Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1872)
- Date
- 1872-04-17
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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S64 mit köstlichen Perlen und Edelgesteinen; sie speisen auf ihren Hochzeiten aus silbernen Gefäßen und setzen dabei eine große Menge Schüsseln und Consecte auf, und endlich fahren sie in solchen Carossen, die nur hohen Standespersonen zustehen, und gebrauchen bei solchen Carofsen noch obendarein Vorreiter und ein großes Comitat." Nicht minder eiferte der Herr Pastor gegen ihren schrankenlosen Verkehr mit den christlichen Einwohnern dieser Stadt, die sie zu gewissen religiösen Ceremonien in ihre Häuser luden und dann reich beschenkten. „Wenn das Passah gehalten wird," so heißt es in der beregten Beschwerde, „müssen unsere Bäcker ihnen das süße Brod backen, dabei sich die Juden lustig machen, wie auf dem Heiligengeist - Kirchhof in diesem Jahre (1649) geschehen. Dahin können auch gezählet werden ihre Comödien, die sie öffentlich agiren und Christen lassen Zusehen, wie in diesem jetzigen Jahre in der Fastenzeit mit großem Aergcrniß und Profanirung der heiligen Passionszeit geschehen ist. (Der Senior deutet damit auf das Purim — Hamansfest — hin, in welchem die portugiesischen Juden Komödien in spanischer Sprache anzuführen pflegten.) Sie treiben an der Christen Sabbat, Fest- und Bußtagen Handel und Kaufmannschaft: sie suchen solche, die in hohen Aemtern weltlichen Standes sind, mit Geschenken zu corrumpiren." Aehnlich ereifert sich Schuppius über das luxuriöse Leben der Portugiesen, die in keiner Weife des Fluches eingedenk seien, den Gott auf das Volk Israel gelegt. Ihm erschienen solche Zustände als eine Verkehrung aller kirchlichen und bürgerlichen Ordnung, so daß er seinen Aerger darüber in folgenden, unleugbar sehr naiven Aeußerungcn Luft machte: „Ich kam in die Neustadt und wollte einem Freund zusprechen. Als ich bei seinem Hause ankam, kam Einer gefahren in einer schönen, mit Sanunt gefütterten Kutsche. Neben der Kutsche lief ein Diener in Liverey gekleidet. Und als die Kutsche still hielt, machte der Diener, welcher ein Christ war, nach tiefer Referenz die Kutsche auf und hob einen alten Mann heraus, welcher einen langen, seidenen Talar anhatte. Ich dachte, es müsse entweder ein Bischof oder ein abgelebter Fürst oder Graf sein. Ich zog meinen Hut ab, so tief, als wenn es der Churfürst von Sachsen wäre, und fragte dann eine Frau: Wer ist doch der Herr? Die ehrliche fromme Frau antwortete mit lachendem Munde: Es ist ein Jude, allein man nennt ihn den reichen Juden Ich fountc mich nicht genug darüber verwundern und dachte: O du reicher Jude, wie manchen Christen hast du und deine Vorfahren vielleicht betrogen, bis ihr so viel Geld zusammengescharrt habt, daß ihr einen größeren Staat führen könnt, als mancher vornehme alte Reichsgraf in ganz Deutschland thnn kann! Deine Vorfahren werden, als Titus, Vcspasianus' Sohn, Jerusalem in Aschen gelegt hat, kein Geld per Wechsel auf Venedig, Amsterdam oder Hamburg Übermacht haben. Wenn ich etwas zu Hamburg zu befehlen hätte, wollte ich den reichen Juden nicht auf einer sammtnen Kutsche fahren lassen, sondern ich wollte ihn tractiren, wie Josua die Gibeoniter tractirt hat." *) Der Insasse jener mitSamniet gefütterten Kutsche aber war Diego Texeira de Mattos, ein aus Portugal eingewanderter Edelmann, der eine Zeitlang die Stelle eines spanischen Residenten in Flandern bekleidet hatte. Derselbe war Resident, Banquier und Vertreter der Königin Christine von Schweden geworden, die ihn wegen seiner Zuverlässigkeit und seiner Klugheit schätzte. Ihm wurden ob seiner hohen Stellung alle üblichen Ehren erwiesen; so berichtet Schutt in den „Jüdischen Alterthümern", daß vor Diego Texeira, wenn er über den „großen Neuen Markt" fuhr, die ganze Hauptwache ins Gewehr trat. Die Königin wechselte Briese über wichtige Angelegenheiten mit ihm, besprach mit ihm die Lage der europäischen Politik und legte dadurch die Anerkennung seines staatsmännischen Tiefblickes an den Tag; ja, als sie auf ihr^r Reise nach Italien durch Hamburg kam, lehnte sie die Benutzung der vom Senat für sie bereit gehaltene Wohnung ab und zog es vor, ihren Aufenthalt in dem am Kraienkamp belegenen Hause des portugiesischen Juden zu nehmen. Diego Texeira de Mattos siedelte später nach Amsterdam über, wo seine Nachkommen noch heute als begüterte Kaufleute floriren. Uebrigens war er es nicht allein, der sich so hoher Connexionen zu erfreuen hatte, denn in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts finden wir unter den Portugiesen den Residenten des Königs von Polen, A b e n s u r, der die Religionsangelegenheiten seiner Glaubensgenossen nicht minder als ihre äußere Stellung zu fördern wußte, und dessen Descendenten noch heute in Hamburg und Altona als Kaufleute wohlbekannt sind; ferner Du arte Numez da Costa und Jacob Curiel als Residenten des portugiesischen Hofes. (Fortsetzung folgt.) *) Josua verurthcilte die Gibeoniter zu Holzhauer- und Wasserträgerdienstcn.