbst, die Sie ihm zusendcn möchten, die Spalten seines Maknlaturblättchens bereitwilligst öffnen würde. Wir rathen Ihnen wohlmeinend, Ihre stumpfe Feder auch fernerhin zu marktschreierischen Annoncen im „Kurier" oder zu Lobhudeleien des derselben sehr bedürftigen Rabbiners in Landau zu verwenden, anständigen und ehrlichen Leuten aber bleiben Sie damit vom Leibe, und am allerwenigsten wagen Sie cs, sie gegen den Dürkheimer Rabbiner in lügnerischer Weise zu gebrauchen, denn der könnte Ihnen und Ihrer Handelsschule einmal heimleuchten, daß Ihnen die Lust zum Lügen für immer vergehen möchte. Berlin, 8. April. Dem „Franks. I." wird von hier geschrieben: „Eine Episode aus dem Leben des verstorbenen Dr. Ko sch verdient der Vergessenheit entrissen zu werden. Als derselbe seine Studien beendet hatte und sein Jahr abdienen wollte, wünschte er, dies ebenso wie andere Mediciner, als Compagnie-Chirurg zu thun. Dies wurde ihm abgeschlagen, weil er ein Jude war. und als er sich an den König Friedrich Wilhelm 111. wandte, versagte auch dieser die Erlaubnis, weil er nicht wünsche, daß seine Soldaten von Juden behandelt würden!" *) Sehr treffend unv wahrheitsgetreu. — (Der Setzer ves „Israelit", früher gleichzeitig Metteur en pag_js des „Israel, fietjrer" und des „Synodalblatt".)

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